Mountainbikes mit Elektroantrieb, sogenannte eMountainbike oder auch eMTBs, erobern die Berge. Ein echter Geheimtipp hingegen ist Deutschnofen in Südtirol. Hier sind einsame Touren bis in den Latemar und zum Rosengarten garantiert.

Dass Jan mit seinem Vater jährlich eine Radtour unternimmt, hat schon Tradition. Doch diesmal will er mit seinem Sechzehnjährigen auf dem eMountainbike losziehen. Ob das gutgeht? Jan findet die Idee etwas seltsam: „Das eBike kannst du ja nehmen, ich überhol dich dann mit angezogener Handbremse bergauf mit meinem Mountainbike.

Ziel sind die Dolomiten, die abwechslungsreiche Strecken mit viel Auf und Ab versprechen. Als Vater Manfred beim Radverleih in Deutschnofen in Südtirol angekommen ist, überraschen Jan zehn coole KTM-eBikes mit extrafetten Reifen, drei davon sind Fullys. Ausgestattet mit den stärksten Motoren, die auf dem Markt verfügbar sind, dezent versteckt im Tretlager. Vermieter Ivan kommt ins Schwärmen: „Mit den breiten 27,5+-Reifen hast du eine extrem gute Haftung bei rasanten Downhill-Abfahrten, und mit dem superlangen Federweg von 160 mm kann man schön spielen.“ So langsam beginnen Jans Augen zu leuchten: „Wenn du mir ein Fully mietest, fahre ich mit.“ Bingo!

16 Tonnen Bergkäse jährlich

Stefan Köhl in seiner Reifekammer

Auch Ivan und acht weitere eMountainbiker fahren mit, denn Manfred hat sich für eine Erkundungstour rund um Deutschnofen unter der Führung von Ivan entschieden. Wer könnte den Gästen besser seine Heimat zeigen als der eBike-Pionier vom Eggental? Für ihn liegt der Sinn im eBiken nicht im Kilometerschrubben, sondern in erlebnisreichen Genusstouren, auf denen man Spannendes über Land und Leute erfährt. Nur: Ob Jan das auch spannend findet?

Auf menschenleerer Landstraße fährt die Gruppe zügig aus dem Ort Richtung Westen. Ein moderates Stück, um mit dem eBike vertraut zu werden – die elektrische Unterstützung mal im Eco-, Tour-, Sport- oder Turbo-Modus zu testen. Jan klebt Ivan im Eco-Modus am Hinterrad und vertreibt sich die Zeit mit freihändigem Fahren. Schon hier bietet sich das erste Dolomiten-Panorama. Linker Hand grüßt die Brenta-Gruppe, vor den Radlern imponieren die schneebedeckten Kuppen des Ortlers, und im Rücken grüßt das Latemar-Gebirge. Ein Abzweig in den Wald verschluckt das Panorama und sorgt für die ersten Erfahrungen mit eAntrieb auf einem unebenen Waldweg, der den geländegängigen Bikes jedoch nichts anhaben kann.

Trotzdem ist nach kurzer Fahrt der Besuch des Learner Hofs mit Hofkäserei eine willkommene Gelegenheit für die nächste Pause. Obwohl dieses Anwesen bereits von der vierten Generation bewirtschaftet wird, hat erst Jungbauer Stefan Köhl die Käserei aufgebaut, in der jährlich 16 Tonnen Bergkäse produziert werden, ausschließlich aus eigener Milch, der im hofeigenen Keller je nach Sorte ein bis sechs Monate reift. Dass der schmeckt, davon überzeugen sich die Urlauber mit verschiedenen Käsewürfeln und frisch gebackenem Bauernbrot. Kein Wunder, hat Stefan doch schon wiederholt „Goldkäse“ bei internationalen Wettbewerben gewonnen.

Im entspannten Auf und Ab führt die Tour weiter durch den Wald und an Wiesen vorbei. Jan findet es chillig, dass er sich dank eAntrieb sogar bergauf noch freihändig die Bike-Handschuhe anziehen kann. Ebenso, dass er sich den steilen Anstieg zur Jausenstation St. Helena wie mit einem Magneten hochziehen lässt. Der Kaiserschmarrn schmeckt trotzdem. Schließlich ist er selbst gemacht, so wie 70 Prozent des gesamten Angebots des traditionellen Hof-Ausschanks. Produkte aus eigener Produktion stehen bei den Südtirolern hoch im Kurs – und bei den Gästen.

Trotzdem ist nach kurzer Fahrt der Besuch des Learner Hofs mit Hofkäserei eine willkommene Gelegenheit für die nächste Pause. Obwohl dieses Anwesen bereits von der vierten Generation bewirtschaftet wird, hat erst Jungbauer Stefan Köhl die Käserei aufgebaut, in der jährlich 16 Tonnen Bergkäse produziert werden, ausschließlich aus eigener Milch, der im hofeigenen Keller je nach Sorte ein bis sechs Monate reift. Dass der schmeckt, davon überzeugen sich die Urlauber mit verschiedenen Käsewürfeln und frisch gebackenem Bauernbrot. Kein Wunder, hat Stefan doch schon wiederholt „Goldkäse“ bei internationalen Wettbewerben gewonnen.

Facts-Check

KTM Macina Kapoho LT 274 Fully

  • Antrieb: ins Tretlager integrierter Bosch-Performance-Line-CX-Motor, 36 Volt/250 Watt
  • Akku: halbintegriert, 13,8 Ah/500 Wh
  • Reifen: grobstollige 27,5+-Tubeless-Bereifung
  • Federgabel: RockShox Plus RC3, 160 mm
  • Bremsen: hydraulische Scheibenbremsen Shimano RT64 CL 180/180
  • Schaltung: Shimano SLX M7000-11 shadow plus
  • Gewicht: 23,3 kg

Das KTM Macina Kapoho ist ein eMountainbike fürs grobe Gelände, das sich auch bequem auf Asphalt fahren lässt. Das bewährte Modell bekommt 2018 ein Facelift mit integriertem Akku und 29-Zoll-Rädern.

Touren & Verleih

Geführte eBike-Touren:

Schnuppertour ab Deutschnofen, 5 Stunden, mittwochs, 30 Euro/Person inkl. eBike-Miete Latemar-Umrundung ab Welschnofen, 6 Stunden, donnerstags, 49 Euro/Person inkl. eBike-Miete
www.eggental.com

Bike-Verleih:

eMTB-Miete ab 32 Euro/Tag, eMTB-Fully 45 Euro/Tag,
www.flexsports.it

Bike-Karte:

Kompass-Wanderkarte Regglberg – Latemar –
Eggental: Wanderkarte mit Radtouren und
GPS-Daten. Maßstab 1:25.000

Idyllische Naturpfade auch ein Highlight im schönen Eggental

Als sich Ivan nach der Rückkehr am Nachmittag von seinen Gästen verabschiedet, blickt er in zehn strahlende Gesichter. Und der Junior bekommt von Ivan noch den Tipp, in den Bike- Park an der Liftstation zu fahren. Die Chance lässt er sich natürlich nicht entgehen und jagt seinen Vater durch Steilkurven und über Treppenabfahrten – nur über die Rampen muss er allein springen, was ihm sichtlich Spaß macht, auch mit eAntrieb. Denn von dem wird er ja ganz easy wieder den Berg hochgezogen, und er kann zigmal öfter springen als mit dem normalen Mountainbike. Und bevor die beiden die Räder in die Bike-Garage ihres Hotels schieben und in der Sauna relaxen, machen sie einen Abstecher ins „Ideenreich“. Hier steht Tischler Alois Kofler an der Werkbank und drechselt aus dickem, 60 Zentimeter breitem Zirbenholz Teelichthalter, durch die tausend Lichter scheinen. Die Arbeit mit unterschiedlichen Hölzern ist seine Leidenschaft und für ihn Entspannung pur, obwohl er hoch konzentriert bei seiner Arbeit sein muss. Sieht er ein Stück Holz am Wegesrand, weiß er sofort, was er daraus zaubern kann, und ihm blutet das Herz, wenn Bauern die schönsten Stücke einfach verfeuern wollen. Entsprechend groß und vielseitig sind sein Holzfundus und die Einträge in seinem Ideenbuch. Doch die Königin der Nadelhölzer ist für ihn die Zirbe, denn die wächst in Regionen, in denen andere Nadelbäume längst kapitulieren.

Beste Aussichten dank Ladepause

Grandiose Bergkulisse im Eggental
Grandiose Bergkulisse im Eggental

Grandiose Bergkulisse im Eggental

Diese Regionen wollen Vater und Sohn am nächsten Tag mit der Latemar-Umrundung erkunden, diesmal allein mit einer genauen Wegbeschreibung von Ivan, dazu Karte und Navi. Trotzdem fällt ihnen die Wegfindung nicht leicht. Als sie nach einer abwechslungsreichen Geländefahrt mit 77 km/h die Straße nach Schwarzach runtersausen und sich nicht sicher sind, ob das wohl der richtige Weg ist, sind sie trotzdem ganz unbekümmert. Sie können ja notfalls im Sport-Modus wieder bergaufstrampeln. Und nach einer so rasanten Talfahrt lässt der Anstieg nicht lange auf sich warten: Vier Kilometer kehrenreiche Landstraße führen nach Obereggen. Oben angekommen, lässt Jan seiner Begeisterung freien Lauf: „Ich bin im Tour-Modus mit 20 km/h hochgezischt.“ Der Vater brauchte den Sport-Modus, um mithalten zu können. Schotter knirscht unter den Reifen, ganz ohne Elektroantrieb, als sie den Karersee erreichen, der wie ein türkisfarbener Diamant am Fuße des Latemar-Massivs liegt, umrahmt von schwarzem Wald.

Für den dritten Tag empfiehlt Ivan die Almenrunde, die fordernde Singletrails, herrliche Ausblicke und originelle Hütten verspricht. Highlight ist dabei die Petersberger Leger Alm am Fuße des Weißhorns, denn diese ist mehr als eine Hütte. Sie ist ein Platz zum Innehalten und Philosophieren. Hüttenwirt Alexander Bisan ist von der heilenden Kraft der Natur überzeugt und bringt dem Gast seine Lebensideen auf sympathische Weise näher. Tiere mag er lieber lebendig, darum bietet er ausschließlich vegetarische und vegane Speisen an, die er seinen Gästen fast immer barfuß serviert. Dass seine Lebensweise Kraft und Ruhe gibt, strahlt der Wahl-Hüttenwirt mit jedem Schritt aus. Wer will, kann mit ihm über Gemeinwohl- Ökonomie diskutieren, eine Naturwoche buchen oder die Schwitzhütte erleben. Die beiden Vegetarier Manfred und Jan freuen sich, sich mit vollwertigen Buchweizenlaibchen stärken zu können. Dann läuft Jan auf engen Waldpfaden, Wurzelwegen und Schotterkurven zur Höchstform auf. Das sind Wege ganz nach seinem Geschmack. Und als er merkt, dass das Gewicht des Motors im Tretlager beim Downhill sogar die Fahrt stabilisiert und die Federn besser arbeiten lässt, sind seine letzten Zweifel am Mountainbike mit Elektrounterstützung verschwunden. Und der Vater freut sich, als Jan ihn auf der Rückfahrt bittet: „Können wir zu Hause auch mal eBikes leihen und dann in den Bike-Park fahren?

Zum Verweilen fehlt die Ruhe, denn die Bike-Enthusiasten zieht es hoch hinauf. Mit dem Lift Nr. 17 von Latemar schweben sie und ihre Bikes auf 2.017 Meter Höhe. Jetzt sind sie oberhalb der Baumgrenze, und die Bergwelt liegt ihnen in den schönsten Grauschattierungen zu Füßen. Zeit, eine längere Pause einzulegen und die Akkus für die Heimfahrt zu stärken. Die Ladestation auf der Ganischgeralm bietet sogar Ladekabel für die gängigsten Akkutypen an und stellt den Strom kostenlos zur Verfügung. Auch die Fahrer stärken sich und genießen die Abendstimmung in luftigen Höhen, die sie ohne Ladepause komplett versäumt hätten. Nach einer Stunde sind Bikes und Biker für die Heimfahrt gewappnet und sehen den Rosengarten nach kurzer Talfahrt rechts neben sich rot leuchten, so wie es die Sage von Alpenkönig Laurin beschreibt, der einst im Rosengarten lebte, bis er einen Fluch über die Rosen aussprach, da sie seinen Aufenthaltsort verrieten. Die Rosen sollten weder bei Tag noch bei Nacht blühen. Doch St. Laurin vergaß die Dämmerung – und so blühen die Rosen in den Morgen- und Abendstunden beim Alpenglühen. Kurz vor Dunkelheit erreichen die beiden Ausflügler müde, aber nicht ausgepowert das Hotel genau zum Abendessen, das sie sich redlich verdient haben.

ePionier Ivan Riegler

Ivan Riegler (47) lebt für den Outdoor-Sport: im Sommer Biken, im Winter Skifahren. Vor drei Jahren begann der Touristikmanager damit, eBikes unter kritischen Blicken zu verleihen. Unterstützung fand er allein durch den Hotelier Luis Brunner vom Bike-Hotel Erica. „Spätestens seit diesem Jahr kommen die Leute und fragen gezielt nach eBikes. Ich könnte viel mehr vermieten, wenn ich mehr Räder hätte.“ Im nächsten Jahr will er die Zahl seiner eBikes auf 20 verdoppeln. Wildes Herumheizen durch Wald und über Wiesen ist indes nicht seins. Darum engagiert er sich im Tourismus-Gremium für einen geführten eMountain-Bike-Tourismus, der die Gäste für die Schönheit und Kultur der Region sensibilisiert. „Was gibt es Schöneres, als mit Gästen unterwegs zu sein und ihnen meine schöne Heimat zu zeigen?“ Gerne gibt Riegler auch fachkundig und geduldig Tipps für eine passende Tour in Eigenregie. www.flexsports.it

Passionierter eMountainbiker: Ivan Riegler gibt seinen Gästen gerne Insider-Tipps.

Passionierter eMountainbiker: Ivan Riegler gibt seinen Gästen gerne Insider-Tipps.

Im eBike-Dorado

Zwischen Rosengarten und Latemar im UNESCO- Weltnaturerbe Dolomiten können Biker aller Leistungsklassen von Ostern bis Mitte November abwechslungsreiche Touren über Almwiesen und durch Hochtäler mit herrlichen Panorama-Aussichten genießen. Der Elektroantrieb macht das alpine Gelände auch für weniger Trainierte zugänglich, während Sportler von einem größeren Tourenradius profitieren. Rücksichtsvollen Bikern steht das gesamte Wandernetz von über 500 Kilometern zur Verfügung. Neben Hütten, die mit einer Ladevorrichtung ausgestattet sind, kann man mit eigenem Kabel an den meisten Hütten Strom tanken.

Einkehren und aufladen:

Petersberger Leger Alm, vegetarisch-veganer Almgasthof am Weißhorn, www.naturheilt.it Ganischgeralm im Rad- und Wandergebiet Latemar – Obereggen mit X-Pouf Biker’s Lounge, www.ganischger.com Laab Alm in Deutschnofen mit externer Ladestation, www.laabalm.com

Übernachtungstipp:

Im Vier-Sterne-Superior-Bike-Hotel Erica im Herzen von Deutschnofen steht die persönliche Bikebetreuung durch die Gastgeberfamilie Brunner im Vordergrund. Luis Brunner war selbst einer der eBike-Pioniere in der Region. Es steht eine abschließbare, videoüberwachte Bike-Garage und -Werkstatt zur Verfügung. GPS-Geräte und eBikes können geliehen werden. An drei Tagen werden geführte eBike-Touren angeboten. Tipps für die passende Tour gibt’s täglich. Erholung finden müde Biker im großzügigen Vital-Spa. Doppelzimmer inkl. Verwöhn- Pension ab 87 Euro/Person. www.erica.it www.eggental.com