Wo Eis, Schnee und Kälte regieren, sind Schneemobile unverzichtbar. Aber die Schlitten mit Verbrennungsmotor sind oft sehr laut. In aller Ruhe die Natur genießen? Fehlanzeige! Das geht nur mit einem sanften Surren. Dass Abenteuerlust als Treibstoff reicht, beweist die neue Elektro-Generation.

Antarktische Raupe

Was Autos können, können Schneemobile auch – dachte sich wohl der französische Fahrzeughersteller Venturi und erfand ein Kettenfahrzeug mit Nullemission. Dass der Luxus-Autobauer aus Monaco das Außergewöhnliche liebt, ist ja bereits bekannt. Diesmal ist das Klientel für das neue Elektrogefährt Venturi Antarctica aber mehr als exklusiv: Es wurde für den Gebrauch in der Antarktis gebaut, und zwar für die belgische Forschungsstätte „Princess Elisabeth Station“, die komplett mit erneuerbaren Energien versorgt wird. Da passt das ungewöhnliche Raupenfahrzeug hervorragend ins Konzept.

Seit dem Winter 2011 zeigt das Eismobil, dass seine beiden Elektromotoren auch bei knackigen Minusgraden fehlerfrei funktionieren. Auf seinen Ketten schafft der Venturi Antarctica damit eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h. Mehr ist in dem unwegsamen Terrain der Eiswüste und bei den dort lauernden Gefahren auch gar nicht nötig. Die Energie für das eMobil wird aus Wind- und Sonnenkraft gewonnen. Mit einer Batterieladung erreicht das futuristische Gefährt eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern und kann eine Nutzlast von einer Tonne über das Eis transportieren. Wir sagen: Daumen hoch für diese clevere Erfindung zum Schutz der einzigartigen Flora und Fauna in der Antarktis.

Agent der Zukunft

Die polnische Designstudie Snow Crawler zeigt, wie das Schneemobil der Zukunft aussehen könnte.

Der Snow Crawler könnte der Lamborghini unter den Schneemobilen werden, wenn es nach den Vorstellungen der polnischen Designagentur Mindsailors geht. Ihr Konzept-Fahrzeug besticht durch eine elegante Optik, fast so, als wäre es geradewegs einem James-Bond-Film entsprungen. Vielleicht ist der kreative Kopf der Agentur, Michal Bonikowski, ja ein Fan des britischen Geheimagenten?

Die mächtigen Ketten am Heck des Fahrzeugs werden elektrisch angetrieben und könnten problemlos jedes noch so unwegsame Winter-Wunderland bezwingen. Damit man eine klare Sicht nach außen hat, gibt es in der Pilotenkanzel eine Innenraumhheizung. So lässt sich das Fahrvergnügen komplett windstill erleben.
Mit welcher Batterie der Snow Crawler betrieben werden soll, hat Mindsailors nicht bekannt gegeben. Auch nicht die konkrete Bauweise des Raupenantriebs, oder ob der Schneescooter überhaupt so in Serie gehen könnte. Dennoch: Das Konzeptfahrzeug ist eine kreative Gedankenspielerei mit einem coolen Design. Und wer weiß schon, was die Zukunft bringt …

Wahres Arbeitstier

Überzeugt als Arbeitsschlitten auf der Piste: der iCATpro 13 ZE.

Zero Emission und Full Electric Power Drive – mehr Worte braucht es eigentlich nicht, um den iCATpro13 ZE zu beschreiben. Mit dem elektrisch betriebenen Schneemobil präsentiert die Holleis Handels-GmbH mit Firmensitz in Maishofen (Österreich) den ersten in Serie produzierten elektrischen Motorschlitten. „Gestartet wurde bereits 2003 mit den ersten Elektrokomponenten. 2011 war der erste große Arbeitsmotorschlitten funktionsfähig und ging drei Jahre in den Test“, so der Arctic-Cat-Importeur. Die größte Herausforderung dabei sei gewesen, Lieferanten zu finden und für den eSchlitten zu begeistern. Doch der iCATpro13 ZE überzeugte alle Skeptiker mit seinen Stärken: transportieren, Lasten und Spuren ziehen.

Auf Basis eines der derzeit größten am Markt befindlichen Chassis, des BearcatXT, wird er von einem Drei-Phasen-Elektromotor angetrieben, welcher eine Maximalleistung von 39 Kilowatt aufbringt. So kommt der Bob auf 65 km/h. Kraft hat das Fahrzeug auch genug – 72 Kilowatt, um genau zu sein. Unter normalen Bedingungen ist so eine Reichweite von 40 Kilometern möglich. Clever: Bei Talfahrten erfolgt eine Energierückgewinnung. Bei einem Eigengewicht von 358 Kilogramm bietet das Fahrzeug zudem Platz für 2 Personen. Weiter punktet der Arbeitsschlitten mit Extras wie Spikes, Überrollbügel oder Arbeitsscheinwerfer. Wer sich das Elektro-Snowmobil zulegen möchte, muss 24.000 Euro auf den Tisch legen.

Übrigens: Der Bob leistet seinen Dienst bereits bei verschiedenen Bergbahnen. „Einer der ersten ausgelieferten iCATpro läuft seit drei Jahren am Pitztaler Gletscher. Bisher gab es keine Reparaturen – das bei einem Kilometerstand von über 8.000; das entspricht im Vergleich etwa 200.000 Kilometern bei eine Auto“, erzählt Helmut Holleis stolz. Diese Fakten können sich sehen lassen.

Auf leisen Kufen

Dieser extravagante Elektroschlitten stammt aus Studentenhand und wurde in Kanada entwickelt. Er braust leise surrend durch die Wildnis.

Das beliebteste Fortbewegungsmittel in der kanadischen Wildnis ist das Schneemobil. In Quebec gibt es sogar über 30.000 Kilometer eigens für die Bobs gespurte Pisten. Wen wundert es da, dass gerade hier ein Start-up namens Taiga Motors einen Elektro-Bob entwickelt hat?

Nachdem die drei ehemaligen Studenten Gabriel Bernatchez, Sam Bruneau und Paul Achard für einen Prototypeneinen hoch dotierten Innovationspreis gewonnen hatten, rieten ihnen Investoren: „Dream big, make the entire vehicle!“ Und das taten sie. Ihr Elektroschlitten kann sich sehen lassen: Er beschleunigt von 0 auf 100 km/h in unter 3 Sekunden, fährt emissionsfrei und ist deutlich leiser als Veteranen mit Verbrennungsmotor. Die Lautstärke sinkt den Angaben des Herstellers zufolge im Vergleich zu einem „normalen“ Schneemobil von 96 Dezibel auf erträglichere 62. Die Reichweite ist mit 100 Kilometern angegeben.

Im vergangenen Winter wurde das eFahrzeug bereits von Mitarbeitern der Firma Canadian Wilderness Adventures unter die Lupe genommen. „Jeder fand, dass die Leistung sehr beeindruckend war“, fasste General Manager Craig Beattie das Ergebnis der Testfahrten zusammen und bestellte gleich zehn Elektromobile. Die Manager von Taiga Motors hoffen, dass weitere Firmen diesem Beispiel folgen. Ziel, so Bruneau, sei es, die Schneeschlitten für etwa 15.000 Dollar anzubieten. Erste Vorbestellungen sind für das Frühjahr 2018 geplant. Die Produktion soll bis 2020 auf 5.000 Mobile ansteigen.

Go, Schneeflitzer, go!

Der Go Snow ist ein cooler Mix aus Motorroller und Ski-Scooter.

Motorroller oder Ski-Scooter? Der Go Snow von Govecs kann beides. Auf Wunsch verwandelt der Münchner Zweiradhersteller seinen elektrischen Hochleistungsroller S 2.4 in ein Schneemobil. Die Idee dahinter: Beim Roller kommt statt des Vorderreifens eine breite Kufe an die Federgabel – und schon geht’s ab auf die Piste.

Hinten hat das Snowmobil einen Reifen mit wenig Druck und einem grobstolligen Profil. Wem das nicht genug ist, der kann sich alternativ einen Reifen mit Spikes aufziehen lassen. Für den nötigen Fun-Faktor sorgt ein bürstenloser Elektromotor mit einem wartungsfreien Riemenantrieb und einem Drehmoment von 54 Newtonmetern. Damit sind Drifts und schnelle Fahrten möglich. Der Rest des eSchneemobils ist im Grunde genommen ein Govecs-eRoller, von dem es 4 verschiedene Leistungsstufen gibt. Mit der 3-kWh-Lithium-Polymer-Batterie schafft das Ski-Mobil eine Spitzengeschwindigkeit von rund 45 km/h sowie eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern. Der Akku kann an jeder normalen Steckdose aufgeladen werden und hat nach 2 Stunden rund 85 Prozent seiner maximalen Kapazität erreicht.

Einziger Haken: „Für den Go Snow gibt es in Deutschland keine Straßenzulassung. Das heißt, man darf damit hierzulande nur auf Privatgelände fahren“, erklärt Marco Golla, Marketingchef bei Govecs. Der Preis: Das Umrüstset mit Kufe und Hinterreifen gibt es ab 450 Euro, der Elektroroller als Basisfahrzeug liegt preislich zwischen 3.500 und 6.800 Euro.

Flieg, Schneevogel!

Motorenlärm? Gestank? Nicht mit uns! Studierende der Fachhochschule Johanneum in Graz (Österreich) entwickelten mit finanzieller Unterstützung namhafter Industrieunternehmen einen Elektroschlitten – den ersten der Alpenrepublik überhaupt. Snowbird heißt ihr Beitrag zum „grünen“ Wintertourismus.

Ein Wechselstrommotor mit 34 PS Leistung sorgt je nach Programmierung des Controllers für bis zu 100 km/h Höchstgeschwindigkeit in der Ebene und wird von einer 10,5-kWh-Batterie gespeist. Beim Spitzentempo wären allerdings nur 30 Minuten Fahrtzeit drin. Für solch rasante Geschwindigkeiten ist der eSchlitten aber gar nicht gedacht. „Snowbird hat ein hohes Drehmoment, eine hohe Steigfähigkeit und gute Zuladungsmöglichkeiten bei kurzen Distanzen und Einsatzzeiten – und ist damit ideal auf die Bedürfnisse der Bergrettung in sensiblen und abgegrenzten Einsatzgebieten abgestimmt“, erläutert Johannes Haas, Leiter des Studiengangs Produktionstechnik und Organisation der FH. Auf 50 km/h gedrosselt bringt es der Bob hierbei auf eine Stunde Fahrvergnügen und eine Reichweite von 70 Kilometern – damit trumpft er auf.

Bereits 2013 zeigte der Schneevogel bei der Skiweltmeisterschaft, was in ihm steckt. Getestet wurde seine Praxistauglichkeit daraufhin von der Bergrettung im österreichischen Schladming. Auch die war begeistert. Doch seitdem herrscht Stillstand in der Entwicklung. „Was es jetzt braucht, sind Investoren, die auf Innovation setzen und den Snowbird zur Serienreife bringen“, sagt FH-Professor Gerhard Walenta. „Eine von uns durchgeführte Marktstudie im Bereich der europäischen Alpen ergab eine jährliche Umsatzgröße von ca. 100 Stück. Unter dieser Voraussetzung sollte ein Preis von 30.000 Euro möglich sein.“ Wir drücken die Daumen, dass der Schneevogel bald in Serie gehen kann!