Wer als Landratte nach Stockholm reist, erlebt auf eBooten sein royalblaues Wunder. – Redakteurin Carolin Müller über Unterzuckerung an Board und einen Lebensretter, der lieber anonym bleibt.

Am siebten Tag ist uns das Paddeln zu anstrengend. Auf der Südwasser-Seite Stockholms, nördlich der Insel Langholmen, geraten wir beim Slalom um Schiffe derart ins Schwitzen, dass wir unsere Kajaks früher als geplant zurückgeben. Die Verleihmöglichkeiten im Kleinboot-Segment waren zwar weniger aussichtsreich, doch freundliche Schweden weisen uns den Weg zum Kai Strandvägen. Der Anlegeplatz befindet sich östlich der großen Schleuse, die den See Mälaren (Schiffe-Slalom!) mit der Ostsee verbindet. Dort sollte es Boote auf Zeit für jedermann geben. Und tatsächlich: Zwischen dem üblichen Touristentrubel machen wir nach einigen Wegedopplungen den kleinen hölzernen Steg von goboat.se aus. Hier chillen Fredrik und ein senegalesischer Koch, mixen exotische Drinks und verleihen führerscheinfrei eBoote. Nach präziser Einführung in das Gebiet des elektrischen Antriebs – „Stufenschaltung für eine bessere Regulierung, sonst alles selbsterklärend“ – sehen wir uns in einem der königsblauen Boote aus recyceltem Kunststoff sitzen. „Alle Batterien sind mit Solarstrom geladen!“, gibt Fredrik uns noch mit auf den Weg.

 

Verhängnisvolle Bootschaften

Kein würdeloses Geknatter, keine Kraftanstrengung, nur die weite See und Schussfahrt! Zielsicher steuern wir die Ostsee an, gleiten übers Wasser, grüßen Fußvolk, lassen uns von Enten überholen und sind drauf und dran, „Die Moldau“ von Smetana anzustimmen, als uns das mit dem Überholen der Wassertiere doch negativ auffiel. Fuhren wir rückwärts? Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits todesmutig ins Baltische Meer vorgebremst. Schlimmer noch: Der Elchmilchkäse war lange verputzt, die Sweets im Angesicht eines Robinson-Crusoe-Schicksal-Panikanfalls gierig in den Schlund geworfen, als der Motor komplett streikte. Das Boot, auf dem Fredrik dann anraste, um uns abzuschleppen, war irgendwie anders angetrieben als unseres. Es möchte aber lieber anonym bleiben. Wir schwören!

www.goboat.se, Strandvägen (Kaiplats 19) 1 Stunde 64 Euro, 3 Stunden 160 Euro (Stand 2017)

eBoot - Redakteur in Gefahr - Stockholm 2017 - am Pier
eBoot - Redakteur in Gefahr - Stockholm 2017 - in den Schären
eBoot - Redakteur in Gefahr - Stockholm 2017 - Wegzehrung
eBoot - Redakteur in Gefahr - Stockholm 2017 - Motor streikt

Unverbindlicher Hinweis der Redaktion: Wenn Enten dein eBoot überholen und du auch noch Zeit für einen ausgedehnten Brunch hast, könnte mit deinem Motor etwas nicht stimmen.