In Deutschland und der Schweiz ist der Betrieb von Schneemobilen „Just for fun“ verboten. Zwei Schweizer fanden das Hintertürchen via Elektroantrieb.

„Elektroantrieb und Winter passen eigentlich gar nicht zusammen, aber ans Aufgeben haben wir nie gedacht“, bekennt Tüftler Silvan Studer. Zusammen mit seinem Schulkollegen Adrian Barmettler verfolgte er hartnäckig sein Ziel: „Wir wollten es den Gästen ermöglichen, Schneemobil zu fahren, was in der Schweiz normalerweise nur zu Rettungszwecken erlaubt ist. Das war nur mit einem umweltfreundlichen Elektroantrieb zu erreichen.“ Auf dem Papier sah alles ganz einfach aus, doch in der Praxis machte der Akku unter winterlichen Extrembedingungen bei bis zu minus 20 Grad Celsius und Schnee immer wieder zu schnell schlapp. Und volle Leistung konnte man auch nie von ihm erwarten.

Geruchsneutral und leise flitzen die eSchneemobile durch glitzernde Winterlandschaften.

Drei harte Jahre für die Entwicklung

Schließlich sollten es doch Fun-Geräte werden, auf denen man mit Fahrspaß durch den Schnee powern kann, und keine Kriechtiere, die im Schneckentempo unterwegs sind. Drei harte und mitunter zähe Jahre Entwicklungszeit nach Dienstschluss hatten die beiden Schweizer hinter sich, als sie ihren Traum verwirklichen konnten und den SnowXpark in Engelberg in der Zentralschweiz eröffneten. Heute surren hier sechs bis acht elektrisch angetriebene Schneemobile auf abgesperrten Rundkursen ähnlich einer Gokartbahn. Dabei liefern sich Kollegen bei Firmenfeiern spannende Schneerennen mit gewagten Überholmanövern, Gewichtsverlagerungen unter Körpereinsatz und staubigen Kurven-Drifts. Oder Familien schnuppern mit ihrem Nachwuchs erste Motorsport-Luft, ganz leise, emissionsfrei und mit dem Duft der frischen Winterluft in der Nase.

Die Lösung lag in der Verknüpfung eines chinesischen Junior-Schneemobilrahmens mit einem Elektroantrieb, der ursprünglich für eMotocross gebaut wurde, made im Tessin. Der drehmomentstarke 12-kW-Brushless-Motor ist das Herz des Kettenfahrzeugs, das in zwei Geschwindigkeitsstufen gefahren werden kann – wobei der Anfangsgang so langsam ist, dass sogar Kinder ab zwölf Jahren ihre ersten eigenen Fahrerlebnisse auf dem Schneemobil genießen können. „Kinder fahren oft besser als Erwachsene. Sie sind unverkrampft und verstehen sofort, worum es geht“, schildert Adrian seine Erfahrung. Im zweiten Gang werden stattliche 40 km/h erreicht. Genug, um Rennatmosphäre zu schaffen und auf einer Kufe durch die Kurve zu driften. Dabei erfolgt die Bedienung ganz einfach über Daumengas wie beim Quad. Für Adrian und Silvan gilt: Safety first. „Der Gashebel, der mit dem Daumen bedient wird, ist sicherer als das Drehgas. Erschrickt jemand vor der Geschwindigkeit, lässt er automatisch den Hebel los und klammert sich am Lenker fest. Mit Drehgas würde er immer schneller, mit Daumengas stoppt das Fahrzeug automatisch.“ Die Bremse wirkt dabei direkt auf die Raupe, in der der Antrieb liegt, und die Stromzufuhr wird unterbrochen. Ebenso wie beim Kill Switch, der Reißleine, die gezogen wird, wenn der Fahrer vom Fahrzeug fällt.

Geruchsneutral und leise flitzen die eSchneemobile durch glitzernde Winterlandschaften.

Geruchsneutral und leise flitzen die eSchneemobile durch glitzernde Winterlandschaften.

Die Energie für den CO2-freien Fahrspaß im Schnee liefert ein 40 Ah starker LiPo-Akku (Lithium-Polymer-Akku), der sich schon im Modellbau bewährt hat. Doch um der Kälte zu trotzen, arbeiten Adrian und Silvan mit Wechselakkus, die bis zu ihrem Härteeinsatz im geheizten Verwaltungshäuschen ruhen. Dann bringen sie 25 Minuten Hochleistung, bis sie wieder drei Stunden lang für ihren nächsten Einsatz geladen werden.

Auch nach der langen Entwicklungszeit bleibt für die beiden 39-Jährigen noch viel Arbeit. Inzwischen laufen die Schneemobile den ganzen Winter auf Hochtouren, und immer wieder müssen Zellen in den Akkus gewechselt werden. Sechs- bis achttausend Gäste suchen pro Saison ihr Limit beim Driften, jetten mit viel Körpereinsatz um die Kurven und steigen mit strahlenden Augen nach 25 Minuten Fahrspaß wieder von ihrem Fun-Mobil ab. Die Ausdauer bei der Entwicklung hat sich gelohnt.

Facts-Check

eSnowmobil:

  • Snowmobil-Rahmen: chinesischer Junior-Schneemobilrahmen
  • Motor: 12-kW-Brushless-Motor, Nennleistung 20 PS
  • Batterie: Quantya LiPo-Akku 52 V/40 Ah/400 A
  • Laufzeit: max. 25 Min., Ladezeit 2–3 Std.
  • Gewicht: 100 kg
  • Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
  • Entwickler: Adrian Barmettler und Silvan Studer

Text & Fotos: Monika Neiheisser

Erfinder Adrian Barmettler (39) gibt dem 12-jährigen Mirko Tipps für seinen ersten Ritt auf dem Snowmobil.

Erfinder Adrian Barmettler (39) gibt dem 12-jährigen Mirko Tipps für seinen ersten Ritt auf dem Snowmobil.

eSnowmobile mieten

Im Skigebiet Engelberg-Titlis (Zentralschweiz) liegt der SnowXpark am Trübsee auf 1.800 Meter Höhe, umgeben von imposanten Bergen. Die bis zu einem Kilometer langen Rundkurse können von maximal acht Schneemobilen (mit Skischuhen und Helm) gleichzeitig befahren werden. Reservierung wird empfohlen.

Öffnungszeiten:
Mo–Fr 12:00–16:00 Uhr Sa–So 10:00–16:30 Uhr

Preise:
Startgebühr 5 Euro + pro Minute 2 Euro
25 Minuten inkl. Instruktion und Akkuwechsel 65 Euro
55 Minuten inkl. Instruktion und Akkuwechsel 130 Euro

Saison:
16. Dezember 2017 bis 08. April 2018

Sensormessung der schnellsten Runde und Filmen mit der Action-Cam für je 20 Euro pro Schneemobil. Gruppen auf Anfrage, Nachtfahrten möglich. Technikaffine testen das Raupenfahrzeug Ziesel.

Infos und Buchung: www.snowxpark.ch