WER DIE FASZINATION DER ELEKTROMOBILITÄT ERLEBEN UND EINE NEUE QUALITÄT DES REISENS ERFAHREN WILL, DER MUSS IN DIE BERGE. ABER VORSICHT: DIESE TOUR MIT DEM TESLA MODEL X RUND UM DEN GROSSGLOCKNER HAT SUCHTPOTENZIAL.

Einfach reinsetzen und losfahren, das geht nun gar nicht. Die Minuten vor dem Start haben viel von einem Ritual. Daniel Ganzer umrundet mit vorsichtigen Schritten den silbernen Koloss, zieht den Stecker vorsichtig aus der Öffnung hinter dem Seitenfenster, öffnet die Fahrertür mit einem sanften Druck auf die chromblitzende Leiste. Beim Tesla Model X sind viele Dinge anders als das, was man in einem Autofahrerleben so alles gelernt hat. Das beginnt mit dem Schlüssel, der kein Schlüssel ist, sondern ein schwarzes Minimodell des Tesla X. Sanftes Drücken auf das Dach des Minimodells löst einen Klick aus, mit dem sich Türen öffnen und schließen. Eyecatcher schlechthin sind die hinteren Flügeltüren, die Falcon Wings, die in Zeitlupe ausfahren und dem SUV das Profil eines riesigen Raubvogels verleihen.

Transapl mit Tesla - Nostalgische Route: Bauernhöfe säumen die Felbertauernstraße.
Transapl mit Tesla - Spektakulär ist nicht nur die Route
Transapl mit Tesla - Auf der Großglockner Hochalpenstraße warten enge Kehren und grandiose Aussichten.

Die Batterien sind aufgeladen. Die Reichweitenanzeige steht bei knapp 350 Kilometern. Wir sind gerüstet für die Glockner-Runde. Von Matrei in Osttirol durch den Felbertauerntunnel nach Mittersill, durch das Pinzgau bis Zell am See und dann als Krönung die Großglockner Hochalpenstraße bis auf über 2.500 Meter Höhe, bevor es dann mit einem Ausflug ins Kärntner Mölltal zurück nach Osttirol geht. Ein absoluter Klassiker der alpinen Bergstrecken. Viele Kurven und viele Höhenmeter. Das Gebirge ist das ideale Terrain für das elektrische Reisen. Kein Brummen des Motors stört das Fahrerlebnis. Das stets präsente Drehmoment verspricht zügiges Fortkommen und vor allem viel Fahrspaß. Das Zusammenspiel von intensivem Stromverbrauch bergauf und Rekuperation bergab schafft eine völlig neue Wahrnehmung der Topografie, also insgesamt eine ganz andere Art des Reisens. Das verspricht uns auch Daniel Ganzer vom Hotel Outside in Matrei, wo der Tesla X für Ausflugsfahrten verliehen wird. Und was liegt da näher als die Glockner-Runde. Knappe 200 Kilometer misst die Tour. Das müsste sich locker angehen lassen. Aber da sind die gut 3.300 Höhenmeter als Unsicherheitsfaktor. Schafft die Rekuperation genügend Reserven? Es wird spannend.

Transapl mit Tesla - Auf der Großglockner Hochalpenstraße warten enge Kehren und grandiose Aussichten.
Transapl mit Tesla - Spektakulär ist der Blick bis hinauf zum Fuscher Törl

Von Matrei zieht die Felbertauernstraße fast schnurgerade nordwärts bergauf. Erste Eindrücke vom spektakulären Drehmoment des Tesla X, der spielerisch leicht seine zweieinhalb Tonnen bergauf bewegt, als ob wir in einem leichten Supersportwagen säßen. Wir haben die sportliche Fahrwerkseinstellung gewählt und fahren wie auf Schienen, als ob es keine Schwerkraft geben würde. Der Tesla X kommentiert die flotte Bergauffahrt mit einer deutlichen Verkürzung der Reichweite. Knappe 200 Kilometer bleiben uns noch oben auf 1.632 Metern Höhe am Tunnelportal. Wir rollen durch den Tunnel und auf der Nordseite gute 15 Kilometer bergab, auf denen der Tesla wieder einige Kilometer an Reichweite auflädt. Dazu liefert unser Fahrzeug ein multimediales Landschaftserlebnis mit der XXL-Panoramascheibe und dem 17-Zoll-Touchscreen in der Mitte, auf dem wir unsere Tour auf Google Maps mit Satellitenbildern verfolgen können. Von Mittersill bis Zell am See und Bruck ist Cruisen angesagt. Wir wollen Reichweite sparen. Man weiß ja nie. Unser Chauffeur Daniel ist da guter Dinge. Er kennt ja auch die Strecke und versichert uns: „Mit der Bergabfahrt auf der Kärntner Seite des Großglockners laden wir wieder genug auf.“ Andererseits warten auf uns jetzt knapp 2.000 Höhenmeter zwischen Bruck und dem Fuscher Törl ganz oben. Hinter der Mautstation Ferleiten kommen die ersten Serpentinen. Wie der Tesla lautlos und zielgenau durch die Kehren fährt, wie er ansatzlos heraus beschleunigt und es uns in die Lehnen drückt, das hat Suchtpotenzial. Nur allzu sehr dürfen wir das nicht ausnützen, denn der Verkehr auf der hochalpinen Strecke mit vielen Urlauberautos und Motorrädern zwingt uns zur Vorsicht. Aber an Wochentagen wie diesen, hält sich das Aufkommen in Grenzen.

Hightech im Cockpit: Mit App lässt sich der Tesla fernsteuern.

Transapl mit Tesla - Hightech im Cockpit: Mit App lässt sich der Tesla fernsteuern.
Transapl mit Tesla - Hightech im Cockpit: Mit App lässt sich der Tesla fernsteuern.

Spektakulär ist auch der letzte Abschnitt, der den Blick freigibt bis hinauf zum vorläufigen Ziel beim Fuscher Törl und das mit vielen engen Kehren garniert. Wir gewöhnen uns allmählich an die Leichtigkeit, mit der wir diese engen Kurven absolvieren, machen vor dem Fuscher Törl eine kurze Pause. Links zweigt die schmale Straße hinauf zur Edelweißspitze ab, die uns mit weiteren unterhaltsamen Kurven auf 2.572 Meter bringt. Oben vor dem Souvenirladen und der Aussichtsterrasse begegnen wir einem dunkelblauen Model X mit norwegischem Kennzeichen. Eine junge Familie aus der Gegend von Oslo ist auf dem Weg nach Kroatien. Wie es denn mit den Ladestationen auf dem Weg nach Süden geklappt hat? „Kein Problem“, sagt der Familienvater und grinst, „wir haben in Deutschland fünfmal Station gemacht und mit schönen Dingen für die Kids verbunden wie dem Legoland.“ Wir sind jetzt am höchsten Punkt unserer Tour und haben noch 90 Kilometer Reichweite. Ahnungslose eMobilisten, fangen jetzt an zu grübeln. Daniel lächelt und sagt nur kurz: „Jetzt geht es bergab und da sammeln wir Kilometer.
Die steile Abfahrt hinunter nach Heiligenblut auf der Südseite der Großglocknerstraße fahren wir fast ohne Bremseinsatz. Die Motorbremse erledigt den Rest und sammelt Energie für die Akkus. Als Fahrer nimmt man mit der Rekuperation die Landschaft ganz anders wahr. Wo geht es bergauf, wo können wir bergab wieder aufladen? Nach gut 1.200 Höhenmetern landen wir in der Abenddämmerung unten in Heiligenblut und haben wieder mehr als 100 Kilometer auf dem Konto und noch 60 Kilometer zu fahren. Schnurstracks durch das Mölltal, dann rechts über Lienz rollt der Tesla X ziemlich entspannt Richtung Heimat. Zur besten Abendessenszeit parken wir vor dem Hotel in Matrei mit. Der Tesla X wird an die Ladestation angezapft und wir sitzen Minuten später im Restaurant. Höchste Zeit, die Batterien aufzuladen.

Transapl mit Tesla - Hightech im Cockpit: Mit App lässt sich der Tesla fernsteuern.
Transapl mit Tesla - Fahrer Daniel Ganzer und Autor Georg Weindl (r.)

Text: Georg Weindl  &  Fotos: Norbert Eisele-Hein