ecap Mobility setzt filmische Fiktion in Realität um: im Kofferraum eines De Lorean stapeln sich Akku-Packs. Sie treiben zwar keine Zeitmaschine an wie in dem Science-Fiction-Streifen aus den 1980ern, lassen dafür aber das Kultauto umweltfreundlich durchstarten: Umrüsten als Geschäftsmodell.

Vor gut zwei Jahren rüstete ecap Mobility das erste Objekt um: einen Traktor. Auf den im Süden Hamburgs traditionell riesigen Erntedankumzügen hüllen Dieselschwaden die Teilnehmer ein. Angetrieben von der Idee, Landfrauen und -männer vom Knattern und Stinken des Zweitakters zu erlösen, recherchierte Dirk Lehmann, Kopf hinter dem jungen Unternehmen, wie man ein solches Gefährt elektrifizieren könnte. Fündig wurde der sonst erfolgreich als Zulieferer im Schiffbau agierende Unternehmer bei seinen beiden späteren Mitgründern in Süddeutschland. Mit der technischen Raffinesse des Stuttgarters Dennis Murschel und dem Input von Heiko Fleck aus Niederbayern verwandelte er den grünen Holder in einen Elektrotrecker.

ecap - Akkubloecke

Powerful: riesige Akkublöcke – quasi der Tank eines Elektroautos.

Dreckschleuder ade!

ecap - GF Leonie Behrens Porsche umgeruestet

ecap – GF Leonie Behrens Porsche umgeruestet

Nun steht das Erstlingswerk von ecap Mobility mal wieder zur Wartung in der Winsener Werkstatt. Einer der Kfz-Mechaniker dreht das vordere Nummernschild nach oben. Dahinter verbergen sich die Stromanschlüsse. In gut zwei Jahren wuchs aus dem Trecker-Projekt ein Unternehmen, in dem rund 20 Mitarbeiter die Umbauten planen, programmieren und verwalten und dazu schrauben, löten und an riesigen Akkublocks die Spannung messen. Gut 20 Fahrzeuge hat ecap seither von Verbrenner auf Elektro umgebaut, vom Rasenmäher bis zum Leichenwagen.

Die meisten kommen mit wahren Exoten“, beschreibt die neue Geschäftsführerin Leonie Behrens, was für Schätzchen die Kunden in der Werkstatt abliefern. Viele Oldtimer, darunter Lehmanns „Filmstar“ DeLorean und ein Amphicar, die Lokomotive einer Bimmelbahn, aber auch ein VW Touran und ein Audi TT Quattro sind schon abgasfrei wieder herausgeschnurrt. „Das sind Menschen, denen ihr Auto wirklich ganz viel bedeutet und die gerne möchten, dass es sauber läuft“, schätzt Behrens die Kunden ein. Für Otto Normalverbraucher, der seinen Golf umstellen möchte, rechnet sich da wahrscheinlich eher der Neukauf eines Elektroautos. Mit der Investition ins Umrüsten bestehen die Kunden zukünftig auch in jeder Umweltzone und dürfen weiterhin durch Innenstädte cruisen. Dieses Argument zieht auch bei Nutzfahrzeugen. So hat es einen umweltbewussten Dachdeckermeister aus Hannover dazu bewogen, seinem VW-T4-Bulli-Pritschenwagen einen Elektroantrieb zu gönnen.

Je nach gewünschter Reichweite blättern die Auftraggeber ab 26.000 Euro aufwärts auf den Tisch. Für einen Porsche Boxster, neuer Firmenwagen bei ecap mit 180 km/h Spitzengeschwindigkeit und 150 Kilometer Reichweite, summieren sich die Kosten auf rund 35.000 Euro. Dafür büße er mit einem 44-Kilowatt-Elektromotor nichts von seiner Spritzigkeit ein, versprechen die Umrüster. „Für uns Elektroumbauer ist von Vorteil, dass der TÜV nur schaut, wie viel kW die Motoren dauerhaft leisten“, erklärt Nils Iwahn, Mitarbeiter im Elektronik-Team bei ecap Mobility, und fügt hinzu: „Für die erfolgreiche Einzelabnahme der Motorumrüstung sollte das weniger sein als beim Verbrenner zuvor.“ Doch während der wenigen Sekunden des Vollgasgebens liefern die Drehstrom-Asynchronmaschinen zwei- bis viermal so viel an Kilowatt ab. „Das Drehmoment, also, mit wie viel Kraft der Wagen anzieht, ist von der ersten Umdrehung an da“, betont der 28-Jährige, „die wollen gleich los!“ Er heuerte bei ecap an, nachdem er als Semesterarbeit die „Ente“ seines Vaters unter Strom gesetzt hatte.

ecap - Käfer umgeruestet

Käfer ohne Knattern: Wenn der Retrokäfer von 1984 über die Straßen fegt, ist Ruhe.

ecap - Traktor umgeruestet

Mit dem Holder begann alles. Beim Erntedankfest sollte die Luft rein sein.

Professionell umrüsten

ecap greift auf verschiedene Elektromotoren namhafter Automobilzulieferer zurück. Ob Lithium-Ionen- oder Lithium-Eisenphosphat-Akkus zum Einsatz kommen, von welchem Hersteller und in welcher Bauweise die Blöcke verwendet werden, all das hängt immer vom jeweiligen Fahrzeug und den Ansprüchen seines Besitzers an Reichweite und Leistung ab. Die Kunst ist, die Komponenten – allen voran die Akkus – so zu komponieren, dass sie ins Fahrzeug passen und es nicht schwerer machen als zuvor. Sorgfältige Projektplanung und Erfahrung schützen da bestmöglich vor unliebsamen Überraschungen. Leonie Behrens verdeutlicht, wie wichtig ein gutes Team ist: „Was wir hier machen, ist so speziell, den Beruf gibt es ja eigentlich gar nicht. Ein neu eingestellter Kfz-Mechatroniker arbeitet erst mal ein Jahr bei uns, bis er verstanden hat, was wir hier eigentlich tun.“ So reift auch mancher Arbeitsschritt. Mittlerweile versiegelt ecap Mobility die Bauteile nach einem Arbeitsschritt. „Kamen ausgelieferte Autos mit einem Mangel zurück, konnten wir nicht mehr nachvollziehen: Liegt es an uns oder hat jemand anders dort herumgeschraubt?“, begründet die Geschäftsführerin diesen Schritt. Die ersten 1.000 Kilometer mit einem fertig umgerüsteten Wagen legt das Team zurück, um sich der abgelieferten Qualität zu vergewissern. Danach fällt die erste „Wartung“ an. Anstelle wie beim Verbrenner Öl, Zündkerzen und Luftfilter zu wechseln, prüft ecap die Elektrokomponenten, ob alle Verbindungen noch richtig sitzen und keine Kabel beschädigt sind.

ecap - Elektroniker testet

Der Elektrik-Checker: Nils Iwahn bereicherte ecap Mobility gleich nach dem Studium mit den Erfahrungen, die er beim Umbau einer „Ente“ gesammelt hatte.

ecap - Käfer umgeruestet

Heck-Gepäck: Der Elektromotor sitzt beim Käfer hinten, die Akkus lagern vorne im Kofferraum

Expansionswillig

Dass Lehmanns Geschäftsidee auf fruchtbaren Boden gefallen ist, äußert sich in derzeit knapp drei Monaten Wartezeit, bis ein neues Projekt durchstarten kann. Dann dauert der Individual-Umbau von der Planung bis zur Umsetzung sechs Wochen. Bis zu vier Fahrzeuge gleichzeitig können die Mechaniker auf den Hebebühnen hochfahren. Trotz guter Auslastung investiert das junge Unternehmen momentan noch ins Know-how, häuft eher einen Erfahrungsschatz denn Euros an. Rasch frisst ein Umbau viel mehr Stunden als kalkuliert, weil jedes neue Modell individuelle Schwierigkeiten birgt. „Wir wollen schnellstmöglich wirtschaftlich rentabel arbeiten, aber das ist im Moment noch nicht der Fall“, bilanziert die dynamische Geschäftsführerin.

Momentan baut ecap Mobility ein zweites Standbein auf, intern als „Industriesektor“ bezeichnet. Im 7,5-Tonner, der in der Halle steht, gähnt schon ein riesiges Loch, wo zuvor der Verbrennungsmotor saß. Für einen Großkunden leistet ecap „Hilfe zur Selbsthilfe“, indem man gemeinsam einige Prototypen umbaut. Langfristig strebt das Start-up an, mit dem Know-how aus der Winsener Zentrale Niederlassungen in Europa aufzubauen. Behrens liebäugelt mit der Schweiz und Norwegen. Von dort kommen jetzt schon Kunden. Gut für einen Probelauf! Schließlich stellt die Kälte für die Akkublocks noch einmal eine besondere Herausforderung dar.

ecap - De Lorean umgeruestet vor Werkstatt in Winsen

Rollendes Denkmal: Mit dem Umrüsten konserviert ecap irgendwie auch Ingenieurskunst. Wie den Edelstahlflitzer DMC-12, den John DeLorean 1981 bis 1982 in Nordirland bauen ließ.

Text & Fotos: Beate Wand