Was macht Snowboarder Mario Stanojevic, wenn der Schnee unter seinem Brett fehlt? Er ärgert sich nicht. Stattdessen sieht man ihn auf das elektrisch angetriebene Skateboard steigen und den Flow mit einem breiten Grinsen im Gesicht genießen, wie bei einer rasanten Abfahrt in frischem Powder. Erzeugt mit der Power aus der Steckdose, die erst nach Stunden endet.

Mario cruist täglich – rüttelt mit dem Board über Feldwege oder fährt auf einem privaten Kiesweg am Waldrand, der direkt hinter seiner Haustür beginnt. Er ist in Apfeltrang zu Hause, einer grünen Oase mit einer Handvoll Einwohner zwischen Kempten und Landsberg am Lech. Hier duftet es nach gemähtem Grün und feuchtem Waldboden, die Nachbarn kennen sich mit dem Vornamen. Ob seine Ausflüge nun Freizeit, Arbeit oder Pflichtprogramm sind? Nicht leicht zu definieren. Nur eins ist sicher: Es macht Spaß.

DYNASTY-FUN - off road - Die Monsterwheels des Offroad-Tuning-Sets kommen mit jedem Gelände klar.

Als passionierter Snowboarder hat er im Sommer das Boarden vermisst und 2010 das eBoard für sich entdeckt. Heute überlegt er, auf welchem Untergrund er fahren will, und wählt danach sein Brett. Auswahl hat er genug, das Testen von eBoards ist sein täglich Brot. Vor sieben Jahren fiel der Startschuss zu seinem Onlineshop, in dem er eBoards in Edelvariante vertreibt. Von den Nachbarn zunächst bestaunt und dann beklatscht, stellt er sich jeden Morgen routiniert aufs Board, um mit seinem Hund Wilson vor der Arbeit Gassi zu fahren. „Andere brühen sich einen schwarzen Kaffee, ich stelle mich aufs Brett“, schmunzelt Mario. Gründe dafür gibt es genug: „Das spart Zeit, der Hund tobt sich besser aus, und ich kann mit aufgeladenen Akkus in den Arbeitstag starten.“

Brodelnde Endorphine

Der 36-jährige Sportler hat sofort die Vorteile erkannt, die ein Elektroantrieb mit sich bringt. Damit war er Vorreiter – in einer Zeit, in der die Skateboards und Longboards noch ausschließlich mit den Füßen gepusht wurden und die Power der 800 Watt starken Hilfsmotoren aus der Automobil-Branche kamen. Er erinnert sich an seine erste Fahrt: „Meinen Finger am Trigger, spürte ich die Kraft unter meinen Füßen. Ein Adrenalinkick, den ich noch heute bei jeder Fahrt aufs Neue genieße. Ich war überwältigt. Total geflasht – ein Endorphinrausch, der nach Wiederholung schrie.“ Dank eBoard könne er fahren, bis der Schweiß auf seine Stirn tritt oder die Oberschenkel sich melden. Eben ganz wie auf der Abfahrt.

Die Interessenten und deren Bedürfnisse sind ebenso breit gefächert wie das Bretter-Repertoire des Allgäuer Webshops – vom Freizeit-Boarder bis zum trendigen Geschäftsmann, der mit Aktenkoffer und Boardbag am Flughafen zum nächsten Termin eincheckt. Überhaupt: Beratung ist im Hause Dynasty-Fun ganz einfach Ehrensache.

Klar, dass Mario diesen gefühlten Rush nicht nur an Freunde und Familie weitergeben wollte und schon wenig später seinen Onlineshop startete. Heute bietet der Board-Sportler rund 20 verschiedene Modellvarianten der internationalen Hersteller Inboard Technology und Mo-Bo von 800 bis 3.800 Watt an. Dass man sich als Neukunde in den Tiefen der eBoard-Welt leicht verlieren kann, sei jedem bewusst. Zunächst unsicheren Kunden bietet Dynasty-Fun deshalb eine individuelle Rundumberatung.

DYNASTY-FUN - Wheels - In seiner Werkstatt tunt Mario eBoards zu Monstern

Wenn Mario die vielfältigen Möglichkeiten erklärt, um die individuellen Wünsche des Kunden zu ermitteln, überschlägt sich seine Stimme. „Wo soll vorwiegend gefahren werden: auf Asphalt, im Gelände oder im Skate Park?“, „Wie schwer kann es sein?“, „Wie viel darf es kosten?“, „Soll es bei Flugreisen mit ins Handgepäck?“ … Solche und andere Fragen wollen beantwortet werden. Die Technik erklärt er praxisnah. Ein Lithium-Akku sei leistungsfähiger und leichter als ein Blei-Geloder Blei-Vlies-Akku – aber auch teurer. Ein Bürstenmotor sei robuster und billiger als ein Brushless-Motor, aber lauter und nicht so effizient. Und: „Antrieb ist nicht einfach Antrieb. Beim herkömmlichen Riemenantrieb wird die Kraft des Motors über einen kleinen Zahnriemen auf das Rad übertragen, ein Verschleißteil, das beim Radnabenmotor entfällt“, klärt Mario auf. Eine sehr innovative Variante des eBoardens bietet Inboard Technology mit dem pfiffigen Design ihres M1-Skateboards.

Weder Motor noch Akku sind auf den ersten Blick zu erkennen, alles ist fein säuberlich unter dem Deck verbaut. So sieht das eBoard wie ein traditionelles Skateboard aus und kann auch so gefahren werden. Der Boarder entscheidet selbst, ob er mit dem Fuß pusht oder die Power-Unterstützung vom patentierten Manta-Drive-Antrieb bevorzugt, dessen Akku beim Bremsen Energie zurückgewinnt. Sollte der Akku der Funkfernsteuerung einmal leer sein, kann das eBoard weiter über eine App auf dem Handy gesteuert werden.

DYNASTY-FUN - Herzstück ist der CNC-gefertigte Radstern

Ein einstündiges Beratungsgespräch in der Allgäuer Schmiede ist nicht ungewöhnlich – mitunter erst zu einer Uhrzeit, zu der seine Kunden Feierabend machen. Getreu dem Leitspruch Mark Twains, „Ich habe nie Marketing studiert, aber meine Kunden stets geliebt“, gibt es für Mario nichts Zufriedenstellenderes als glückliche Kunden.

Gut? Ist dem Allgäuer nicht gut genug

Solche glücklichen Kunden hat er europaweit. Dank des umfassenden Services, den jeder Kunde mit seinem Bord bei ihm mitkauft. Aber auch, weil in dem entspannten Allgäuer ein Tüftlerherz schlägt. So freuen sich eBoard-Hersteller, zu denen er einen engen Kontakt pflegt, über Verbesserungsvorschläge aus der Praxis. Selbst hochwertige Serienplanken verbessert er noch mit selbst entworfenen Tuning-Sets. Er bringt es so auf den Punkt: „Du kannst einen Mercedes fahren oder einen, der AMG-gepimpt ist.

DYNASTY-FUN - not only for the guys

Aus diesem Grund tauscht er die grobstolligen Allterrain-Reifen seiner Mo-Bo-Boards gegen schlauchlose Monster-Wheels, die cool aussehen und jedem Gelände und sogar Cross-Bahnen gewachsen sind. Er ersetzt die Serienfelgen durch hochwertige Alufelgen aus dem Gokart-Sport, die auf Hochgeschwindigkeit und Belastung ausgelegt sind. Kernstück seines Tuning-Sets sind die Radsterne, die der einstige Programmierer eigens in einer Werkstatt in Deutschland fertigen lässt. „Damit lässt sich ein überdurchschnittlich guter Rundlauf erzielen, und der Wechsel zwischen Offroad-, Slick- und Rain-Reifen geht in rekordverdächtigem Formel-1-Tempo“, verrät Mario.

Abhängig von der Auftragslage und dem damit geforderten Arbeitstempo ziehen sich Mario und sein Team zur Vormontage der Tuning-Sets gerne mit Musik von Florence And The Machine oder The Police in ihre Garage zurück. Auch darin setzen sie sich auf sympathische Weise von der beschaulichen Gegend um sie herum ab. Hier erhitzen fleißige Hände Reifen und ziehen sie auf neue Felgen, pressen Kugellager in die Radsterne und vermessen Hülsen. Dabei ist viel Präzision gefragt. Die Liebe zum Detail teilt er mit seiner Partnerin Nadja. Sie ist der kreative Kopf des Unternehmens und sorgt mit gleicher Passion für einen makellosen Internet- und Social-Media-Auftritt.

Wenn die beiden am Wochenende gemeinsam mit wehenden Haaren auf den Boards durchs Allgäu cruisen, testen sie das doppelmotorige Flaggschiff mit 4.000 Watt, das demnächst auf den Markt kommt. Und wieder stellt sich für Umstehende die Frage: Ist das nun Arbeitszeit oder Vergnügen? „Es ist pure Leidenschaft!“, entfährt es beiden wie im Chor.