eTECMAG-REDAKTEURIN CAROLIN MÜLLER IST SICH SICHER: AUF EINEM eROLLER ERLEBT MAN DIE WELT ALS EINEN BESSEREN UND VOR ALLEM LEISEREN ORT. DAS ERSTAUNLICHE: MANCHE SEHEN DIESEN VORTEIL EINFACH NICHT.

Warum nur fällt mir ausgerechnet jetzt, als ich mich über den Hof schiebe und über die Bordsteinkante setze, „Ich will Spaß, ich geb Gas“ von Markus Mörl ein? Der eRoller, auf dem ich sitze, erinnert optisch eher an Opas Ohrensessel als an ein Geschoss, das Opels vor sich herjagt. Und doch: Als ich den Gasgriff drehe, beschleunige ich so überraschend schnell, dass unter meinem Schutzhelm ein spitzes „Ouh“ wiederhallt.

Das Verrückte: Niemand hört uns, wie wir mit 45 Stundenkilometern die Kölner Ringe Richtung Innenstadt runtersausen. Nur wer zufällig hinschaut, schaut ein zweites Mal. Für Oliver Brinkmann vom kürzlich eröffneten Kumpan Store im Kölner Westen eine klare Sache: „Wir haben die Roller komplett geräuschfrei gebaut“, ließ er uns vor der Testfahrt wissen, „die Auffälligkeit des Retro-Designs bleibt natürlich bestehen.“ Wenn man so will, handele es sich beim Modell 1953 um eine Verbrennungsmotor-Mimikry. „Eine Vespa ist und bleibt ein wunderschönes Gefährt. Was wir von Kumpan erreicht haben, ist, das klassische Produktdesign der 50er-Jahre zu erhalten und mit innovativer Technologie des 21. Jahrhunderts zu kombinieren.

Viva la Vespa: Auch die eVariante macht sich zu zweit gut.
Alternativ fahren verbindet: Spontan-Plausch mit Rüdiger Grimm, dazwischen sein Hund Bobby.

Teure Inspektionen? Stress von gestern!

Kurz gesagt: Tank, Motor, Auspuff fallen weg. Stattdessen gibt es geschickt unterm Sitz angebrachte Haltevorrichtungen für bis zu drei Batterien, die es jeweils ganze 50 Kilometer weit bringen. Je nach eRoller-Modell kann eine weitere transportiert werden, sodass ein Ausflug ins Grüne für Städter locker im Bereich des Schaffbaren liegt. Natürlich sind damit auch teure Inspektionen Stress von gestern. „Die Lebensdauer einer Batterie ist quasi unendlich“, erklärt Oliver. Heißt übersetzt: Durch 800 Ladezyklen verliert ein Akku erst nach etwa 40.000 Kilometern geringfügig Ladekapazität. Wartungen beschränken sich vornehmlich darauf, den korrekten Sitz von Schrauben zu überprüfen.

Ton in Ton: Neben eGefährten lässt’s sich gut entspannen.
Drei in eins: Beide eRoller-Modelle beherbergen potenziell drei Batterien für insgesamt 150 Kilometer Fahrspaß.

So gesehen, scheint es schlicht unglaublich, dass die Welt nicht längst von kurvenschwingenden „Kumpanen“ überrollt ist. Vor allem für Leute, die das Fahrrad der Blechkiste vorziehen, das Treten aber nicht wollen oder können, gibt es kaum ein besseres Fortbewegungsmittel als einen eRoller. Oliver ergänzt meine Gedanken: „Viele meiner Kunden haben das Autofahren satt. Sie leben in einer Großstadt, wollen mobil sein – gleichzeitig wendig und effizient.“ Hinzu kommen gute ethische Gründe, denn jeder Kumpan-eRoller wird eigenhändig in der firmeneigenen Manufaktur in Remagen bei Köln entwickelt und produziert. Unschlagbarer Nebeneffekt: Jedes dank Kumpan verabschiedete Auto bedeutet mehr Platz auf verstopften Straßen.

Und, wie gesagt, weniger Lärm: Sanft wie eine Schneeflocke gleite ich über den Asphalt; gerade behäbig genug, um nicht völlig abzuheben, immer mit genug Spielraum zum Wenden. Weder gerate ich auf Kopfsteinpflaster ins Hüpfen, noch wird mein Rücken belastet. Als Verkehrsbehinderung fühle ich mich selbst dann nicht, als die Straße einmal schmaler wird und der Verkehr zunimmt. Auch der Mimikry-Effekt scheint zu funktionieren; am Rheinufer sprechen uns Barbara und Rüdiger an. Die beiden fahren Vespa in nicht-elektrischer Variante und fühlten sich von unserem kleinen Anhänger angezogen. Heute sind sie mit Liegerädern unterwegs. „Auf einem Liegerad fährt man sehr bequem und hat eine ganz andere Wahrnehmung der Umgebung – ermüdungsfrei“, meint Rüdiger. Eben ganz wie auf einem eRoller. Sogar Hund Bobby wedelt zustimmend mit dem Schwanz.

Sitzgelegenheit und so: Der Anhänger ist eine Sonderanfertigung in Kleinserie und rundum praktisch.
Niedliches Anhängsel: Nein, hier versteckt sich kein Dieselaggregat, sondern schickes eRoller-Equipment.

Mit jedem vorbeirasenden Verbrenner lasse ich später die Abhängigkeit von einem Stoff, der mir schon längst keinen Kick mehr gibt, mit Befriedigung an mir vorbeiziehen. Als an einer Ampel neben uns ein Motorrad bremst, sehen wir seinen Besitzer grinsen. „Wat häste denn do in dem Anhänger? Ein verstecktes Dieselaggregat?“, grölt der Typ in breitem Kölsch. Das Anfahren entscheiden wir für uns: Während unser Nachbar röhrt wie ein Elch, rollen wir leise davon.

eRoller in Köln

Der Startschuss für den ersten Kumpan Store in Köln fiel im April. Seitdem stehen hier unter der Leitung von Oliver Brinkmann alle drei Modelle – der eTretroller 1950 und die eRoller 1953 und 1954L – für ausgiebige Probefahrten bereit. Eine ausführliche Beratung, telefonisch oder vor Ort, ist jederzeit möglich, ebenso eine europaweite Auslieferung.
Insgesamt stehen deutschlandweit über 200 Kumpan-Läden mit Rat und Tat zur Seite.