Hochwertige elektrische Fahrzeuge für eine breite Bevölkerungsschicht bauen und ihr zugänglich machen – das ist das Ziel des 2012 in Hongkong gegründeten Unternehmens KYTO Green Technologies Limited.

Hinter dem in Fernost ansässigen Unternehmen steht ein internationales Team aus Ingenieuren, Technikern und Designern. Diese verfolgen mit langjähriger Erfahrung in der Fahrzeugindustrie, mit Unterstützung der PGR Autodesign Limited, eines in Europa und Asien operierenden Engineering-Dienstleisters, und mit eisernem Willen ihren Traum: die Realisierung einer modernen und attraktiven Produktfamilie von Elektrofahrzeugen, kurz: den Traum von der „grünen“ Großstadt.

Fahrwerk, Sitze, Batterie – alles stammt aus eigener Entwicklung. Nach langen Testphasen und unzähligen Prototypen wurden mittlerweile die ersten Serienfahrzeuge, teilweise als Baugruppen aus eigener Produktion in Südchina, nach Thailand und Peru verkauft. Dort vermarktet und komplettiert ein Partner vor Ort die Fahrzeuge. Ab Mitte des nächsten Jahres sollen die Fahrzeuge auch in Europa über ein neu gegründetes Joint Venture in Holland montiert und vertrieben werden. Aktuell konzentrieren sich alle Anstrengungen darauf, eine Zulassung für den europäischen Markt zu erhalten. Eine Entstehungsgeschichte.

KYTO - die Fahrzeugfamilie mit v.l.n.r. e-Spark3, e-Spark5, e-Van und e-Pickup

KYTO – die Fahrzeugfamilie mit v.l.n.r. e-Spark3, e-Spark5, e-Van und e-Pickup

Inspiration aus China

Wer zum ersten Mal eine Millionenmetropole in China besucht, ist fasziniert von unzähligen durch die Straßen wuselnden eScootern. Diese prägen das Straßenbild jeder Stadt im Land. Unendlich scheint auch die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten, gesetzliche Grenzen für die Nutzung gibt es praktisch nicht. Die Elektromobilität hat sich allerdings nur in China durchgesetzt, in angrenzenden Staaten dominieren noch immer knatternde Zweitaktmotoren das Straßenbild. Trotz geringer Lebensdauer von maximal einem Jahr und Reichweiten von gerade einmal 20 Kilometern sind die eScooter in China in jedem Haushalt, an jeder Straßenecke zu finden. Wie lässt sich das erklären?

Ein Blick in die Neunziger hilft: Ein Auto kann sich kaum jemand leisten, Strom ist dagegen überall erhältlich. Der eScooter als extrem kostengünstiges Fortbewegungsmittel hält Einzug ins tägliche Leben. Leitungen aus Bürofenstern, Werkshallen und Kellern schlängeln sich über Mehrfachstecker zu den Fahrzeugen. Das hiesige Problem der Reichweite ist in Fernost nicht bekannt: Selbst in den Millionenmetropolen spielt sich das Leben der meisten Bewohner bis heute in einem Radius von weniger als 10 Kilometern ab.

Auch das schwindelerregende Verkehrsaufkommen trägt zum nicht endenden Erfolg des eScooters bei. Die Fahrzeuge, immer häufiger um abenteuerliche An- und Aufbauten erweitert, behaupten sich bei der Versorgung des Einzelhandels, bei sogenannten Sherpa-Services und sogar beim illegalen Transport von Passagieren, auch bekannt als „Last Mile Transportation“.

Die Folge: In China, wie in vielen anderen asiatischen Ländern, tauchen immer häufiger sogenannte Tri-Cycles auf, elektrische Minifahrzeuge, die deutlich mehr Last tragen können und bei jedem Wetter einen gewissen Komfort bieten.

KYTO – e-Van – in der Ausführung Blackdoor zum Beispiel für Lieferdienste

Weltweiter Bedarf für die „Last Mile“

Urbane Mobilität wächst. Die Elektromobilität in jeglicher Form hat China erobert. Wenngleich zunächst unbewusst, wurde das Umweltproblem durch Abgase in den Städten durch den Wegfall von Zweitaktmotoren massiv reduziert. Eine ähnliche Situation mit ähnlicher Entwicklung bilden Indien und Südamerika mit ihren Metropolen ab. Und auch in Europa schwillt der innerstädtische Verkehr unaufhörlich an. Den Unterschied macht das deutlich größere Umweltbewusstsein auf europäischer Seite. Insbesondere die junge Generation treibt beispielsweise die temporäre und die digitale Mobilität voran.

Die Herausforderung

Wie dem Anspruch gerecht werden, einfachste konventionelle Technologie durch eine erschwingliche, umweltfreundliche Alternative zu ersetzen? Reichweite, Performance, Funktionalität und vor allem Robustheit sind gefragt. Wer in Europa Erfolg haben möchte, den müssen Sicherheit und Nachhaltigkeit genauso beschäftigen wie Komfort und Lifestyle. Verschiedene Geschäftsmodelle sind erforderlich, um Kunden global zu gewinnen: Während Europa nach einem ansprechenden Design und einem attraktiven Preis- Leistungs-Verhältnis verlangt, sind in Südostasien Batterieladekonzepte und Leasingmodelle gefragt.

KYTO - e-Spark3 - im Einsatz auf der Strasse

KYTO – e-Spark3 – im Einsatz auf der Strasse

Das Fahrzeug

Kein konventioneller Ansatz, kein Elektrifizieren vorhandener Fahrzeuge – so die Maxime der KYTO Limited. Die anfängliche intensive Zusammenarbeit mit Universitäten verlief jedoch enttäuschend. „Für junge Kreative stand weniger der Endnutzer als die Technik bzw. die Ziele der Institute selbst im Vordergrund“, so Co-Founder & CEO Grayson Richards.

Auch war schnell klar, dass nur ein Tri-Cycle die Basis für ein kostengünstiges Fahrzeug darstellen konnte. Rahmenbedingungen für das spätere Design war die weltweit gültige Zulassungskategorie „L5e“ für dreirädrige Fahrzeuge unter 1.000 Kilogramm – wegen der moderaten Zulassungsvorschriften, hauptsächlich aber wegen der konstruktiv kostengünstiger zu realisierenden Fahrzeugtechnologie. Weil die Höchstgeschwindigkeit auf 45 km/h begrenzt ist, seien auch viele sicherheitsrelevante Anforderungen kostengünstiger lösbar, so Richards. Darunter eine Finite-Elemente-Methode-Analyse (FEM) des Fahrzeuges zur Erreichung maximaler Festigkeit und Aufprallsicherheit.

Mithilfe eines spanischen Autodesigners entstanden die ersten Fahrzeugtypen. Werkzeugfallende Teile aus Acrylnitril- Butadien-Styrol (ABS) sollten das Eigengewicht optimieren und eine wiederholbare hohe Qualität erreichen. Immer mit dem Ziel vor Augen, schon bald alle Entwürfe in Serie umsetzen zu können.

KYTO - e-Spark3 - eine Montagestrasse

Nachhaltigkeit, Sicherheit und Qualität

Highlight sei das genau für den Bedarf von KYTO-Fahrzeugen entwickelte elektrische Gesamtkonzept: „Wir wollten keine Kompromisse eingehen und nur hochwertige Komponenten verbauen, was durch intelligentes Einkaufsmanagement kostengünstig realisiert werden konnte“, so Richards. Als Batterie und Batteriemanagementsystem drohten, das ganze Projekt finanziell unattraktiv werden zu lassen, nahm KYTO nach zähen Verhandlungen mit verschiedenen Realisierungspartnern das Thema selbst in die Hand. Laut Richards eine gute Entscheidung. Um der Gefahr eines internen Kurzschlusses entgegenzuwirken und damit die Gefahr einer Explosion auszuschließen, konnte sich das Team von einer Batterietechnik mit sehr hoher Energiedichte (wie sie etwa in Elektroautos oder Handys zum Einsatz kommt) verabschieden. Die Wahl fiel stattdessen auf die zwar schwereren, aber in puncto Sicherheit unschlagbaren Batterien auf Lithium-Eisenphosphat-Basis. „Lithium-Eisenphosphat- Batterien kommen beispielsweise zur Speicherung von Solarenergie in Wohnhäusern zum Einsatz“, erklärt Richards. Klarer Vorteil seien die Langlebigkeit und die Leistungsfähigkeit dieser Batterietechnologie. Zudem ist Lithium-Eisenphosphat das einzige Batteriematerial, das in seiner chemischen Zusammensetzung auch als natürliches Mineral vorkommt. „In unseren Batterien stecken weder Kobalt noch Nickel, also keine giftigen Schwermetalle“, betont der KYTO-Co-Founder.

KYTO - e-Spark3 - Antriebstest

KYTO – e-Spark3 – Antriebstest

Globales Produktionskonzept

Einzigartig in dieser Fahrzeugkategorie nennt KYTO die konsequent umgesetzte Gleichteilestrategie, die durch eine modulare Baukastenstrategie möglich war, die von Anfang an in der Entwicklungsphase berücksichtigt wurde. Zudem achtete man bei der Entwicklung auch auf die einfache Montierbarkeit der einzelnen Komponenten ohne teure Vorrichtungen. Weltweit sollen sogenannte „Komponenten-Kits“ von China aus in das jeweilige Zielland verschifft werden. Somit sei nicht nur eine gleichbleibende Qualität sichergestellt: „China wird als günstiger Beschaffungsmarkt genutzt, es werden die Logistikkosten minimiert, und in einigen Ländern werden so die Importzölle reduziert“, konstatiert Richards.

Wie es weitergeht

Das KYTO-Team zeigt sich auf Nachfrage sichtbar stolz, aus eigener Kraft und mit eigenen finanziellen Mitteln eine punktuelle Markteinführung erreicht zu haben. „So ist doch eine hervorragende Grundlage geschaffen, um auf einer soliden Basis mit zukünftigen Partnern auf Augenhöhe über die weitere Expansion diskutieren zu können“, resümiert Richards. Gleichwohl ist den Machern von KYTO bewusst, dass ein langer Weg vor ihnen liegt.

MORGEN, das Interview mit KYTO CEO Grayson Richards.

Unter anderem:
Was ging in Indien schief und warum jetzt Europa?