Bilderbuchlandschaften zwischen Tegernsee und Starnberger see und dazu ein sonniger Spätsommertag: die fünfte Ausgabe der eRUDA, der größten deutschen eMobil-Ralley, brachte mehr als 200 Teilnehmerfahrzeuge zusammen. Ihrem Reiz konnte auch die Überscheindung mit dem Bundestagswahltermin nichts anhaben.

So idyllisch erleben nur Frühaufsteher den Tegernsee. Die Hauptstraße entlang der Seepromenade vorbei am Königsschloss und am berühmten Bräustüberl ist menschenleer. Die Egerner Bucht mit der Kirche von Rottach- Egern und den Luxushotels am Seeufer präsentiert sich postkartengerecht entschleunigt. Ein paar Meter oberhalb des Schlosses summt ein weißer Smart durch die Gassen und parkt vor dem Eingang des Elektrizitätswerks. Der Fahrer ist an seiner Lederhose unschwer als Einheimischer zu erkennen – wobei das nun doch nicht ganz stimmt, denn er hat bereits eine knappe Fahrstunde von Schongau hinter sich.

eRUDA 2017 - Lederhose trifft auf eMobility: Im Zentrum von Weilheim in Oberbayern sind die Menschen am Sonntag in der Tracht unterwegs.
eRUDA 2017 - Lederhose trifft auf eMobility: Im Zentrum von Weilheim in Oberbayern sind die Menschen am Sonntag in der Tracht unterwegs.
eRUDA 2017 - viele unterscheidliche Gefährte unterwegs

Lederhose trifft auf eMobility: Im Zentrum von Weilheim in Oberbayern sind die Menschen am Sonntag in der Tracht unterwegs.

Butterbrezen zum Frühstück

Es ist der 24. September, und es ist der Tag der Bundestagswahl. Aber hier am Tegernsee steht etwas anderes im Mittelpunkt: Es ist eRUDA-Wochenende. Die fünfte Ausgabe der größten deutschen eMobil-Rallye lockt Leute wie den Fahrer des elektrischen Smart zu einer emissionsfreien Landpartie. „Mein Auto ist rekordverdächtig“, sagt der Smart-Besitzer und zeigt stolz den Tachostand. 213.000 Kilometer mit dem Elektroantrieb ohne nennenswerte Probleme. Und der erste Akku hielt 160.000 Kilometer. Bei der eRUDA sei er von Anfang an dabei gewesen, sagt er und steckt seinen Smart an die Ladestation. Heute wird schließlich noch fleißig durch die oberbayerische Provinz gefahren. Langsam füllt sich der Parkplatz, es kommen mehrere Renault Zoe und BMW i3, dazu noch ein Smart. Für die Teilnehmer tischen die Leute vom Elektrizitätswerk Kaffee und Butterbrezen auf, bevor dann um 8:30 Uhr pünktlich gestartet wird. „Elektro fahrer erkennst du an ihrer dicken Kleidung. So sparen sie die Energie für die Heizung“, sagt einer und lacht.

Sternfahrten wie diese Tour vom Tegernsee nach Weilheim und weiter an den Starnberger See gehören zum fixen Programm der eRUDA. „Die Zukunft wartet nicht“ ist das Motto der fünften Ausgabe der eMobil-Rallye. Insgesamt sind über 300 Teilnehmer aus ganz Europa mit 212 Fahrzeugen gemeldet. In Weilheim, Starnberg und Fürstenfeldbruck werden in den Stadtzentren Ausstellungen mit zwei- und vierrädrigen Fahrzeugen und Bewirtung organisiert; es gibt Vorträge, Stadtführungen, ein Galadinner am Samstagabend, ein Weißwurstfrühstück am Sonntagmorgen und eine abschließende Siegerehrung im Veranstaltungsforum Fürstenfeld bei Fürstenfeldbruck. Als Schirmherren bzw. -frauen fungieren die Landräte von Fürstenfeldbruck, Miesbach, Starnberg und Weilheim-Schongau.

Die Teilnehmer der Sternfahrt haben ihre Akkus aufgeladen und machen sich auf den Weg. Am See entlang geht die Fahrt im Konvoi bis Gmund am Nordufer, dann auf ruhigen Landstraßen bis Bad Tölz. Die historische Marktstraße mit stattlichen Bürgerhäusern, deren Fassaden die typischen Lüftlmalereien zieren, ist die erste Zwischenstation. Ein Gruppenfoto mit dem Bürgermeister, ein Blick auf die Häuserfassade, die viele aus der TV-Serie „Der Bulle von Tölz“ kennen. „Da drüben beim Ratskeller, da war die Polizeiinspektion vom Bullen alias Ottfried Fischer“, verrät ein einheimischer Renault-Fahrer. Ein Kaffee am Isarufer, dann starten die Teilnehmer ihre Elektromotoren, rollen geräuschlos durch die Altstadt und weiter über die Isarbrücke Richtung Westen. Gut 15 Fahrzeuge gehören mittlerweile zu dem kleinen Konvoi, der entspannt durch das Oberland rollt und dann noch vor dem Rathaus in Geretsried für einen weiteren Kaffee und Schnappschüsse Station macht, die hier allerdings nicht ganz so malerisch sind wie in Bad Tölz. Die Passanten interessieren sich hier vor allem für den schnuckeligen Renault Twizy, der sich der Gruppe angeschlossen hat.

eRUDA 2017 - Zwischenstopp in der historischen Marktstraße in Bad Tölz.
eRUDA 2017 - nicht nur reine Elektromobile sondern auch Hybride sind mit von der Partie.
eRUDA 2017 - Flügeltüren gibt es nicht nur bei Tesla sondern auch bei VW.

Zum eRUDA-Wochenende gehörten Sternfahrten durch das bayerische Oberland mit stilgerechten Zwischenstopps in der historischen Marktstraße in Bad Tölz und im Zentrum von Weilheim. Es waren nicht nur rein elektrische Fahrzeuge, sondern auch Hybridmodelle wie der VW XL 1 unterwegs, die im Weilheimer Zentrum vor der Mariä-Himmelfahrts-Kirche für viel  Aufmerksamkeit sorgten. Und Flügeltüren gibt es nicht nur bei Tesla.

eRUDA-Parade im Zentrum von Bad Tölz

Gegen Mittag kurven die BMWs, Hyundais, Renaults und Smarts durch die Altstadt von Weilheim und gesellen sich zu zahlreichen anderen Elektrofahrzeugen vor der großen Mariä-Himmelfahrts-Kirche. An diesem sonnigen Sonntagmittag zieht es viele Weilheimer zur eMobil-Präsentation und zu den zahlreichen Fahrzeugen. Klar, dass da etliche BMWs und Teslas dabei sind, aber es gibt auch Exoten und Individualisten. Ein lokaler VW-Händler hat neben dem nagelneuen Elektro-Golf einen aerodynamischen Zweisitzer mit Flügeltüren stehen. „Mit dem XL1 ist Ferdinand Piëch mit einem Liter von Berlin nach Dresden gefahren“, sagt der Verkäufer stolz, während ein paar Meter entfernt einer die Stirn runzelt: „Ist ja nur ein Hybrid und kein reines Elektrofahrzeug.“ Das größte Interesse wird aber keinem Tesla und keinem BMW zuteil, sondern einem eher klobigen weißen Gefährt in der Mitte des Platzes. Die Mischung aus Kombi und SUV heißt BYD e6, kommt aus China und ist hier weitgehend unbekannt, aber nicht uninteressant. „Der läuft seit 2015 als Taxi in Landsberg und hat schon 300.000 Kilometer ohne Probleme absolviert“, sagt der Aussteller, der selbst nicht der Taxifahrer ist, sondern Vertriebsleiter einer Elektrofirma in Niederbayern. BYD, verrät er weiter, ist der weltgrößte Hersteller von Elektrofahrzeugen, baut vor allem Busse und Nutzfahrzeuge und wird wohl bald auch zu uns kommen. Nicht ganz so viel Aufmerksamkeit bekommen zwei junge Burschen mit ihren knallig gelben und blauen Elektrorollern der Marke Schwalbe. „Die gehen bis 45 Stundenkilometer, und mit dem Drehmoment ist es untenrum richtig lustig zu fahren“, erzählt einer der beiden. Spaß hat auch ein Passant, der mit seinem ungewöhnlichen eBike neben dem Hybrid-Zweisitzer von Volkswagen steht.

Das schwarze Elektrorad der Marke Bayk im Chopper-Stil ist ein Eyecatcher – nicht nur bei der eRUDA-Ausstellung. „Da haben mich schon viele Leute darauf angesprochen, beim Bäcker genauso wie beim Biergarten“, sagt der Inhaber einer Solaranlagenfirma. Am frühen Nachmittag geht die Sternfahrt weiter nordwärts Richtung Starnberg. Am Marienplatz vor dem Rathaus stehen Elektroautos Spalier, dazwischen Döner- und Würstlstände. Zur Ausstellung gehört auch eine Siegerehrung für die besten alltagstauglichen Elektromobile in mehreren Kategorien, zum Beispiel für Familien, für Pendler oder als Zweitwagen. Die Prüfung durch Experten organisierte die Starnberger Organisation E-STArt. Werner Hillebrand-Hansen von der eRUDA-Geschäftsführung ist mit der Bilanz der Veranstaltung äußerst zufrieden: „Wir haben nur wenige Tage nach dem Event bereits 39 Anmeldungen für das nächste Jahr.

eRUDA 2017 - Das Bayk, ein bayerisches eBike in Form eines Nostalgie-Choppers, mit dem der Inhaber einer Solarfirma gute Werbeeffekte erzielte.
eRuda 2017 - Tesla und Kollegen
eRUDA 2017 - Ebenfalls flexibel unterwegs: das Renault-Gespann mit einem kleinen Twizy auf dem Anhänger.

Die eRUDA lieferte eindrucksvolle Beispiele aktueller eMobility-Gefährte – vom Tesla Model S bis zum Bayk, einem bayerischen eBike in Form eines Nostalgie-Choppers, mit dem der Inhaber einer Solarfirma gute Werbeeffekte erzielte.  Ebenfalls flexibel unterwegs: das Renault-Gespann mit einem kleinen Twizy auf dem Anhänger.

Text: Georg Weindl / Fotos: Peter Zangerl