eTecMag im Gespräch mit Grayson Richards, CEO und Hauptanteilseigner der KYTO Green Technologies Limited „Wir möchten eine Ikone schaffen

Durchhaltevermögen ist gefragt: Die Mobilität in den Metropolen dieser Welt zu elektrifizieren und die Technologie einer breiten Masse zugänglich zu machen bringt nicht nur Freu(n)de. Gründer Grayson Richards hält mit Herzblut und Persönlichkeit dagegen.

Woher kommt der Name KYTO?

Eigentlich ist es nur ein Name ohne Bedeutung. Er wurde von mir übernommen und basiert auf einer Firma eines heutigen Partners, der einen ersten, leider erfolglosen Anlauf unternommen hatte, in Indien selbst entwickelte Elektrofahrzeuge zu realisieren. Der Name KYTO erinnerte mich an das japanische Kyoto, was für mich ein Inbegriff von Umweltschutz ist.

KYTO CEO - Grayson Richards (2018)

Was ging schief in Indien?

Wie es auch heute noch leider ständig der Fall ist, kann man nicht vorsichtig genug sein, mit wem man eine Partnerschaft eingeht. In Asien einen Vertrag zu unterschreiben heißt noch lange nicht, dass man eine sichere Geschäftsbeziehung hat. Im Fall meines Partners wollte der Investor nur an das Design kommen, es kopieren und anschließend eigenständig produzieren. Aber auch er ist damit am Ende gescheitert. Genau diesen Leuten ist es nicht bewusst, was es letztendlich bedeutet, ein Fahrzeug zur Serienreife zu bringen. Vom Prototypen bis zum Serienfahrzeug ist es ein langer Weg.

KYTO CEO - Grayson Richards (2018)

Ist es überall in Asien so schwierig, Fuß zu fassen?

Wir produzieren zwar derzeit unsere Komponenten in China, allerdings haben wir nicht vor, unsere Fahrzeuge lokal zu verkaufen. Gerade weil die Chinesen dafür bekannt sind, sehr schnell eine hochwertige Kopie auf die Beine zu stellen. Lehrgeld mussten wir in unserem ersten Fokusmarkt, den Philippinen, zahlen. Wir waren nicht auf die Mafia-artigen Strukturen der lokalen Taxivereinigungen vorbereitet. Am Ende haben wir alle unsere im Markt für Vertriebszwecke eingeführten Fahrzeuge „verloren“. Wir werden auf jeden Fall noch einmal einen neuen Versuch starten, aber diesmal wird die Wahl der Partner deutlich vorsichtiger ausfallen.

KYTO CEO - Grayson Richards (2018)

Wieso jetzt Europa?

Europa hat im Vergleich zu Asien in der Gesamtbetrachtung ein deutlich kleineres Potenzial für elektrische Tri-Cycles. Leute denken zunächst an Fahrzeuge für den Tourismus oder Kleintransporter für den Wochenmarkt. Für KYTO-Fahrzeuge könnte das Potenzial aber sehr groß sein. Wir haben etliche Anfragen aus mehreren Ländern, die mehr auf den Verkauf an Privathaushalte abzielen, vergleichbar mit dem riesigen Markt für NEVs (Neighborhood Electric Vehicles, Anm. d. Red.) in den USA. Auch im Bereich der Logistikdienstleister scheinen wir eine Lücke zu schließen. Wie sich der Markt für uns entwickelt, werden wir spätestens nächstes Jahr sehen. Dann werden wir auch eine Zulassung für unsere Fahrzeuge in Europa haben. Erst dann können wir gezielt Vertrieb betreiben.

KYTO CEO - Grayson Richards (2018)

Wo soll die Fahrt für KYTO hingehen?

Unser Ziel war es immer, so lange wie möglich die Hand auf unserem Produkt zu haben. Nur so schaffen wir eine gute Ausgangsbasis und können mit Partnern verhandeln. Der Zeitpunkt wird kommen, wo wir uns überlegen müssen, wie wir einen globalen Roll-out stemmen können. Unsere Wettbewerber schlafen nicht, und früher oder später stoßen ohne entsprechende Finanzierung oder Partnerschaften auch wir an unsere Grenzen.

KYTO CEO - Grayson Richards (2018)

Wieso gibt es in diesem Fahrzeugsegment (noch) keinen Wettbewerb?

Wettbewerber sind in dieser Fahrzeugklasse klar die konventionell angetriebenen Fahrzeuge. In Asien gilt es gegen die im Anschaffungspreis extrem kostengünstigen Zweitakter anzugehen. Nicht zu vergessen der flächendeckende After-Sales-Market. Nur wenn der Druck vonseiten der Regierungen hin zu „grünen Technologien“ zunimmt, werden auch hier einige Wettbewerber im Bereich Elektrofahrzeug auftauchen. Es ist eine reine Frage der Zeit. Pionierarbeit leistet keiner gerne, und zu kopieren ist in den meisten Ländern doch schnell und günstig umzusetzen. In Europa haben die heutigen namhaften OEMs (Bezeichnung für Originalausrüstungshersteller, Anm. d. Red.) nicht wirklich ein Interesse, in dieses Segment einzusteigen. KYTO ist in der glücklichen Lage, durch PGR einen direkten Zugriff auf ein Team aus Experten zu haben und diese Ressourcen nicht vorhalten zu müssen.

KYTO CEO - Grayson Richards (2018)

Einen Blick in die Zukunft, bitte …

Unser Team hat eine gemeinsame Vision. Wir möchte eine „Ikone“ schaffen, die das Stadtbild einer ganzen Metropole prägt. Nach dem Vorbild der Yellow Cabs in New York oder der Taxis in London. KYTO als Standardtaxi in Delhi oder als globales Lieferfahrzeug von DHL, das wäre schon etwas!

KYTO CEO - Grayson Richards (2018)

Co-Founder und CEO Grayson Richards (54) ist gebürtiger Engländer und lebt seit mehreren Jahre in Asien. Neben seiner Leidenschaft für KYTO ist er Besitzer von PGR Automotive, einer Engineering-Dienstleistungsgesellschaft für die Automobilindustrie.