Wer sich für ein eAuto interessiert, möchte es wahrscheinlich zuerst einmal ausführlich Probe fahren. Am meisten Zeit und Muße hat man dafür im Urlaub. Doch die etablierten Vermieter stellen sich erst allmählich auf die neue Kundschaft ein. Inzwischen gibt es jedoch auf eMobilität spezialisierte Verleiher.

Marktüberblick 2017: „Diese E-Mobile können Sie kaufen“, lautete kürzlich die Schlagzeile einer bekannten Autozeitschrift. Will man vielleicht aber gar nicht. Sondern lieber erst mal testen, ob ein eAuto überhaupt infrage kommt. Und falls ja: welches Modell am besten zu mir und meinen Bedürfnissen passt. Was man eben so macht, wenn eine größere Anschaffung ins Haus steht. Man fährt ja auch nicht nur einmal ins Küchenstudio und nimmt gleich die erstbeste Küche mit.

Leider gibt es derzeit noch deutlich mehr Küchenstudios als Vermieter von eAutos. Wer die Homepage von Sixt ansteuert, findet in der eKategorie ein Angebot, das an die Obsttheke zu DDR-Zeiten erinnert: Einen BMW i3 kann man in München und Frankfurt am Main reservieren, ein BMW i8 ist „derzeit nur in Spanien, Schweiz & USA verfügbar“. Bei Budget findet man auf der Homepage überhaupt keinen Hinweis auf elektrifizierte Leihobjekte. Hertz-Sprecher Bastian Krampen muss ebenfalls passen. In Deutschland sei derzeit nichts im Angebot: „Wir beobachten die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und den Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur.“ In anderen Märkten ist Hertz da schon weiter, bietet Stromer zum Beispiel in Frankreich (Renault Zoe), in Italien (Nissan LEAF Electric), Portugal (BMW i3), Schweden (Renault Zoe) und den USA (Nissan LEAF Electric, Chevrolet Spark EV) an. In Spanien bekommt man auf dem Festland einen Renault Zoe, BMW i3 oder Nissan LEAF Electric, auf den Balearen nur den Zoe. „In der Regel sind die Fahrzeuge Teil der lokal verfügbaren Hertz Green Collection und können mit Marken- und Modellgarantie gebucht werden“, erklärt Sprecher Krampen. In Italien seien zusätzlich drei Nutzfahrzeugmodelle mit eMotor im Angebot: der Nissan e-NV200, der Citroën Berlingo Electric und der Peugeot Partner Electric.

Konkret heißt das: Die größten Chancen, ein eAuto zu leihen und zu testen, hat man als Deutscher im Urlaub. Insbesondere in Spanien und auf seinen Ferieninseln bietet sich das eigentlich an, denn Leihfahrzeuge sind dort vergleichsweise günstig. Außerdem hat man dann vielleicht mehr Muße als im Alltag, um sich mit der neuen Technologie zu beschäftigen. Allein: Wer einschlägige Foren mit Erfahrungsberichten durchstöbert, könnte eher abgeschreckt werden. Das liest sich dann zum Beispiel so: „Problematisch war die Ladesituation in privaten Haushalten. Leider ist es mir gelungen, in der Finca von Freunden mehrfach die Sicherungen durchbrennen zu lassen. Vor allem das Laden über Nacht hat nicht geklappt. Die Batterie blieb leer, und das Bier im Kühlschrank der Garage blieb warm, weil ich die Sicherungen der Garage ausgeknockt hatte.

Mitarbeitern fehlt oft die Erfahrung

Das Grundproblem: Die Angestellten der Leihstationen haben bis dato keine oder kaum Erfahrung mit eMobilen. Sie können keine fachkundige Einweisung geben oder haben schlicht nicht die Zeit dafür. Treffen diese Mitarbeiter dann auf Kunden, die ebenfalls Novizen sind, wird es abenteuerlich. Tatsächlich ist das aber der Normalfall. Der Regelkunde sei ein Tester, sagt eine Sixt-Mitarbeiterin am Flughafen in Palma de Mallorca. Urlauber, die den Wagen für einen oder zwei Tage ausprobieren wollen: „Touristen aus Deutschland, den Niederlanden oder Skandinavien, die hier Elektromobilität einmal persönlich erleben möchten.“ Ohne eine ordentliche Anleitung ist das aber kein Spaß. Schon gar nicht auf Mallorca, wo man erst einmal herausfinden muss, wo auf der Insel sich Ladestationen befinden und wie man an diesen bezahlen kann. Mit der Kreditkarte in den großen Einkaufszentren? Mit der hauseigenen Endesa-Karte jenes Versorgers, der die sechs Schnellladestationen auf Mallorca betreibt? Und: Sollte sich nicht eigentlich der Autoverleiher um die Ladekarten kümmern? Ladesäulen, die ohne Karte funktionieren, gibt es kaum. Wer sie nicht findet, ist in seiner Mobilität erheblich eingeschränkt und verliert womöglich schnell die Lust am eAuto.

Gute Laune auf Sylt

Okay, es gibt auch positive Beispiele. In einem Online-Forum berichtet ein Sylt-Urlauber, dass er beim örtlichen Autovermieter zum Preis eines Verbrenners einen Nissan LEAF angeboten bekam und sich spontan darauf einließ: „Ich erhielt eine kurze Einweisung, und dem Wagen lag eine Karte bei, mit der ich sämtliche Ladesäulen der Insel nutzen konnte. Der Urlaub war sehr entspannt, das Fahrgefühl fantastisch, das Aufladen einfach. Mein nächstes Auto wird ganz sicher ein Elektroauto!“ Den Verleihern kommt damit durchaus eine Schlüsselrolle als Katalysator – oder auch Bremsklotz – der eMobilität zu. Wie ein Stromer bei so einem Test wahrgenommen wird und welche persönlichen Schlüsse die Kunden daraus ziehen, hängt sehr von den Umständen ab. Von Vermieterseite könnten einige Punkte die Hemmschwelle senken. Erstens: eAutos sollten nicht mehr Miete kosten als vergleichbare Verbrenner. Zweitens: Das Personal sollte so geschult sein, dass es eAuto-Neulingen eine verständliche Einführung geben kann. Schon ein Handzettel, den man auf den Beifahrersitz legt, ist da Gold wert: Wie lade ich? Wo finde ich Ladesäulen? Welche Zeit muss ich für das Laden einplanen? Drittens: Vermieter sollten dafür sorgen, dass ihre Kunden an so vielen Stellen wie möglich laden können. Dazu gehört auch, dass die Mieter wissen, wie man eine Ladesäule schnell findet. Man kann diese zum Beispiel im Navi als Sonderziel-Kategorie hinterlegen. Vor allem auf einer überschaubaren Insel sollte das machbar sein. Klar, auch die Mieter können zum Gelingen der ersten eSpritztour beitragen: indem sie vorab klären, ob eine Ladekarte zum Fahrzeug dazugehört und für welche Ladesäulenbetreiber oder -betreiberverbünde diese gültig ist, indem sie sich eine Übersichtskarte der Ladesäulen besorgen und indem sie daran denken, dass die Reichweite genau wie bei Verbrennern nach Norm angegeben wird, der Verbrauch in der Praxis also locker mal 30 bis 50 Prozent darüber liegen kann.

Nelly Vöhringer hat die CYX mobile KG gegründet und verleiht verschiedenste eAuto-Modelle.

Nelly Vöhringer hat die CYX mobile KG gegründet und verleiht verschiedenste eAuto-Modelle.

Für die Platzhirsche unter den Verleihern ist das Thema eMobilität also noch eines mit einer mehr oder weniger steilen Lernkurve. Zum Glück gibt es Spezialisten, die die Marktlücke entdeckt haben und jetzt dabei sind, diese zu schließen. Dazu gehört zum Beispiel die CYX mobile Concept KG in Arnstadt nahe Erfurt. Die junge, 2015 von Nelly Vöhringer ohne fremde Investoren gegründete Firma vermietet deutschlandweit Elektrofahrzeuge. Von der Flotte, die mit inzwischen rund 100 eAutos vermutlich die größte dieser Art hierzulande ist, sind rund die Hälfte die Tesla-Modelle X und S. Der Tagespreis für diese Lifestyle-Stromer beträgt 399 Euro. Auf der Website findet man die Abhol-Standorte, gegen einen Aufpreis kann man sich die Autos auch vor die Haustür stellen lassen. Der Verleiher empfiehlt eNovizen aber die Selbstabholung, damit sie eine fachgerechte Einweisung erhalten.

Der Tesla Model X ist am beliebtesten

Das Geschäft boomt“, heißt es bei CYX mobile, „wir wachsen schnell.“ Der Tesla Model X in verschiedenen Ausstattungsvarianten sei lange im Voraus ausgebucht: „Wir kennen niemand, dem dieser Wagen nicht Spaß gemacht hat.“ Wer ihn länger ausprobieren möchte, kann das für knapp 3.000 Euro pro Monat tun, kostenloses Laden inklusive. Nach einer so langen Testphase weiß man dann vermutlich, ob ein Tesla zu einem passt. Oder ob man eher auf einen Renault Zoe, einen E-Smart oder einen E-Golf abfährt, die allesamt ebenfalls von der Firma angeboten werden, ebenso wie Jaguar, Audi, Porsche und BMW unter der Zweitmarke Strominator. Günstige eAutos kosten für Privatpersonen bei CYX mobile zwischen 800 und 900 Euro Monatsmiete, die Ladekarte muss man sich selbst besorgen. Sehr gefragt sei der Hyundai IONIQ, weil er mit großer Reichweite und starker Dynamik gleichermaßen punkte. Die von Kunden angefragten i-BMWs könne man dagegen noch an einer Hand abzählen. Wer Blut geleckt hat, kann gebrauchte Stromer aus dem Fuhrpark von CYX mobile gelegentlich auch kaufen.

Allerdings sollte man es sich gut überlegen, ehe man einen gebrauchten eWagen erwirbt. Denn den Umweltbonus für rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge (4.000 Euro) und für Plug-in-Hybride (3.000 Euro) erhalten nur Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine, auf die ein Neufahrzeug zugelassen wird. Über Second-Hand-Autos und Tageszulassungen ergießt sich leider kein Geldregen. Das zu fördernde eAuto muss einen Netto-Listenpreis für das Basismodell von weniger als 60.000 Euro aufweisen. Zudem darf der CO2-Ausstoß pro Kilometer nicht mehr als 50 Gramm betragen. Der Umweltbonus wird jeweils zur Hälfte von der Bundesregierung und der Industrie finanziert.

Verleiher sind Schlusslicht

Also doch lieber leihen? Einfach mal ein Wochenende lang geräuschlos dahinsurren? Von den 1.787.000 im ersten Halbjahr 2017 in Deutschland neu zugelassenen Pkw entfielen auf die Autovermieter elf Prozent oder rund 202.000 Neuwagen. eMobile finden sich allerdings kaum darunter. Genauer gesagt: Auf 1.000 Neuzulassungen der Vermieter kommen gerade mal drei Elektroautos, rechnet eine aktuelle Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen vor. 0,3 Prozent – das ist kaum mehr als 2016, als die sogenannte EV-Quote, die im Kern reine Stromer und Plug-in-Hybride erfasst, bei 0,2 Prozent lag. CAR-Chef Ferdinand Dudenhöffer findet das Ergebnis „enttäuschend“. Selbst Privatpersonen (1,07 Prozent), Autobauer und -handel (1,08) sowie Unternehmen (1,59) haben im ersten Halbjahr 2017 mehr Elektroautos neu zugelassen.

Wichtige Akzente für die Elektromobilität setzen: Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Foto: Mike Auerbach

Wichtige Akzente für die Elektromobilität setzen: Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Foto: Mike Auerbach

Die Vermieter, kritisiert Dudenhöffer, hielten an alten Zöpfen fest, obwohl sie wichtige Akzente für die Elektromobilität setzen könnten. 56 Prozent aller neuen Vermieter-Pkw im ersten Halbjahr 2017 waren Diesel – trotz wachsender Kritik und drohender Fahrverbote. Aber der günstigere Kraftstoff scheine nach wie vor ein starkes Argument für die Kunden der Vermieter zu sein. Weil die Verleiher angesichts dünner Margen mit spitzem Bleistift rechnen müssten, könne man ihnen nicht vorwerfen, dass sie sich nach den Kundenwünschen richten. Das Bundesverkehrsministerium, so Dudenhöffer, hätte hier mit einer speziellen ePrämie für Vermieter gegensteuern müssen.

Öffentlicher Dienst ist Vorreiter

Vorreiter in Sachen Elektromobilität in Deutschland ist übrigens der öffentliche Dienst. 4,74 Prozent (2016: 4,28) aller neuen Pkw im ersten Halbjahr 2017 waren hier eAutos. Weil die öffentlichen Arbeitgeber aber für weniger als 1,0 Prozent aller Neuzulassungen stehen, bleibt der Effekt für die eAuto-Quote in ganz Deutschland sehr überschaubar: Diese lag im ersten Halbjahr bei 1,3 Prozent. Das ist zwar mehr als Ende 2016 (0,8 Prozent), doch noch weit entfernt von der Quote Norwegens: Hier überholten Elektroautos und Hybridantriebe im Juni 2017 mit 53 Prozent der Neuzulassungen erstmals die Verbrenner.

Wenn schon die Profi-Vermieter als Antreiber ausfallen, müssen vielleicht doch Ferienhotels einspringen und attraktive Pakete schnüren, die den eTest in den Urlaubsspaß integrieren. Vor allem in den Alpen gibt es inzwischen eine Reihe von meist Vier- oder Fünfsternehäusern, die das Probefahren mit einem eMobil anbieten. Klaus Mantl, Chef des MOHR life resort in Lermoos (Tirol), besitzt zum Beispiel einen Tesla Model S. Wenn gerade eine Werbeaktion läuft, kann man den für 70 Euro zwei Stunden lang (statt einer Stunde) durch die Bergwelt am Fuße der Zugspitze jagen. Vier Stunden kosten 150, ein ganzer Tag 250 Euro, Einführung inklusive. Im Vergleich zur Tagesrate der CYX mobile Concept KG (399 Euro für einen Model X) ist das sogar ein Schnäppchen. Noch dazu eines, das sich perfekt in den Urlaub integrieren lässt. Denn mit einem Sportwagen über Alpenpässe zu fahren macht gleich doppelt Spaß. Inzwischen gibt es mehrere Hotels, die sich auf Stromer-Fans eingestellt haben und eine entsprechende Infrastruktur und Leihautos anbieten .

Vermutlich gibt es noch weitere Oberklassehotels, die solche Angebote machen. Aber man muss annehmen, dass sich der Anteil insgesamt noch im Promillebereich bewegt. Immerhin stimmt der Trend: Es werden allmählich mehr. Und die Kunden können den Prozess beschleunigen, indem sie aktiv einen Stromer nachfragen – an der Hotelrezeption ebenso wie beim Autoverleih am Flughafen.

Welche Eindrücke man mit einem Tesla in den Alpen erleben kann, hat unser Redakteur hautnah im Artikel Transalp mit Tesla beschrieben.

Es gibt natürlich nicht nur eMobile zu mieten, im Dachstein, kann man neben eBikes auch eEnduros mieten, denn der Berg Cruist – eBike im Dachstein.

Holzhotel Forsthofalm Hotelier und Tesla Fan Markus Widauer

Holzhotel Forsthofalm Hotelier und Tesla Fan Markus Widauer

Hotels unter Strom

Das Wiesenhof Garden Resort im Südtiroler Passeiertal bietet jenen Gästen, die bereits mit ihrem eigenen Tesla anreisen, zwei kostenlose Destination-Charger an. Das Angebot gilt für Hotel-, Restaurant- und Wellness-Gäste. Zusätzlich gibt es gegen Aufpreis eine universale Aufladestation für alle anderen eAutos und einen Tesla Model X zum Testen für nur 150 Euro Tagesmiete (Halbtagesmiete 80 Euro, eine Stunde 25 Euro). Das Holzhotel Forsthofalm in Leogang (Salzburger Land) offeriert ein VIP-Flughafenshuttle mit dem hoteleigenen Tesla vom Flughafen Salzburg.

Holzhotel Forsthofalm in Leogang/Österreich.

Holzhotel Forsthofalm in Leogang/Österreich.

Gefahren wird der von Hotelier Markus Widauer persönlich, die Kosten belaufen sich auf 180 Euro pro Strecke. Bei Anreise mit einem eigenen Elektroauto erhalten Gäste einen kostenlosen Tiefgaragenparkplatz. Und sie können ihren Stromer gratis mit dem hoteleigenen Tesla Destination Charger oder einem Typ-2-Charger aufladen. Das Rübezahl in Schwangau im Allgäu arrangiert für Hotelgäste Ausflüge in die Umgebung mit einem BMW i8. Wer sein eigenes eAuto mitbringt, findet vor dem Hotel eine Ladestation. Ein Haustechniker steht für Fragen zur Verfügung. Tesla-Fan: Hotelier Markus Widauer. Holzhotel Forsthofalm in Leogang/Österreich.

Fotos: Cyx, MOHR Life Resort, Holzhotel Forsthofalm

Text: Günter Kast