Heulen kann er zwar nicht, dafür ist der Waterwolf fast so schnell wie sein prominenter Namensgeber aus dem Tierreich. Das Surfbrett mit Elektromotor bringt es nämlich auf bis zu 30 Kilometer pro Stunde! Damit erreicht das Surfen eine ganz neue Dimension.

Kein Wind, keine Welle, kein Spaß – so zumindest würden es die meisten Surfer auf den Punkt bringen. Die stellen sich doch eher die Frage, an welcher Küste der größte Adrenalinkick und die schönste Kulisse warten. Oft jedoch mit gefährlichen Nebenwirkungen.

Waterwolf - Erfüllte Surfer-Träume: schwerelos auf der eigenen Welle.

Waterwolf – Erfüllte Surfer-Träume: schwerelos auf der eigenen Welle.

Markus Schilcher findet seinen Top-Surfspot in den Seen des Alpenvorlandes. Ganz ohne gigantische Killerwellen, rasiermesserscharfe Korallen und schäumende Gischt. Surfen kann er an Starnbergersee, Chiemsee & Co. aber trotzdem. Und das sogar mit ordentlich Rückenwind. Der Maschinenbau-Ingenieur und Hobbysurfer hat ein elektrobetriebenes Surfbrett entwickelt. Vier Jahre hat er für den Waterwolf gebraucht. Inzwischen kann sich Schilcher kaum noch vor Anfragen retten. „1983 kam mir die Idee, als ich beim Wellenreiten in Biarritz an der französischen Atlantikküste war. Um die großen Wellen draußen zu erwischen, musste man irrsinnig viel Kraft und Energie aufwenden. Und dann verpasste man die perfekte Welle doch auf den letzten Metern. Über 25 Jahre später verfolgte mich der gleiche Gedankengang nochmals. Die Lösung: Warum nicht ein Surfbrett mit Elektroantrieb entwickeln?“ Gesagt, getan. Fünf Jahre Tüftelei und zwei Testjahre später konnte das Ergebnis, der Waterwolf, schließlich präsentiert werden. „Mir war schlagartig klar, dass man für das Fahren mit einem eSurfboard gar keine Welle mehr benötigt, sondern ganz unabhängig von Wind und Wellen umweltfreundlich surfen kann. Ganz schwerelos auf seiner eigenen Welle. Nicht Hunderte Kilometer weit entfernt, sondern gleich um die Ecke, am angrenzenden See.“ Wenn Schilcher den Kick beschreibt, der ihn immer wieder aufs Brett lockt, dann ist es das Gefühl der Schwerelosigkeit, das beim eSurfen entsteht. „Generell gesagt ist das Fahren mit dem Waterwolf eine Mischung aus Snowboardfahren und Wellenreiten, aber eben ohne Wellen – getreu dem Motto ‚Make your own wave‘.

Inzwischen hat sich Schilcher sogar drei Gesellschafter mit ins Boot geholt und will jetzt, knapp vier Jahre nach dem Launch des Waterwolf, weitere Investoren an Land ziehen, um die limitierte Kleinserie von 30 Stück in naher Zukunft aufzustocken und mit einer Großserie und passender Vertriebsstruktur den Markt weiter zu erobern. In seiner Firma im südbayerischen Oberammergau kommen nur hochwertige Komponenten „Made in Germany“ zum Einsatz. Die Bretter lässt Schilcher beim weltgrößten Surfboard-Hersteller sonderanfertigen.

Was steckt alles im Waterwolf?

In erster Linie natürlich ein Elektromotor. Der neu entwickelte, zweifach gekühlte und auf optimale Vortriebsleistung getrimmte Propellerantrieb ermöglicht dabei enge Kurvenfahrten ohne Strömungsabriss. Die Eigenentwicklung der Firma Waterwolf ist direkt unter dem Brett angebracht, dabei ist der hochstromfeste Lithium-Ionen-Wechselakku durch einen Schutzring gesichert. Das Akku-Pack wird auf der Oberseite des Boards in die Vertiefung gelegt und mit wenigen Schraubendrehungen verschlossen. Ein LCD-Display zeigt in Prozent an, wann der Saft alle ist. Der Akku ist zudem mit einem BMS (Batterie Management System) mit diversen Schutzmechanismen gegen Kurzschluss, Überhitzung und Tiefenentladung ausgestattet. Die Surfgeschwindigkeit lässt sich digital mit einer neu entwickelten Bluetooth-Handsteuerung einstellen. In der Mitte steckt ein roter Knopf, an dem die Sicherheitsleine befestigt wird. Damit stoppt der Motor sofort, wenn der Surfer oder die Surferin vom Board fällt – die Gefahr, dass das Board allein davonfährt oder eine Person verletzt werden könnte, ist damit behoben. Durch die magnetische Ladebuchse des Wechselakkus wird Verpolungssicherheit garantiert. Den eSurfer Waterwolf MPX-3 gibt es in den Farben Weiß, Blau, Rot und Gelb.

Leichtgewicht: Das Waterwolf eBoard bleibt mit Akku unter 30 Kilo.

Leichtgewicht: Das Waterwolf eBoard bleibt mit Akku unter 30 Kilo.

Kann sich jeder auf den Waterwolf wagen?
Wie funktioniert das?

Ob Einsteiger oder Profi: Wer mindestens 18 Jahre alt ist, kann versuchen, seine eigene Welle zu starten. Wer vorher bereits auf einem Surfbrett, Snowboard, Skateboard oder SUP (Stand Up Paddle) gestanden hat, mag zwar klar im Vorteil sein, Ungeübte können laut Schilcher aber ebenso schnell lernen, mit dem eSurfmobil umzugehen: „Man muss erst einmal das Stehen auf dem Brett üben, was natürlich ohne Wind und Wellen leichter fällt. Am Anfang ist es empfehlenswert, liegend oder kniend beim Gleiten über das Wasser ein Gefühl für das Brett zu bekommen. Der Waterwolf ist durch seine Geschwindigkeit und den im hinteren Drittel montierten Propellerantrieb, der wie ein Schwert fungiert, sehr kippstabil, sodass fast jeder schon nach der zweiten oder dritten Fahrt zum Stehen kommt. Hier die Balance zu halten ist sogar einfacher als auf einem gängigen SUP.“ Schilcher fügt noch hinzu: „Kurven fahren muss man üben, ganz klar, aber auch das kann man mit etwas Ehrgeiz nach ein paar Runden hinbekommen.“ Mit einer Leistung von rund 5,5 Kilowatt kann man Geschwindigkeiten zwischen 22 km/h und knapp 30 km/h erreichen. Die Reichweite beträgt bis zu 10 Kilometer. Danach muss man zwischen 1,5 Stunden mit Schnelllader und ca. 3,5 Stunden beim normalen Aufladen bis zum nächsten Ritt einplanen.

In See stechen gleich um die Ecke: kein Problem mit dem Waterwolf.

In See stechen gleich um die Ecke: kein Problem mit dem Waterwolf.

Der Propellerantrieb des Waterwolf ermöglicht enge Kurvenfahrten ohne Strömungsabriss.

Der Propellerantrieb des Waterwolf ermöglicht enge Kurvenfahrten ohne Strömungsabriss.

Wie teuer kommt der Spaß?
Wie lässt sich das Übers-Wasser-Gleiten testen?

Von April bis Oktober 2018 kann der eSurfer Waterwolf wieder am Starnbergersee bei Gastl Boote in Leoni/Berg sowie seit dem 28. Mai 2017 bei Newschool Kitesurfing in Brenzone getestet werden. Es werden Kurse (einzeln und in der Gruppe) inklusive Sicherheitseinweisung angeboten, die mit dem neuen Transportgerät vertraut machen. Die Preise liegen in etwa bei 49 Euro für eine Einzelfahrt bzw. 149 Euro pro Person für Gruppenfahrten mit Boot (ca. zwei Stunden) inklusive Sicherheitseinweisung, mit zwei Boards und für Geübte auch mit der Möglichkeit, in der Heckwelle zu surfen. Weitere Testcenter sind 2018 in ganz Deutschland und in Europa geplant.

Waterwolf-Erfinder Markus Schilcher (52) mit seinen „Wolfbabys“ am Strand der Côte d’Azur in Frankreich.

Waterwolf-Erfinder Markus Schilcher (52) mit seinen „Wolfbabys“ am Strand der Côte d’Azur in Frankreich.

Facts check

Waterwolf MPX-3-2017

  • Leistung: 4,0 – 6,0 kW (je nach Ladezustand des Akkus)
  • Akkuspannung: 51,8 V (max. 58,8)
  • Speed: 24 – 28 km/h (abhängig von Fahrergewicht und Wasseroberfläche)
  • Volumen: 105 l / 124 l
  • Gewicht: 28 kg / 29 kg (inklusive Akku)
  • Fahrzeit: 30 – 35 Minuten pro Akku
  • Ladezeit: 2 – 3,5 Stunden (plus Abkühlzeit von ca. 2 Stunden)
  • Farben: Weiß, Rot, Blau, Gelb
  • Preis: 11.990 Euro (Stand 12/2017)

Das gibt’s auch noch dazu:

  • Digitaler Startknopf
  • Akku-Wechselsystem
  • Display
  • Bluetooth-Verbindung
  • Stoßfeste Außenhaut (HRS)
  • Standard-Ladegerät
  • Boardbag