Guido Tschugg ist gern schnell unterwegs. So schnell, dass er als einziger Deutscher bei Red Bull Rampage sein Können unter Beweis stellen durfte. 2015 stand er in Utah zwar nicht mehr an der Startlinie, dafür testete der Haibike-Markenbotschafter die Strecke mit einem neuen eDownhill-Bike. Seitdem hat die Elektronik den sympathischen Allgäuer fest im Griff.

Du bist der einzige Deutsche, der es zum Mega-Event Red Bull Rampage geschafft hat – sprich: Du gehörst für viele zu den ganz harten Jungs. Wie lässt sich da die Vorliebe zu eBikes erklären?

Ich bin nach wie vor mit viel Speed unterwegs. Deswegen fahre ich auch häufig Motocross. Das taugt mir. Mit meinem eMountainbike bin ich aufgrund des Motors generell immer einen Tick schneller, gerade wenn es bergauf oder flach dahin geht. Bergab bevorzuge ich ein eMTB-Modell von Haibike mit mehreren Millimetern Federweg, damit kann ich bei Sprüngen genauso viel Spaß haben wie mit einem Nicht-eBike.

Was denkst du, was macht das Thema eMTB für dich als Profi und generell so spannend?

In den letzten zwei bis drei Jahren ist der eBike-Markt enorm gewachsen. Ich finde es großartig, dass ich von Anfang an die Entwicklung hautnah mitverfolgen konnte. Vor allem auch deswegen, weil der Bereich in den nächsten Jahren weitere Fortschritte machen wird. Das miterleben und persönlich mit steuern zu können, ist schon extrem spannend. Aufgrund meiner Erfahrung als Profi-Mountainbiker liegt es natürlich nahe, meine Erlebnisse und Kenntnisse in den Entwicklungsprozess einfließen zu lassen. Zudem habe ich als Profisportler und durch meine Bekanntheit natürlich optimale Möglichkeiten, das eBiken bei den Leuten und in der Szene weiter fest zu etablieren. Und ganz ehrlich, momentan macht mir das eBiken fast mehr Spaß als das normale Biken.

Wo lässt sich das Bike am besten einsetzen und wo liegen seine Grenzen?

Mit dem eMountainbike bin ich definitiv flexibler. Das sehe ich als klaren Vorteil. Durch die verschiedenen Abstufungen des Motors kann ich mir ganz individuell die Unterstützung holen, die ich brauche. Ob ich nun trainieren oder einfach nur gemütlich meine Runde drehen will, ich selbst kann entscheiden, wie sportlich ich unterwegs bin. Und schwächere Biker können jetzt mit extrem fitteren Fahrern zusammen eine Tour machen, ohne dass der eine gelangweilt und der andere total abgehetzt ist.

Geht es dir generell nur ums Hochradeln oder versprüht das Bike auch beim Downhill im Bikepark seinen Reiz?

Beim Bergabfahren ist das eBike sogar um einiges stabiler und gibt somit mehr Spursicherheit beim Downhill. An das höhere Gewicht hat man sich schnell gewöhnt.

Wo lässt sich das Bike am besten einsetzen und wo liegen seine Grenzen?

Beim Training auf dem Pumptrack bevorzuge ich mein Hardtail ohne Motor.

Seit wann hast du eigentlich die Elektronik im Griff? Wie ist es zu der Zusammenarbeit zwischen dir und Haibike gekommen?

Ich bin schon seit drei Jahren mit Haibike auf eBikes unterwegs. Dabei fließt natürlich laufend mein Feedback in die Entwicklung ein. Wir haben sogar ein Signature Downhill eMountainbike zusammen auf den Markt gebracht, ganz nach meinem Geschmack und mit meinen absoluten Lieblingskomponenten.

Wohin, denkst du, wird sich der Trend weiterentwickeln? Thema: eigene Rennen, die es ja schon vereinzelt gibt.

Das Thema Rennen mit eBikes umzusetzen, ist meiner Meinung nach extrem umstritten. Hierfür bräuchte man ein wirklich gutes und neues Konzept. Gehen wir mal davon aus, dass es sich um ein Rennen handelt, bei dem es darauf ankommt, möglichst schnell den Berg heraufzufahren. Gewinnen wird der, der die meiste Kondition vorweisen kann. Die Unterstützung tritt beim eBike bei 25 km/h nämlich außer Kraft. Es müsste ein Rennformat geben, bei dem der punktet, der die Vorteile vom eMotor am besten nutzen kann. Das schließt technische Fähigkeiten bergauf und bergab mit ein.

Und wann greifst du dann doch wieder zum MTB ohne Motor?

Eventuell noch dieses Jahr, weil ich bei der Weltmeisterschaft im Downhill mitfahren will.

Artikel: Astrid Schlüchter / Bilder: Haibike, Martin Erd