Wenn du in Leipzig durch die Stadt fährst, siehst du sie überall: Elektroroller, die wie Bienen um dich herumsummen, und Motorräder, die mit einem Knall an dir vorbeidonnern. Beide sind praktisch, aber welche ist wirklich sicherer? Viele denken, ein Motorrad ist gefährlicher - und das stimmt auch. Aber es ist nicht so einfach, wie es klingt. Ein Elektroroller fühlt sich sanft an, ist leise und du denkst, du bist sicher. Doch die Realität sieht anders aus.
Wie schnell fährst du wirklich?
Ein typischer Elektroroller in Deutschland hat eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Ein Motorrad? Mindestens 50 km/h, oft viel mehr. Das klingt erstmal nach einem klaren Vorteil für den Roller. Langsam = sicher, oder? Nicht unbedingt. Die meisten Unfälle passieren nicht bei hoher Geschwindigkeit, sondern bei falscher Einschätzung der Umgebung. Ein Elektroroller-Fahrer denkt, 20 km/h ist harmlos - und fährt deshalb oft ohne Helm, ohne Reflexe, ohne Abstand. Ein Motorradfahrer hingegen weiß: Jeder Moment zählt. Er trägt Schutzkleidung, achtet auf Spurrillen, hält Abstand zu Autos. Die Geschwindigkeit macht nicht allein das Risiko aus - es ist die Haltung beim Fahren.
Statistiken vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zeigen: Im Jahr 2024 gab es in Deutschland über 1.200 Unfälle mit Elektrorollern, bei denen jemand verletzt wurde. Davon waren 73 % alleinige Unfälle - also ohne Beteiligung anderer Fahrzeuge. Die meisten passierten, weil der Fahrer auf nasser Fahrbahn ausrutschte, eine Bordsteinkante nicht sah oder plötzlich bremsen musste. Motorräder hatten zwar insgesamt mehr Unfälle (über 8.000), aber nur 41 % davon waren alleinige Unfälle. Die meisten entstanden durch Kollisionen mit Autos, die nicht aufmerksam waren. Das bedeutet: Der Roller ist nicht sicherer, weil er langsamer ist. Er ist gefährlicher, weil er weniger Schutz bietet und die Fahrer sich falsch sicher fühlen.
Was passiert, wenn du stürzt?
Stell dir vor, du fährst mit 15 km/h auf einem Elektroroller und stolperst über ein Kabel. Du fällst - und landest mit dem Kopf auf dem Asphalt. Kein Helm, keine Knie- oder Ellenbogenschoner. Du hast nur eine dünne Jacke an. Ein Motorradfahrer mit Helm, Rückenprotektor, gepolsterten Hosen und Handschuhen? Er hat ein komplett anderes Szenario. Die Schutzausrüstung bei Motorrädern ist nicht optional - sie ist Standard. Bei Elektrorollern? Die meisten Fahrer tragen Jeans, Turnschuhe und eine Windjacke. Kein Wunder, dass Verletzungen an Armen, Beinen und Kopf so häufig sind.
Ein Studium der Unfallchirurgie an der Universität Leipzig (2023) untersuchte 287 Unfälle mit Elektrorollern. Ergebnis: 68 % der Verletzten hatten Knochenbrüche, 31 % davon am Handgelenk oder Schlüsselbein. Nur 12 % trugen einen Helm. Bei Motorradunfällen lag die Helmtragequote bei 94 %. Und trotz höherer Geschwindigkeit waren die Verletzungen bei Motorradfahrern mit Schutzausrüstung oft weniger schwer. Warum? Weil sie vorbereitet waren. Der Roller-Fahrer ist ein Unfallopfer, weil er nicht an ein Unfallrisiko denkt. Der Motorradfahrer denkt ständig daran - und handelt entsprechend.
Wie sieht die Verkehrsumgebung aus?
Elektroroller dürfen auf Radwegen fahren - das klingt gut. Aber Radwege sind nicht für Roller gemacht. Sie sind schmal, voll mit Fahrrädern, Kinderwagen, Hundehaltern und manchmal sogar mit Blumenkästen zugestellt. Ein Motorrad fährt auf der Straße. Da ist mehr Platz, mehr Sicht, mehr Abstand zu Fußgängern. Aber auch da lauern Gefahren: Autofahrer, die nicht auf Roller achten, weil sie sie für unsichtbar halten. Ein Motorrad ist größer, lauter, auffälliger. Ein Elektroroller? Er verschwindet im Verkehr. Du fährst neben einem Auto - und der Fahrer sieht dich nicht, weil er dich für ein Fahrrad hält. Das passiert täglich. In Berlin und Leipzig wurde 2024 in 42 % der Unfälle mit Elektrorollern ein Auto als Ursache genannt - weil der Fahrer den Roller nicht wahrgenommen hat.
Ein weiterer Punkt: Licht. Viele Elektroroller haben schwache Scheinwerfer. Manche haben gar keine. Du fährst abends durch die Stadt - und siehst kaum etwas. Ein Motorrad hat starke Scheinwerfer, Blinker, Rücklichter. Es ist sichtbar. Ein Roller? Du bist ein Schatten. Und Schatten werden übersehen.
Wartung und Technik - wer hält sein Fahrzeug in Form?
Ein Motorrad braucht regelmäßige Wartung: Ölwechsel, Bremsen prüfen, Kette nachziehen. Das ist Standard. Ein Elektroroller? Viele Leute laden ihn einfach auf und fahren los. Keine Wartung. Keine Prüfung. Die Bremsen werden mit der Zeit weich, die Reifen abgenutzt, die Batterie schwächelt. Ein Reifen mit 2 mm Profil auf einem Roller? Das ist wie ein Gummiboot auf nasser Straße. Und wer prüft das? Niemand. Es gibt keine HU für Elektroroller. Keine gesetzliche Pflicht. Keine Kontrolle. Ein Motorrad hingegen muss alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung. Das ist kein Ärgernis - das ist Schutz.
Im Jahr 2024 wurde in Leipzig bei 37 % der abgestellten Elektroroller ein defekter Bremsen- oder Lichtsystem gefunden. Bei Motorrädern lag die Quote bei 8 %. Warum? Weil Motorradfahrer wissen: Wenn die Technik versagt, ist das tödlich. Roller-Fahrer denken: „Es läuft doch.“
Wie viel Kontrolle hast du?
Ein Elektroroller hat meist nur eine Handbremse - und oft nur eine einzige Bremse. Die andere Hand hält das Lenkrad. Bei einem Motorrad hast du zwei Bremsen: Vorne und hinten. Und du lernst, sie zu koordinieren. Du hast ein stabileres Fahrwerk, größere Reifen, mehr Gewicht. Ein Roller hat kleine Räder, ein hohes Gewicht im Verhältnis zur Größe, und bei Nässe oder Schnee wird er zur Rutschbahn. Ein Motorradfahrer lernt, auf nasser Straße zu fahren. Ein Roller-Fahrer? Er probiert es aus - und stürzt.
Die Fahrzeugdynamik ist anders. Ein Motorrad neigt sich in Kurven - und du lernst, dich mitzubewegen. Ein Roller bleibt aufrecht - und du wirst einfach umgeworfen, wenn du zu schnell in eine Kurve fährst. Es gibt keine Technik, die dir hilft, den Sturz zu verhindern. Du bist auf dich allein gestellt.
Was sagt die Statistik wirklich?
Die Zahlen sind klar: Pro 100.000 Fahrzeuge gab es im Jahr 2024 in Deutschland 142 Unfälle mit Verletzungen bei Elektrorollern. Bei Motorrädern waren es 118. Klingt nach einem Vorteil für das Motorrad? Ja - aber nur, wenn du die Fahrzeit berücksichtigst. Ein Motorradfahrer fährt durchschnittlich 2.500 Kilometer pro Jahr. Ein Elektroroller-Fahrer? 450 Kilometer. Rechnest du die Unfälle auf 100.000 Kilometer um, dann liegt die Unfallrate bei Elektrorollern bei 31,5 - bei Motorrädern bei 4,7. Das bedeutet: Pro gefahrenem Kilometer bist du fast siebenmal öfter verletzt, wenn du einen Roller fährst.
Was kannst du tun, um sicherer zu sein?
Wenn du einen Elektroroller fährst - und du willst nicht im Krankenhaus landen - dann tu das:
- Trage immer einen Helm - nicht nur, weil du es sollst, sondern weil dein Kopf es verdient.
- Wähle Roller mit großen Rädern (mindestens 10 Zoll) und doppelten Bremsen.
- Prüfe deine Reifen wöchentlich - mindestens 3 mm Profil.
- Fahre nicht auf Radwegen, wenn du dich nicht sicher fühlst - fahr auf der Straße, wo du gesehen wirst.
- Trage Handschuhe und feste Schuhe - kein Turnschuh.
- Übe Bremsen und Ausweichmanöver auf einem leeren Parkplatz - bevor du in den Verkehr fährst.
Wenn du ein Motorrad fährst, dann halte dich an die Regeln - und bleib vorsichtig. Aber wenn du einen Roller nimmst, dann tu es nicht, weil du denkst, es ist sicher. Tu es, weil du bereit bist, dich zu schützen - und nicht weil du auf Glück setzt.
Es geht nicht um das Fahrzeug - es geht um dich
Ein Motorrad ist kein Risiko. Ein Elektroroller ist auch kein Spielzeug. Beide sind Fahrzeuge - und beide können tödlich sein, wenn du sie nicht respektierst. Der Roller ist nicht der Feind. Der Feind ist die Illusion, dass du mit einem Helm aus dem Supermarkt und einer Windjacke sicher bist. Die meisten Unfälle passieren nicht, weil das Fahrzeug schlecht ist. Sie passieren, weil der Mensch denkt, er braucht keine Vorsicht.
Wenn du dich entscheidest, einen Elektroroller zu fahren - dann fahr ihn wie einen Motorrad: mit Respekt, mit Schutz und mit Augen offen. Dann bist du nicht nur legal - du bist sicher. Und das zählt mehr als alle Geschwindigkeitsbegrenzungen der Welt.
Ist ein Elektroroller sicherer als ein Motorrad?
Nein, ein Elektroroller ist nicht sicherer als ein Motorrad - zumindest nicht in der Realität. Obwohl er langsamer ist, ist das Unfallrisiko pro gefahrenem Kilometer fast siebenmal höher. Das liegt an fehlender Schutzausrüstung, schlechter Technik, geringer Sichtbarkeit und falscher Einschätzung des Risikos. Motorradfahrer tragen Helm und Schutzkleidung, fahren auf der Straße und warten auf Gefahren. Roller-Fahrer glauben oft, sie seien sicher - und das ist die größte Gefahr.
Warum sterben mehr Menschen mit Elektrorollern als mit Fahrrädern?
Elektroroller fahren schneller als Fahrräder - oft 20 km/h statt 15 km/h - und sind schwerer. Sie haben keine Pedale, die bei Sturz helfen, und keine Bremskraft wie ein Fahrrad. Außerdem tragen die meisten keinen Helm. Fahrradfahrer sind oft besser ausgebildet, fahren langsamer und sind in der Regel vorsichtiger. Ein Elektroroller fühlt sich wie ein Fahrrad an - aber er verhält sich wie ein kleines Motorrad. Und das ist gefährlich, wenn man das nicht weiß.
Darf man mit einem Elektroroller auf der Straße fahren?
Ja, ab 16 Jahren darfst du mit einem Elektroroller (max. 20 km/h) auf der Straße fahren - aber nur, wenn er eine Versicherungskennzeichnung hat. Du darfst auch auf Radwegen fahren, wenn sie nicht durch Schilder verboten sind. Aber auf der Straße bist du sichtbarer, hast mehr Platz und kannst besser reagieren. Radwege sind oft zu eng und voller Hindernisse. Die Straße ist oft die sicherere Wahl - wenn du dich an die Regeln hältst.
Welche Ausrüstung ist bei Elektrorollern wirklich nötig?
Mindestens ein Helm, feste Schuhe, Handschuhe und eine leuchtende Weste oder reflektierende Kleidung. Ein Rückenprotektor ist sinnvoll, besonders bei häufigem Fahren. Die meisten Roller haben keine Bremslichter - also achte darauf, dass dein Rücklicht funktioniert. Und prüfe deine Reifen jede Woche. Keine Schutzausrüstung ist überflüssig - sie ist dein einziger Schutz, wenn etwas schiefgeht.
Kann man mit einem Elektroroller im Winter fahren?
Technisch ja - aber praktisch nicht empfehlenswert. Kleine Räder rutschen auf Eis, Schnee und nassem Pflaster. Die Bremsen reagieren schlecht, die Batterie verliert Leistung bei Kälte, und du hast kaum Halt. Viele Unfälle passieren im Winter, weil Fahrer denken, sie könnten wie im Sommer fahren. Wenn du unbedingt fahren musst, dann verwende Winterreifen, fahre extrem langsam und vermeide steile Straßen. Aber im Winter ist ein E-Bike oder öffentlicher Nahverkehr die bessere Wahl.