Wie weit kommt man mit einem Elektroroller?
Ein Elektroroller verspricht schnelle, emissionsfreie Mobilität - aber wie weit kommst du wirklich mit einer Ladung? Die Hersteller werben oft mit 50, 70 oder sogar 100 Kilometern Reichweite. In der Praxis? Die meisten Fahrer schaffen zwischen 30 und 50 Kilometern, wenn sie den Roller richtig nutzen. Wer glaubt, er könnte damit von Leipzig nach Dresden fahren, ohne nachzuladen, liegt falsch. Die Reichweite ist kein feststehender Wert - sie hängt von Dutzenden Faktoren ab, die du beeinflussen kannst.
Warum die Herstellerangaben trügen können
Die Reichweite, die auf dem Karton steht, kommt aus dem Labor. Da fährt jemand bei 20°C, auf ebener Straße, mit 20 km/h und ohne Wind. Kein Stop-and-go, keine Ampeln, kein Gepäck, keine Bergfahrt. In der Realität? Du stehst an Ampeln, beschleunigst immer wieder, fährst gegen Wind, trägst eine Tasche oder hast einen Passagier mit. Das kostet Energie. Ein Test von ADAC im Jahr 2025 zeigte: Selbst bei moderatem Fahrstil sinkt die tatsächliche Reichweite im Durchschnitt um 35 % gegenüber der Herstellerangabe. Ein Roller mit 60 km Angabe schafft oft nur noch 39 km - und das bei 70 kg Fahrergewicht.
Die fünf größten Reichweitenkiller
- Temperatur: Bei unter 5°C verliert der Akku bis zu 40 % seiner Kapazität. Im Winter fährt dein Roller einfach weniger weit - das ist physikalisch, nicht defekt.
- Gewicht: Jedes zusätzliche Kilo kostet Energie. Ein Rucksack mit Laptop, eine Einkaufstasche, ein Mitfahrer - das summiert sich schnell. Ein 100 kg schwerer Fahrer verbraucht bis zu 25 % mehr Strom als ein 60 kg schwerer.
- Fahrgeschwindigkeit: Ab 30 km/h steigt der Luftwiderstand exponentiell. Wer mit 45 km/h fährt, verbraucht fast doppelt so viel wie bei 25 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist nicht die effizienteste.
- Streckenprofil: Bergauf verbraucht der Roller deutlich mehr. Ein Anstieg von 5 % kann die Reichweite um 20-30 % reduzieren. In Leipzig, mit seinen Hügeln am Clara-Zetkin-Park, ist das relevant.
- Akkualter: Nach 500-800 Ladezyklen hat ein typischer Lithium-Ionen-Akku noch 70-80 % seiner ursprünglichen Kapazität. Ein zwei Jahre alter Roller hat oft schon 15-20 % weniger Reichweite als neu.
Wie du deine Reichweite maximierst
Du kannst viel tun, um mehr aus deinem Roller herauszuholen. Hier sind die praktischsten Tipps:
- Fahre langsamer: 25-30 km/h ist die Goldilocks-Zone. Du bist schnell genug für die Stadt, verbrauchst wenig und bleibst sicher.
- Vermeide abruptes Beschleunigen: Sanftes Anfahren spart bis zu 15 % Energie. Nutze den „Eco-Modus“, wenn dein Roller einen hat.
- Halte die Reifen aufgepumpt: Unterdruck erhöht den Rollwiderstand. 1,5-2,0 Bar sind ideal - prüfe sie alle zwei Wochen.
- Lade bei Zimmertemperatur: Akkus lieben Wärme. Lade nicht im Keller bei 5°C oder im Sommer auf der heißen Straße. Ein trockener, kühler Raum ist optimal.
- Entferne unnötiges Gewicht: Kein Rucksack, wenn du ihn nicht brauchst. Kein Gepäckträger, wenn du nichts transportierst.
Reichweite im Alltag: Ein echter Tagesablauf
Stell dir vor, du fährst von der Wohnung in Connewitz zur Arbeit in der Innenstadt - 5,2 km. Danach zum Supermarkt (1,8 km), dann zur Post (1,1 km), und zurück nach Hause (6,5 km). Das sind 14,6 km am Tag. Ein Roller mit 40 km Reichweite schafft das locker - mit Reserve. Aber was, wenn du am Wochenende zur Messe am Leipziger Messeplatz willst? Das sind 8 km hin, 8 km zurück. Bei 30 km Reichweite ist das knapp. Und wenn es regnet? Dann wird der Akku noch schneller leer, weil du langsamer fährst und die Bremsen öfter nutzt.
Die meisten Nutzer in Leipzig fahren zwischen 10 und 20 km pro Tag. Wer mehr braucht, sollte sich einen Elektroroller mit zwei Akkus oder einem Wechselakku anschauen. Modelle wie der Segway Ninebot MAX ist ein Elektroroller mit 65 km Reichweite bei optimalen Bedingungen und einem austauschbaren Akku. Der Xiaomi Electric Scooter Pro 2 ist ein günstiger Klassiker mit 45 km Reichweite, aber kein Wechselakku.
Was ist mit Elektrorollern mit zwei Akkus?
Ein zweiter Akku ist kein Luxus - er ist eine Versicherung. Wer täglich mehr als 25 km fährt, sollte sich für ein Modell mit Wechselakku entscheiden. Der Dualtron Thunder ist ein Hochleistungsroller mit zwei Akkus und bis zu 120 km Reichweite, aber auch 65 kg Gewicht. Er ist für den Alltag in der Stadt überdimensioniert - aber ideal, wenn du auch mal auf Landstraßen fährst. Für den Stadtverkehr reicht oft ein leichterer Roller mit einem Wechselakku wie der EMOVE Cruiser ist ein 25 kg schwerer Roller mit 100 km Reichweite und austauschbarem Akku.
Reichweite vs. Ladezeit: Die Realität
Ein vollständiger Ladevorgang dauert 4-8 Stunden - je nach Akkukapazität und Ladegerät. Du kannst nicht einfach zwischendurch „schnell“ aufladen wie beim Auto. Ein Schnelllader für Elektroroller existiert kaum in Deutschland. Die meisten Ladesäulen sind für E-Bikes oder E-Autos. Du lädst also meist zu Hause - am Abend, über Nacht. Wer auf der Arbeit nicht laden kann, sollte den Roller nicht für längere Strecken nutzen. Ein Roller mit 30 km Reichweite ist perfekt, wenn du zu Fuß oder mit dem Rad nur 10-15 Minuten vom Bahnhof entfernt wohnst. Dann nutzt du ihn als letzte Meile - und nicht als Ersatz für den Zug.
Reichweite ist kein Kaufkriterium - Nutzung ist es
Die meisten Leute kaufen einen Elektroroller, weil sie ihn für Strecken unter 20 km brauchen. Wenn du täglich 50 km fährst, ist ein Elektroroller die falsche Wahl. Ein E-Bike oder ein kleiner Elektroauto wie der Smart EQ ForFour ist ein kompaktes Elektroauto mit 160 km Reichweite und Platz für zwei Personen. Ein Elektroroller ist kein Autoersatz - er ist ein städtischer Fortbewegungshelfer. Er ist für den Weg zur U-Bahn, zur Bäckerei, zum Arzttermin. Nicht für die Fahrt nach Halle. Wenn du das verstehst, ist die Reichweite kein Problem - sondern ein klarer Vorteil: Du hast immer genug, aber nicht zu viel Gewicht oder Kosten.
Wie du deine Reichweite selbst testest
Willst du wissen, wie weit dein Roller wirklich kommt? Dann mach einen einfachen Test:
- Lade den Akku komplett auf - bis die Lampe grün leuchtet.
- Fahre eine typische Strecke, wie du sie jeden Tag fährst - mit deinem Gewicht, deiner Last, bei normaler Temperatur.
- Notiere die gefahrenen Kilometer, bis der Akku bei 10 % anzeigt.
- Multipliziere diesen Wert mit 1,1 - das ist deine realistische Reichweite.
Du wirst überrascht sein, wie viel weniger du schaffst, als du dachtest. Und du wirst auch wissen, wann du aufpassen musst - und wann du beruhigt losfahren kannst.
Wie viel kostet es, einen Elektroroller zu laden?
Ein typischer Elektroroller mit 500 Wh Akku verbraucht 0,5 kWh pro Ladung. Bei einem Strompreis von 0,35 €/kWh kostet eine volle Ladung knapp 18 Cent. Das ist weniger als ein Kaffee. Selbst bei 5 Lademöglichkeiten pro Woche kommen nur 1,80 € pro Woche zusammen - das ist der günstigste Motorantrieb überhaupt.
Kann man den Akku eines Elektrorollers ersetzen?
Ja - aber nicht immer einfach. Bei günstigen Modellen unter 500 € ist der Akku oft fest verbaut und nicht für Laien tauschbar. Teurere Modelle wie der Segway Ninebot MAX oder der EMOVE Cruiser haben austauschbare Akkus. Ein neuer Akku kostet zwischen 200 und 400 € - das ist fast ein Drittel des Neupreises. Deshalb lohnt sich der Kauf eines Rollers mit Wechselakku, wenn du ihn länger als drei Jahre nutzen willst.
Beeinflusst das Wetter die Reichweite?
Ja, sehr stark. Kälte reduziert die Akkuleistung, Regen erhöht den Widerstand, und Wind zehrt an der Energie. Ein Roller, der im Sommer 50 km schafft, kommt im Winter oft nur auf 30-35 km. Das ist normal. Du musst nicht den Roller wechseln - du musst nur deine Erwartungen anpassen. Führe im Winter eine Reserve von 20-30 % ein.
Ist ein Elektroroller mit höherer Reichweite immer besser?
Nein. Ein Roller mit 100 km Reichweite ist schwerer, teurer und braucht länger zum Laden. Wenn du nur 15 km pro Tag fährst, trägst du unnötiges Gewicht und zahlst für Kapazität, die du nie nutzt. Ein 40 km Roller wiegt oft 15 kg weniger und ist einfacher zu tragen - etwa zur U-Bahn oder ins Treppenhaus. Weniger ist oft mehr.
Was passiert, wenn der Akku leer ist?
Ein moderner Elektroroller schaltet den Motor ab, wenn der Akku leer ist - du kannst ihn aber noch schieben. Die meisten Modelle haben einen Rollmodus, der den Widerstand minimiert. Du kannst ihn also wie einen normalen Roller schieben - etwa bis zur nächsten Lademöglichkeit. Einige Modelle zeigen sogar an, wie viele Kilometer du noch schieben kannst. Es ist kein Absturz - es ist eine Abschaltung.