Ein E-Bike mit 750 Watt klingt nach Kraft, Geschwindigkeit und Freiheit. Aber ist das in Deutschland erlaubt? Viele Menschen denken, dass mehr Leistung automatisch besser ist - besonders wenn sie längere Strecken fahren, steile Hügel bewältigen oder schweres Gepäck tragen müssen. Doch die Wahrheit ist einfacher, als viele glauben: E-Bike mit 750 Watt ist in Deutschland nicht als normales E-Bike legal. Es fällt unter eine andere Kategorie - und das ändert alles.
Was ist ein E-Bike mit 750 Watt eigentlich?
Ein E-Bike mit 750 Watt hat einen Motor, der deutlich stärker ist als bei den meisten Fahrrädern, die du auf Straßen und Radwegen siehst. Die meisten E-Bikes in Deutschland haben einen Motor mit 250 Watt. Das ist der Standard, der von der EU-Verordnung vorgeschrieben ist. Bei diesem Motor hilft der Antrieb nur bis 25 km/h - und nur, wenn du selbst in die Pedale trittst. Das ist ein Pedelec.
Ein 750-Watt-Motor ist dagegen so stark, dass er nicht mehr als Unterstützung gilt, sondern als eigenständige Antriebskraft. Solche Motoren kommen oft bei sogenannten S-Pedelecs oder Elektro-Motorrädern vor. Sie können Geschwindigkeiten von 45 km/h erreichen - und das ist der entscheidende Unterschied.
Wie wird ein 750-Watt-E-Bike in Deutschland klassifiziert?
In Deutschland wird ein Fahrrad mit mehr als 250 Watt Leistung und einer Unterstützung bis 45 km/h als S-Pedelec (Schnellpedelec) eingestuft. Das ist kein normales E-Bike mehr. Es ist rechtlich ein Kleinkraftrad - also eine Art kleines Motorrad. Und das bedeutet: Du kannst es nicht einfach so fahren.
Ein S-Pedelec muss:
- eine Versicherungsplakette (Versicherungsnummer) tragen
- eine Zulassung haben (Kfz-Nummer)
- mit einem Helm gefahren werden (Pflicht)
- mit einem Führerschein der Klasse AM oder höher gefahren werden
- auf der Straße und nicht auf Radwegen fahren
Du kannst kein 750-Watt-E-Bike einfach auf dem Radweg nutzen, wie ein normales Pedelec. Du musst es wie ein Mofa behandeln - mit allen Regeln, die dazu gehören. Und das ist für viele Menschen ein großer Nachteil. Die Versicherung kostet jährlich zwischen 80 und 150 Euro. Die Zulassung kostet rund 30 Euro. Der Führerschein AM (für Mofas) kostet mindestens 800 Euro und erfordert eine theoretische und praktische Prüfung.
Was passiert, wenn du ein 750-Watt-E-Bike ohne Führerschein fährst?
Wenn du ein S-Pedelec mit 750 Watt ohne gültigen Führerschein, ohne Versicherung oder ohne Kennzeichen fährst, begehst du eine Ordnungswidrigkeit - und das ist kein kleiner Verstoß.
Die Strafen sind ernst:
- Ohne Versicherung: Bußgeld von mindestens 70 Euro, plus Verwarnung und mögliche Fahrzeugbeschlagnahmung
- Ohne Führerschein: Bußgeld bis zu 300 Euro, Punkte in Flensburg, und bei Wiederholung sogar Fahrverbot
- Ohne Kennzeichen: Bußgeld von 60 Euro, plus 1 Punkt
- Wenn du auf dem Radweg fährst: Bußgeld von 25 Euro, plus Gefahr für andere Radfahrer
Und das ist nur der Anfang. Wenn du bei einem Unfall mit einem solchen Fahrzeug beteiligt bist und keine Versicherung hast, haftest du persönlich - mit deinem gesamten Vermögen. Das kann dich finanziell ruinieren.
Warum gibt es diese Regeln?
Die Regeln existieren nicht, um dir das Leben schwer zu machen. Sie existieren, weil ein 750-Watt-E-Bike nicht mehr wie ein Fahrrad fährt. Es beschleunigt schneller, hält länger an, und bei 45 km/h ist die Bremsdistanz deutlich länger als bei 25 km/h. Ein Fahrrad mit 750 Watt kann in 3 Sekunden von 0 auf 40 km/h beschleunigen - das ist schneller als die meisten Mofas.
Im Jahr 2024 wurden in Deutschland über 1.200 Unfälle mit S-Pedelecs registriert. Fast die Hälfte davon geschah, weil Fahrer keine Erfahrung mit schnellen Fahrzeugen hatten. Viele dachten, sie könnten einfach wie mit einem normalen E-Bike fahren - und das war tödlich falsch.
Die Straßenverkehrsordnung (StVO) hat klare Regeln, weil die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer zählt. Ein 750-Watt-E-Bike gehört nicht auf den Radweg - es gehört auf die Straße. Und das ist kein Detail, das man ignorieren kann.
Was ist die Alternative zu einem 750-Watt-E-Bike?
Du brauchst nicht unbedingt 750 Watt, um steile Hügel zu bewältigen oder lange Strecken zu fahren. Moderne 250-Watt-Motoren mit hohem Drehmoment (z. B. Bosch Performance Line, Shimano EP8, Yamaha PW-X3) sind viel effizienter, als viele denken.
Ein E-Bike mit 250 Watt und einem guten Drehmoment von 85 Nm kann dich problemlos mit 80 kg Gepäck und einem Bergsteiger auf 20 % Steigung bringen. Der Motor unterstützt dich bis 25 km/h - und das ist mehr als genug für die meisten Alltagsfahrten. In Leipzig, wo viele Straßen steil sind, fahren Tausende mit solchen Modellen - ohne Führerschein, ohne Versicherung, ohne Kennzeichen.
Wenn du wirklich mehr Leistung brauchst, gibt es auch E-Bikes mit 500 Watt - aber auch diese sind nur legal, wenn sie auf 25 km/h begrenzt sind. Die Leistung allein zählt nicht. Es geht um die Geschwindigkeitsbegrenzung. Ein 500-Watt-Motor, der nur bis 25 km/h hilft, ist völlig legal. Ein 250-Watt-Motor, der bis 45 km/h hilft, ist illegal.
Was passiert mit importierten E-Bikes aus dem Ausland?
Viele Menschen kaufen E-Bikes aus den USA, China oder den Niederlanden - oft weil sie günstiger sind. Aber wenn das E-Bike mit 750 Watt ausgeliefert wird und keine deutsche Zulassung hat, ist es in Deutschland nicht fahrbar - egal wie gut es aussieht.
Ein E-Bike, das in den USA verkauft wird, muss nicht den europäischen Normen entsprechen. Es hat kein CE-Zeichen, keine Typgenehmigung, keine Prüfnummer. Selbst wenn du den Motor auf 25 km/h begrenzt, bleibt das Gerät rechtswidrig, wenn es nicht für den europäischen Markt zugelassen ist.
Einige Händler versprechen, sie könnten den Motor „umprogrammieren“. Das ist illegal. Die Software-Änderung an einem E-Bike, um die Geschwindigkeitsbegrenzung zu deaktivieren, ist eine Straftat. Du kannst damit nicht nur Bußgelder bekommen - du riskierst auch die Versicherung. Wenn du einen Unfall hast und die Versicherung herausfindet, dass der Motor manipuliert wurde, zahlt sie nichts.
Was solltest du tun, wenn du ein 750-Watt-E-Bike hast?
Wenn du bereits ein solches Fahrzeug besitzt, hast du drei Optionen:
- Es legalisieren: Du lässt es als S-Pedelec zulassen, holst dir einen Führerschein, versicherst es und fährst nur auf der Straße. Das ist teuer, aber legal.
- Es umbauen: Du lässt den Motor durch einen 250-Watt-Motor ersetzen, der auf 25 km/h begrenzt ist. Das ist teurer als ein neues E-Bike, aber du behältst den Rahmen.
- Es verkaufen: Du verkaufst es an jemanden, der in einem Land lebt, wo 750-Watt-E-Bikes erlaubt sind - oder du gibst es als Ersatzteil weiter.
Keine der Optionen ist einfach. Aber die falsche - einfach weiterfahren - ist die gefährlichste.
Wie erkennst du, ob ein E-Bike legal ist?
Beim Kauf eines E-Bikes prüfe immer:
- Die maximale Unterstützungs-Geschwindigkeit: Sie muss 25 km/h betragen (nicht mehr)
- Die Motorleistung: Sie muss 250 Watt oder weniger betragen
- Das CE-Zeichen: Es muss auf dem Fahrrad oder im Handbuch stehen
- Die Typgenehmigung: Suche nach der ECE-R120-Nummer oder dem deutschen Prüfzeichen
- Die Bedienungsanleitung: Sie muss auf Deutsch sein und klar sagen, dass es ein Pedelec ist
Wenn du unsicher bist, frage den Händler direkt: „Ist dieses E-Bike nach EU-Norm EN 15194 zugelassen?“ Wenn er zögert oder sagt „Das ist nur für den amerikanischen Markt“, dann lass es.
Was ist mit E-Bikes mit 1000 Watt oder mehr?
Ein 1000-Watt-E-Bike ist in Deutschland noch weniger legal als ein 750-Watt-Modell. Solche Fahrzeuge fallen unter das Kraftfahrzeugrecht - sie sind Elektro-Motorräder. Du brauchst einen Führerschein der Klasse A1 oder A, eine Versicherung, ein Kennzeichen, einen Helm, und du darfst nur auf der Straße fahren. Die Kosten liegen bei über 2000 Euro jährlich - und das für ein Fahrzeug, das du nicht auf dem Radweg nutzen kannst.
Es gibt keine Ausnahme. Kein Polizist, kein Händler, kein Internetforum kann dir das verbieten - das Gesetz ist klar. Und wer behauptet, er hätte einen „legalen Trick“, lügt.
Frequently Asked Questions
Kann ich ein 750-Watt-E-Bike ohne Führerschein fahren, wenn ich es auf 25 km/h begrenze?
Nein. Selbst wenn du die Geschwindigkeit manuell auf 25 km/h begrenzt, ist das Fahrzeug rechtlich nicht als E-Bike zugelassen, wenn es ursprünglich für 45 km/h ausgelegt ist. Die Zulassung basiert auf der Konstruktion, nicht auf der Einstellung. Ein solches E-Bike muss als S-Pedelec zugelassen werden - mit Führerschein, Versicherung und Kennzeichen.
Ist ein 500-Watt-E-Bike legal in Deutschland?
Ja, wenn die Unterstützung nur bis 25 km/h reicht und der Motor nach der EU-Norm EN 15194 zugelassen ist. Die Leistung allein zählt nicht - es geht um die Geschwindigkeitsbegrenzung. Ein 500-Watt-Motor mit 25 km/h-Hilfe ist legal und erlaubt auf Radwegen.
Was kostet die Zulassung für ein 750-Watt-E-Bike?
Die Zulassung kostet etwa 30 Euro. Die Versicherung liegt zwischen 80 und 150 Euro pro Jahr. Hinzu kommt der Führerschein AM, der mindestens 800 Euro kostet. Insgesamt investierst du über 900 Euro, um ein 750-Watt-E-Bike legal zu nutzen - und das, obwohl ein normales E-Bike für unter 1000 Euro zu kaufen ist.
Darf ich ein 750-Watt-E-Bike auf dem Radweg fahren?
Nein. Ein 750-Watt-E-Bike ist kein Fahrrad, sondern ein Kleinkraftrad. Du darfst es nur auf der Straße fahren - niemals auf Radwegen, Radfahrstreifen oder gemeinsamen Geh- und Radwegen. Das ist nicht nur verboten, sondern auch extrem gefährlich für andere Radfahrer.
Gibt es Ausnahmen für Menschen mit Behinderung?
Ja, es gibt Ausnahmen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Wenn du einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „aG“ (außergewöhnliche Gehbehinderung) hast, kannst du ein sogenanntes „Begleitfahrzeug“ mit bis zu 1000 Watt nutzen - aber nur mit Genehmigung des Straßenverkehrsamts und unter strengen Auflagen. Das ist keine Regelung für alle, sondern eine Sonderregel für Betroffene.