Ein E-Scooter ist nicht für jeden sinnvoll - aber für viele schon
Stell dir vor, du stehst morgens vor dem Bahnhof in Leipzig, hast 15 Minuten bis zum Zug, und der letzte Bus ist schon abgefahren. Du hast keinen Radkoffer, kein Auto, und der Fußweg ist zu weit. In diesem Moment wäre ein E-Scooter nicht nur praktisch - er wäre dein Rettungsring. Aber ist das der Normalfall? Oder ist ein E-Scooter nur ein teures Spielzeug für Leute, die keine Lust haben, zu laufen?
Die Antwort ist nicht einfach Ja oder Nein. Es hängt davon ab, wo du wohnst, wie du unterwegs bist, und was du wirklich brauchst. In Städten wie Leipzig, Berlin oder Köln kann ein E-Scooter dein tägliches Leben einfacher machen. In kleineren Orten oder auf dem Land? Da wird er schnell zur Belastung.
Was ein E-Scooter wirklich kann - und was nicht
Ein moderner E-Scooter wie der Xiaomi Mi Electric Scooter Pro 2 oder der Dualtron Thunder läuft mit einem Akku, der zwischen 30 und 60 Kilometer reicht. Die meisten Modelle schaffen 20 bis 25 km/h - mehr als du mit dem Fahrrad in der Stadt oft fährst, weil du an Ampeln und Fußgängern warten musst. Und du brauchst keinen Helm, keinen Schlüssel, keine Versicherung - nur eine Versicherungskennzeichnung, die du online bekommst.
Du kannst ihn im Treppenhaus abstellen, mit ins Büro nehmen, in den Supermarkt tragen. Kein Schloss nötig, kein Platzproblem. Im Gegensatz zum E-Bike, das schwer ist und oft an der Straße steht, lässt sich ein E-Scooter in jeder Ecke verstecken. Das ist der größte Vorteil: Flexibilität.
Aber er kann nicht alles. Bei Regen wirst du nass. Bei Schnee oder Eis wird er rutschig und gefährlich. Er ist kein Ersatz fürs Auto, wenn du Kinder, Einkäufe oder Werkzeug transportieren musst. Und er ist keine Lösung, wenn du 15 Kilometer zur Arbeit fährst - da wird der Akku leer, bevor du ankommt.
Die Vorteile: Warum viele in Deutschland damit zufrieden sind
- Keine Parkplatzprobleme: Du stellst ihn einfach neben den Fahrradständer. Keine Gebühren, keine Wartezeiten.
- Schnell unterwegs: In der Stadt kannst du mit einem E-Scooter oft schneller sein als mit dem Auto - besonders bei Stau.
- Kostengünstig: Ein guter E-Scooter kostet zwischen 400 und 800 Euro. Die Betriebskosten? Etwa 0,02 Euro pro Kilometer - das ist zehnmal günstiger als ein Auto.
- Umweltfreundlich: Er verbraucht keinen Benzin, stößt keine Abgase aus und ist leise. Selbst wenn der Strom aus Kohlekraft kommt, ist sein CO2-Fußabdruck kleiner als der eines Autos.
- Keine Führerscheinpflicht: Du brauchst keinen Führerschein, keine Prüfung, keine jährliche Hauptuntersuchung.
Ein Freund von mir in Dresden nutzt seinen E-Scooter jeden Tag zur Bahnstation - 2,3 Kilometer. Er spart 18 Minuten pro Fahrt. Das sind fast zwei Stunden pro Woche. Und er hat seit zwei Jahren keine Parkgebühr mehr gezahlt. Für ihn ist es kein Luxus - es ist eine logische Lösung.
Die Nachteile: Wo es wirklich schwierig wird
- Wetterabhängigkeit: Regen, Schnee, Eis - das macht den E-Scooter zur Last. Die Bremsen werden schlecht, die Reifen rutschen, der Akku verliert Leistung.
- Keine Sicherheit: Du bist nicht geschützt. Bei einem Sturz auf Asphalt bist du verletzt. Viele Städte haben keine speziellen Radwege für E-Scooter - du musst auf der Straße fahren, neben Autos.
- Ständige Wartung: Reifen müssen aufgepumpt werden, Bremsen nachgestellt, Akkus nach zwei Jahren ausgetauscht. Ein Akku kostet 150 bis 250 Euro - das ist fast ein Viertel des Neupreises.
- Diebstahl: Obwohl er leicht zu tragen ist, wird er oft gestohlen. Ein gutes Schloss hilft, aber es gibt keine 100%ige Sicherheit.
- Keine Transportfähigkeit: Du kannst ihn nicht einfach im Auto mitnehmen. Kein Kofferraum, kein Dachträger. Wenn du mal raus aus der Stadt willst, ist er nutzlos.
Ich kenne jemanden, der seinen E-Scooter drei Monate lang jeden Tag genutzt hat - dann hat er ihn abgestellt. Warum? Weil er im Winter ständig die Reifen wechseln musste, weil sie platt waren. Und als er mal mit dem Zug in die Berge fahren wollte, musste er ihn zu Hause lassen. Für ihn war er kein Alltags-Helfer - er war eine lästige Pflicht.
Wer profitiert wirklich - und wer sollte lieber darauf verzichten?
Ein E-Scooter ist sinnvoll, wenn du:
- in einer Stadt mit guter Infrastruktur lebst (z. B. Leipzig, München, Hamburg)
- kürzere Strecken zwischen Wohnung, Bahn, Arbeit oder Einkaufen zurücklegst (unter 5 km)
- kein Auto hast und kein E-Bike brauchst (weil du nicht viel tragen musst)
- bereit bist, ihn bei schlechtem Wetter stehen zu lassen
- ein paar Euro im Jahr für Wartung und Ersatzteile ausgeben willst
Er ist nicht sinnvoll, wenn du:
- auf dem Land lebst und 10+ Kilometer zur Arbeit fährst
- regelmäßig mit Kindern, Einkäufen oder Werkzeug unterwegs bist
- im Winter oft Schnee und Eis hast
- kein Vertrauen in deine Balance oder Fahrkünste hast
- lieber etwas stabileres und sichereres willst - dann nimm ein E-Bike
Was du wissen musst, bevor du kaufst
Ein E-Scooter ist kein Billigprodukt - aber auch kein Luxusgut. Du solltest mindestens 500 Euro investieren. Modelle unter 300 Euro haben schwache Motoren, schlechte Akkus und brechen oft nach einem Jahr.
Wichtig sind diese drei Dinge:
- Akku-Leistung: Mindestens 30 km Reichweite. Bei 40 km ist es besser.
- Reifen: Luftreifen sind komfortabler, aber anfällig. Gummireifen halten länger, sind aber härter.
- Bremsen: Doppelte Bremsen (elektrisch + mechanisch) sind Pflicht. Nur elektrisch reicht nicht.
Und vergiss nicht: Du brauchst eine Haftpflichtversicherung. Die kostet etwa 40 Euro pro Jahr. Ohne Kennzeichen darfst du nicht fahren - und das bekommst du nur, wenn du den Scooter bei der Zulassungsstelle registrierst.
Ein E-Scooter als Ergänzung - nicht als Ersatz
Die meisten, die ihn richtig nutzen, haben ihn nicht als Hauptverkehrsmittel, sondern als Ergänzung. Sie nehmen ihn zur Bahn, zur U-Bahn, zum Supermarkt. Sie nutzen ihn, wenn sie keine Zeit haben zu warten, aber nicht genug Geld für ein Taxi ausgeben wollen.
Er ist kein Autoersatz. Er ist kein Fahrradersatz. Er ist ein kleiner, schneller Helfer für die letzten Meter - und das ist mehr, als viele denken.
Wenn du in der Stadt lebst, wenig Geld ausgeben willst und dich nicht fürchten musst, wenn es regnet - dann ist er sinnvoll. Wenn nicht, dann sparen dir die 600 Euro und nimm ein E-Bike. Es ist stabiler, sicherer und hält länger.
Was kommt als Nächstes?
2026 wird es in vielen deutschen Städten neue Regeln geben. Einige Städte planen, E-Scooter von Gehwegen zu verbannen. Andere wollen spezielle Lade- und Parkzonen einrichten. Die Versicherungspflicht wird strenger kontrolliert. Wer jetzt einen E-Scooter kauft, sollte darauf achten, dass er den neuen Vorschriften entspricht - sonst wird er bald unbrauchbar.
Die Technik wird besser. Die Akkus halten länger. Die Reifen werden schmutzresistenter. Aber die Infrastruktur hält nicht mit. Das ist der größte Haken.
Ist ein E-Scooter in Deutschland legal?
Ja, aber nur mit Versicherungskennzeichen und Haftpflichtversicherung. Seit 2019 dürfen E-Scooter auf Radwegen und Straßen mit bis zu 50 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung fahren. Gehwege sind verboten, außer in ausgewiesenen Zonen. Du musst mindestens 14 Jahre alt sein. Ohne Kennzeichen oder Versicherung riskierst du ein Bußgeld von bis zu 70 Euro.
Wie lange hält ein E-Scooter-Akku?
Ein guter Akku hält etwa 500 bis 800 Ladezyklen. Das entspricht 2 bis 4 Jahren bei täglicher Nutzung. Nach dieser Zeit hat er nur noch 70-80 % seiner ursprünglichen Kapazität. Ein neuer Akku kostet zwischen 150 und 250 Euro - das ist ein wesentlicher Teil der Gesamtkosten.
Kann ich einen E-Scooter mit dem Fahrradkoffer transportieren?
Nein, das ist nicht möglich. Ein E-Scooter wiegt zwischen 12 und 20 Kilo und ist zu groß für die meisten Fahrradkoffer. Einige Modelle sind faltbar - aber selbst dann passt er nicht in einen Standard-Koffer. Du musst ihn entweder tragen, in den Zug mitnehmen oder an einem sicheren Ort abstellen.
Sind E-Scooter im Winter sinnvoll?
Nur bedingt. Bei Schnee und Eis sind die Reifen rutschig, die Bremsen weniger effektiv und der Akku verliert bis zu 40 % seiner Leistung. In Norddeutschland oder in Gebirgsregionen ist ein E-Scooter im Winter oft unbrauchbar. Viele Nutzer stellen ihn dann einfach ab und nutzen ihn erst wieder im Frühjahr.
Was ist besser: E-Scooter oder E-Bike?
Das hängt von deiner Strecke ab. Bei unter 5 km und in der Stadt ist der E-Scooter schneller und leichter zu transportieren. Bei längeren Strecken, mit Einkäufen oder bei schlechtem Wetter ist das E-Bike deutlich besser. Es hat einen Sitz, größere Reifen, mehr Stabilität und höhere Reichweite. Ein E-Bike ist teurer, aber auch langlebiger und sicherer.