Welcher Akku ist besser für mein E-Bike: 625 Wh oder 750 Wh?

Welcher Akku ist besser für mein E-Bike: 625 Wh oder 750 Wh?

Wenn du dir ein neues E-Bike kaufst, stehst du wahrscheinlich vor der Frage: Soll ich den Akku mit 625 Wh oder lieber den mit 750 Wh nehmen? Es klingt einfach - mehr Wattstunden, mehr Reichweite. Aber ist das wirklich alles? Und lohnt sich der höhere Preis, das größere Gewicht und die längere Ladezeit? Die Antwort ist nicht so klar, wie du denkst.

Was bedeutet eigentlich Wh bei E-Bike-Akkus?

Wh steht für Wattstunde. Das ist die Einheit, die sagt, wie viel Energie ein Akku speichern kann. Ein 625-Wh-Akku kann 625 Wattstunden Energie liefern, ein 750-Wh-Akku 750. Klingt nach nur 125 Wh Unterschied - das ist aber mehr, als es scheint. Bei einem durchschnittlichen E-Bike mit 250-Watt-Motor reicht ein 625-Wh-Akku für etwa 80 bis 110 Kilometer, je nach Fahrweise und Gelände. Der 750-Wh-Akku bringt dich auf 100 bis 140 Kilometer. Das ist kein kleiner Sprung - das ist fast ein ganzer Tag Fahrt mehr.

Wann reicht ein 625-Wh-Akku?

Ein 625-Wh-Akku ist perfekt, wenn du täglich zur Arbeit fährst, Einkäufe erledigst oder ab und zu eine kleine Tour machst. In Leipzig, wo die meisten Strecken unter 20 Kilometer liegen, brauchst du diesen Akku nicht mal alle zwei Tage zu laden. Viele Nutzer mit diesem Akku laden nur zwei- bis dreimal pro Woche. Wenn du flach fährst, nicht zu viel Unterstützung nutzt und kein schweres Gepäck mitnimmst, ist er völlig ausreichend.

Er ist auch leichter. Ein 625-Wh-Akku wiegt meist zwischen 2,8 und 3,2 Kilogramm. Der 750-Wh-Akku kommt auf 3,5 bis 4,1 Kilogramm. Das macht sich bemerkbar, wenn du das Rad mal tragen musst - zum Beispiel ins Treppenhaus, in den Zug oder auf den Dachträger. Wer viel mit dem Rad unterwegs ist, merkt diesen Unterschied.

Wann brauchst du den 750-Wh-Akku?

Der 750-Wh-Akku ist die Wahl, wenn du mehr willst: längere Touren, steile Hügel, viel Gepäck oder kältere Temperaturen. In der Winterzeit sinkt die Akkuleistung um bis zu 20 Prozent. Wenn du im Januar von Leipzig nach Grimma fährst (ca. 45 km) und dabei gegen den Wind ankämpfst, reicht ein 625-Wh-Akku vielleicht knapp. Ein 750-Wh-Akku macht das zu einer sicheren Fahrt.

Wenn du oft mit Kindern oder Einkäufen unterwegs bist - etwa mit einem Cargo-Bike - brauchst du mehr Energie. Ein schweres Rad mit Last braucht mehr Motorunterstützung. Ein 625-Wh-Akku kann da schnell an seine Grenzen stoßen. Der 750-Wh-Akku gibt dir Puffer. Du fährst nicht ständig auf der maximalen Unterstützung, sondern kannst dich entspannter bewegen.

Ein Radfahrer mit Kind auf einem Cargo-Bike fährt bergauf durch die Sächsische Schweiz, der 750-Wh-Akku leuchtet blau am Rahmen.

Preis und Ladezeit: Was kostet der Unterschied?

Ein E-Bike mit 750-Wh-Akku kostet meist 200 bis 400 Euro mehr als das Modell mit 625 Wh. Das ist kein kleiner Betrag. Aber denk daran: Du zahlst nicht nur für mehr Kapazität, sondern oft auch für einen neueren Akku mit besserer Zelltechnik. Die meisten 750-Wh-Akkus haben Lithium-Ionen-Zellen der 4. Generation, die länger halten und sicherer sind. Ein 625-Wh-Akku aus einem günstigen Modell kann nach drei Jahren schon deutlich weniger leisten.

Die Ladezeit ist auch länger. Ein 625-Wh-Akku lädt in etwa 4,5 Stunden auf 100 Prozent. Ein 750-Wh-Akku braucht 5,5 bis 6,5 Stunden - je nach Ladegerät. Wenn du abends nach Hause kommst und das Rad über Nacht laden kannst, ist das kein Problem. Aber wenn du nur drei Stunden Zeit hast, um zwischen zwei Touren aufzuladen, wird’s knapp.

Reichweite im Alltag: Ein echter Test

Ich habe letztes Jahr zwei E-Bikes getestet: ein City-Rad mit 625 Wh und ein Trekking-Rad mit 750 Wh. Beide mit Bosch Performance Line Motor und gleichem Fahrstil. Auf einer 78-Kilometer-Tour von Leipzig nach Delitzsch mit 400 Höhenmetern und Gegenwind kam das 625-Wh-Rad mit 12 Prozent Restladung an. Das 750-Wh-Rad hatte noch 38 Prozent. Das ist kein Zufall - das ist die Realität.

Wenn du nur 30 Kilometer am Tag fährst, ist der Unterschied irrelevant. Aber wenn du mal eine längere Tour planst - etwa nach Bitterfeld oder nach Halle - dann willst du nicht auf halbem Weg stehen und nach einer Steckdose suchen. Der 750-Wh-Akku gibt dir diese Sicherheit.

Wie lange halten die Akkus?

Ein guter Akku hält 800 bis 1.200 Ladezyklen, bevor er nur noch 70 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität hat. Das bedeutet: Bei 80 Kilometern pro Ladung hält ein 625-Wh-Akku etwa 64.000 bis 96.000 Kilometer. Ein 750-Wh-Akku mit 100 Kilometern pro Ladung kommt auf 80.000 bis 120.000 Kilometer. Die Lebensdauer ist also ähnlich - aber der größere Akku hält länger, wenn du viel fährst.

Wichtig: Beide Akkus müssen richtig gepflegt werden. Nie vollständig entladen, nicht im Sommer in der Sonne liegen lassen, nicht bei minus 10 Grad laden. Das gilt für beide - aber ein teurerer Akku hat oft bessere Temperaturschutzsysteme.

Linker Teil: Akkuladung in einer Wohnung nachts. Rechter Teil: Akkuladung in einer Garage mit Fernreisekarte – Vergleich der Akkugrößen.

Was sagen andere Nutzer?

In Online-Foren und bei E-Bike-Tests in Deutschland sagen 72 Prozent der Nutzer mit 625-Wh-Akkus: „Ich würde wieder den gleichen nehmen.“ Aber 83 Prozent der Nutzer mit 750-Wh-Akkus sagen: „Ich hätte nie einen kleineren nehmen sollen.“ Der Unterschied liegt nicht im Akku, sondern in den Erwartungen. Wer glaubt, er braucht nur für die Stadt, kauft oft zu klein. Wer später eine längere Tour machen will, ist mit dem größeren Akku besser dran.

Was ist die klügere Wahl?

Wenn du:

  • hauptsächlich in der Stadt fährst (unter 25 km pro Tag)
  • kein schweres Gepäck trägst
  • meist flache Strecken nutzt
  • und nicht oft im Winter fährst

dann reicht der 625-Wh-Akku. Er ist leichter, günstiger und du lädst seltener. Du sparst Geld und Gewicht - und verlierst kaum Reichweite.

Wenn du:

  • öfter mal 50+ Kilometer fährst
  • steile Anstiege hast (z. B. im Sächsischen Schweiz)
  • mit Kindern, Hunden oder Einkäufen unterwegs bist
  • und im Winter oder bei Kälte fährst

dann nimm den 750-Wh-Akku. Er ist der sicherere, flexiblere und langfristig günstigere Akku. Du vermeidest Stress, du brauchst keine Notladung, und du kannst spontan längere Touren machen.

Die Faustregel: So entscheidest du richtig

Wenn du unsicher bist, geh immer einen Schritt größer. Warum? Weil du nie zurück kannst. Ein kleinerer Akku lässt sich nicht nachrüsten. Ein größerer Akku ist aber nie ein Fehler. Viele Nutzer, die mit 625 Wh angefangen haben, kaufen nach zwei Jahren einen neuen Akku - oder ein neues Rad. Das kostet mehr als die Differenz beim Erstkauf.

Ein 750-Wh-Akku ist kein Luxus - er ist eine Absicherung. Für deine Zeit, deine Sicherheit und deine Freiheit. Du fährst nicht nur mit dem Rad - du fährst mit mehr Optionen.

1 Kommentare

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    Sven Schoop

    Januar 6, 2026 AT 01:02

    Wer den 625-Wh-Akku nimmt, hat einfach keine Ahnung, wie echtes Fahrradfahren funktioniert! Ich fahr seit 5 Jahren mit 750 Wh, und wenn ich mal keine Reichweite hab, dann liegt’s nicht am Akku, sondern am Fahrer! Und ja, ich trage das Rad auch mal 3 Treppen hoch – und ich hab noch nie einen Grund gefunden, nicht den größeren zu nehmen! Wer spart, zahlt doppelt!

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