Ein E-Scooter klingt wie die perfekte Lösung für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Treffen mit Freunden - günstig, flexibel, umweltfreundlich. Aber wie viel kostet er wirklich, wenn du ihn jeden Tag nutzt? Viele denken, der Kaufpreis ist die größte Ausgabe. Tatsächlich sind die laufenden Kosten oft überraschend hoch - und sie summieren sich schneller, als du denkst.
Stromkosten: Weniger als ein Kaffee pro Tag
Der Strom für deinen E-Scooter ist mit Abstand die günstigste Position in der Kostenrechnung. Ein typischer E-Scooter mit 36-Volt-Batterie und 500 Wh Kapazität verbraucht bei einer vollen Ladung etwa 0,5 kWh. In Deutschland kostet ein Kilowattstunde im Durchschnitt 0,35 Euro - also rund 18 Cent pro Ladung.
Wenn du täglich 15 Kilometer fährst, musst du etwa alle zwei bis drei Tage laden. Das macht im Monat etwa 12 Ladungen. Also: 12 × 0,18 Euro = 2,16 Euro. Das ist weniger als ein Kaffee pro Woche. Selbst wenn du wöchentlich 100 Kilometer fährst, bleibst du unter 5 Euro Stromkosten im Monat.
Versicherung: Pflicht - und teurer als gedacht
Seit 2019 ist eine Haftpflichtversicherung für E-Scooter in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Das ist kein Extra, das du weglassen kannst - und es ist auch kein Schnäppchen. Die günstigsten Tarife beginnen bei 35 Euro pro Jahr, aber die meisten Anbieter verlangen 50 bis 70 Euro. Wenn du eine Teilkasko oder Vollkasko willst, steigen die Kosten auf 120 bis 200 Euro pro Jahr.
Warum so viel? E-Scooter sind klein, schnell und oft ungesichert. Die Versicherer rechnen mit hohen Schadensraten: Stürze, Kollisionen, Diebstahl. In Leipzig wurden 2024 über 1.200 E-Scooter gestohlen - ein Anstieg von 40 % gegenüber 2023. Eine Versicherung ohne Diebstahlschutz ist fast sinnlos. Du musst also mit mindestens 60 Euro im Jahr rechnen - das sind 5 Euro pro Monat.
Wartung und Reparaturen: Die unsichtbaren Kosten
Ein E-Scooter hat weniger Teile als ein Auto - aber die, die da sind, sind empfindlich. Reifen, Bremsen, Motor und Batterie sind die Hauptverschleißteile. Gummireifen müssen alle 1.500 bis 3.000 Kilometer gewechselt werden. Ein neues Reifenset kostet 30 bis 60 Euro. Wenn du 5.000 Kilometer im Jahr fährst, musst du alle zwei Jahre neue Reifen kaufen - also etwa 20 Euro pro Jahr.
Bremsen sind noch teurer. Scheibenbremsen halten länger, aber wenn sie versagen, kostet eine Reparatur 80 bis 150 Euro. Die meisten günstigen E-Scooter haben Drum-Bremsen - die halten weniger und müssen öfter gewartet werden. Eine professionelle Inspektion bei einem Fahrradladen kostet 30 Euro. Empfehlenswert: einmal pro Jahr, besonders vor dem Winter.
Die Batterie ist der größte Kostenfaktor. Sie hat eine Lebensdauer von etwa 500 bis 800 Ladezyklen. Bei einer täglichen Nutzung von 15 Kilometern kommt das auf 3 bis 5 Jahre. Eine neue Batterie kostet zwischen 150 und 300 Euro - je nach Modell. Das ist kein Kleingeld. Wenn du nach drei Jahren deine Batterie ersetzen musst, ist das fast so viel wie ein neuer E-Scooter.
Zubehör und Sicherheit: Nicht optional
Es ist gesetzlich vorgeschrieben: Du brauchst eine Klingel, ein Licht und einen Rückspiegel. Aber das reicht nicht. Ein Helm schützt dich - und viele Krankenkassen verlangen ihn sogar bei Unfällen, sonst zahlen sie nicht den vollen Anteil. Ein guter Helm kostet 50 bis 100 Euro. Eine Fahrradkette oder ein schwer zu knackendes Schloss (mindestens 100 Euro) ist unerlässlich, besonders in Städten wie Leipzig oder Berlin.
Wenn du im Winter fährst, brauchst du Winterreifen oder Reifen mit Profil. Die kosten 40 bis 70 Euro. Ein Regenschutz für den Akku? Nicht nötig - aber wenn du ihn nicht abnimmst, kann er bei Nässe beschädigt werden. Das kostet dann 200 Euro Ersatz. Sicherheit ist keine Option. Es ist ein Teil der Kosten.
Steuern und Gebühren: Keine - aber …
Glücklicherweise gibt es keine Kfz-Steuer für E-Scooter. Auch keine Umweltplakette oder Zulassungsgebühr. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Autos oder Motorrädern. Aber: In einigen Städten wie München oder Köln gibt es Parkgebühren für E-Scooter auf bestimmten Zonen. In Leipzig ist das bisher nicht der Fall - aber das könnte sich ändern. Halte die Augen offen.
Was kostet ein E-Scooter wirklich pro Monat?
Jetzt rechnen wir zusammen:
- Strom: 2 Euro
- Versicherung: 5 Euro
- Wartung & Reifen: 5 Euro
- Zubehör (Helm, Schloss): 3 Euro (durchschnittlich über 12 Monate)
- Batteriewechsel (auf 3 Jahre verteilt): 8 Euro
Das macht 23 Euro pro Monat - und das ist nur die Grundlage. Wenn du öfter fährst, mehr Schäden hast oder eine teurere Versicherung nimmst, steigt der Betrag leicht auf 30 bis 35 Euro. Vergleich das mit einem Monatsticket für den ÖPNV: In Leipzig kostet das 55 Euro. Dein E-Scooter ist günstiger - aber nur, wenn du ihn gut pflegst.
Was du vermeiden solltest
Vermeide billige E-Scooter unter 300 Euro. Die haben oft schwache Batterien, schlechte Bremsen und keine Garantie. Wenn der Motor nach sechs Monaten stirbt, ist der Ersatz teurer als ein neuer Scooter. Kaufe lieber Marken wie Xiaomi, Segway, Inokim oder Dualtron - sie haben bessere Teile und längere Garantiezeiten (mindestens 2 Jahre).
Vermeide auch das Laden über Nacht. Die Batterie hält länger, wenn du sie nicht vollständig entlädst und nicht ständig auf 100 % lädst. Lade sie auf 80 % und lass sie nicht mehr als 24 Stunden am Ladegerät. Das verlängert die Lebensdauer um bis zu 30 %.
Wie du die Kosten senken kannst
- Teile den E-Scooter mit einem Mitbewohner oder Freund - teile die Versicherung und Wartung.
- Kaufe gebrauchte E-Scooter von vertrauenswürdigen Händlern - sie haben oft noch Garantie und sind 30 % günstiger.
- Vermeide schlechte Straßen: Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher und Schnee beschädigen Reifen und Fahrwerk.
- Reinige den Scooter regelmäßig - Schmutz und Salz zerstören die Elektronik.
Ein E-Scooter ist kein Spielzeug. Er ist ein Fahrzeug - und wie jedes Fahrzeug braucht er Pflege. Wenn du ihn richtig behandelst, hält er fünf Jahre oder länger. Und dann hast du nicht nur Geld gespart - du hast auch die Stadt besser kennengelernt.
Kann ich meinen E-Scooter auch in der Wohnung laden?
Ja, du kannst deinen E-Scooter in der Wohnung laden - aber mit Vorsicht. Die Batterie sollte nicht auf dem Bett, unter dem Sofa oder in einer engen Ecke stehen. Lade sie an einem trockenen, gut belüfteten Ort, fern von brennbaren Materialien. Viele Brandfälle passieren, weil Akkus in engen Räumen überhitzen. Ein Flur oder eine Garage ist ideal.
Ist ein E-Scooter wirklich günstiger als das Auto?
Absolut. Ein Auto kostet in Deutschland im Durchschnitt 400 bis 600 Euro pro Monat - inklusive Versicherung, Kraftstoff, Wartung, Steuer und Parken. Ein E-Scooter kommt auf 20 bis 35 Euro. Selbst wenn du ihn nur zwei- bis dreimal pro Woche nutzt, sparst du 300 Euro im Monat. Die einzige Grenze: du kannst damit nicht die ganze Familie transportieren oder bei Schnee und Eis fahren.
Was passiert, wenn ich ohne Versicherung fahre?
Du riskierst ein Bußgeld von mindestens 40 Euro - und das ist nur der Anfang. Wenn du in einen Unfall verwickelt bist, haftest du persönlich für alle Schäden. Das kann schnell 10.000 Euro oder mehr kosten. Die Polizei kontrolliert immer häufiger die Versicherungsplakette. Ohne sie darfst du nicht auf öffentlichen Straßen fahren - auch nicht auf Radwegen.
Wie erkenne ich eine gute E-Scooter-Batterie?
Schau auf die Kapazität in Wattstunden (Wh) und die Anzahl der Ladezyklen. Eine gute Batterie hat mindestens 500 Wh und 800 Zyklen. Marken wie Samsung, LG oder Panasonic sind zuverlässiger als unbekannte Hersteller. Achte auch auf die Garantie: Mindestens zwei Jahre für die Batterie sind Standard bei seriösen Herstellern. Wenn jemand nur ein Jahr Garantie gibt, ist das ein Warnsignal.
Sind E-Scooter im Winter sinnvoll?
Im Winter wird die Reichweite um 20 bis 40 % reduziert - die Batterie mag Kälte nicht. Außerdem sind Straßen glatt, und viele E-Scooter haben keine Winterreifen. Wenn du trotzdem fahren willst, nutze breitere Reifen, fahre langsamer und lade den Akku im Warmen. Einige Nutzer in Leipzig schalten im Winter auf den ÖPNV um - und das ist völlig in Ordnung. Du musst nicht jeden Tag fahren.