Was ist beim Roller fahren zu beachten? Sicherheit, Gesetze und Praxis-Tipps für Elektroroller in Deutschland

Was ist beim Roller fahren zu beachten? Sicherheit, Gesetze und Praxis-Tipps für Elektroroller in Deutschland

Ein Elektroroller ist praktisch, schnell und günstig - aber nur, wenn du weißt, was du tust. Viele fahren los, als wäre es ein Fahrrad mit Motor, und landen schnell in Ärger - mit der Polizei, mit der Versicherung oder mit einem Unfall. Das muss nicht sein. In Deutschland gibt es klare Regeln, und die zu kennen, macht dich nicht nur legal, sondern auch sicher.

Was du brauchst, um legal zu fahren

Ein Elektroroller ist kein Spielzeug. Wenn du einen Roller mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 6 km/h fahren willst, brauchst du eine Versicherungsplakette. Das ist die Haftpflichtversicherung, und sie ist Pflicht. Ohne sie darfst du nicht auf die Straße. Die Plakette klebst du sichtbar auf den Roller, meistens hinten am Rahmen. Ohne sie gibt’s 40 Euro Bußgeld - und der Roller wird beschlagnahmt.

Du brauchst auch keinen Führerschein, wenn dein Roller maximal 20 km/h schafft. Aber: Du musst mindestens 14 Jahre alt sein. Ab 16 Jahren darfst du auch Roller mit bis zu 25 km/h fahren - aber dann brauchst du eine Prüfbescheinigung. Die bekommst du in einer Fahrschule, nach einem einstündigen Theorieunterricht. Kein Fahrprüfung, kein Motorradführerschein. Einfach, aber wichtig.

Ab 25 km/h gilt der Roller als Kleinkraftrad. Dann brauchst du einen Führerschein der Klasse AM (oder höher), und du musst mindestens 16 Jahre alt sein. Die meisten Roller, die du heute in Läden siehst, sind auf 20 km/h begrenzt. Das ist der sweet spot: legal, günstig, schnell genug für die Stadt.

Wo darfst du fahren?

Ein Elektroroller ist kein Fahrrad, aber auch kein Auto. Deshalb darfst du nicht einfach überall fahren. Auf Radwegen bist du erlaubt - aber nur, wenn dort kein Schild „Mofa verboten“ steht. Viele Städte haben das verboten, weil Roller zu schnell sind und Radfahrer gefährden.

Wenn kein Radweg da ist, fährst du auf der Straße. Und zwar rechts, wie alle anderen Fahrzeuge. Du darfst nicht auf dem Gehweg fahren - außer du bist unter 12 km/h und hast ein Schild „Roller erlaubt“. Aber das gibt’s nur selten. In Leipzig, Berlin oder Köln findest du oft spezielle Rollerstreifen. Die sind meistens mit einem Symbol gekennzeichnet: ein kleiner Roller auf blauem Grund.

Und was ist mit Einbahnstraßen? Du darfst sie in beide Richtungen befahren - aber nur, wenn es explizit erlaubt ist. Ein Schild mit „Roller frei“ oder „Mofa frei“ sagt dir, dass du auch entgegen der Fahrtrichtung fahren darfst. Ohne Schild: nein, du bleibst auf der richtigen Seite.

Sicherheit: Helm, Licht, Reflektoren

Helm tragen ist nicht gesetzlich vorgeschrieben - aber du bist verrückt, wenn du keinen trägst. Mehr als 60 % der schweren Unfälle mit Elektrorollern passieren ohne Helm. Du bist nicht nur in Gefahr, du bringst auch andere in Gefahr, wenn du stürzt und in den Verkehr fliegst.

Dein Roller muss Licht haben - vorn weiß, hinten rot. Und das muss funktionieren. Selbst bei Tageslicht. Die Gesetze verlangen, dass das Licht automatisch eingeschaltet wird, wenn der Roller gestartet wird. Kein Knopfdruck. Kein „ich fahr doch nur kurz“. Wenn das Licht kaputt ist, ist der Roller nicht straßenfähig.

Reflektoren? Auch Pflicht. Hinten, seitlich und manchmal auch vorne. Die meisten Roller haben sie eingebaut. Aber wenn du den Roller selbst umgebaut hast - zum Beispiel mit neuen Reifen oder einer anderen Batterie - dann prüfe, ob die Reflektoren noch da sind. Ohne sie: Bußgeld von 20 Euro.

Elektroroller mit eingeschalteten Lichtern und Reflektoren, geparkt an einer blauen Roller-Spur mit Symbol, nasse Straße bei Dämmerung.

Was du nicht tun darfst

Du darfst nicht mit dem Handy am Ohr fahren. Kein Telefonieren, kein Scrollen. Das ist genauso verboten wie im Auto. Bußgeld: 100 Euro und ein Punkt in Flensburg.

Du darfst nicht betrunken fahren. Die Grenze ist 0,5 Promille - wie beim Auto. Aber: Bei Unfällen oder auffälligem Verhalten reicht schon 0,3 Promille. Und bei Fahranfängern (unter 21) gilt 0,0 Promille. Ein Bier nach der Arbeit? Dann geh zu Fuß. Oder nimm die U-Bahn.

Du darfst nicht zu zweit fahren - es sei denn, dein Roller ist extra dafür zugelassen. Die meisten Roller haben nur einen Sitz. Zwei Personen auf einem Roller sind illegal. Und wenn du Kinder mitnimmst? Dann brauchst du eine spezielle Sitzbank mit Fußstützen und Sicherheitsgurt. Und das ist selten.

Was du tun solltest

Checke deine Reifen. Einmal pro Woche. Der Luftdruck ist entscheidend. Zu wenig Luft? Du verlierst Grip, besonders bei Regen. Zu viel Luft? Der Roller springt über Schlaglöcher und du verlierst die Kontrolle. Die meisten Roller brauchen 2,5 bis 3,0 bar. Die genaue Zahl steht auf der Reifenwand.

Lade die Batterie richtig. Niemals über Nacht. Niemals auf dem Boden liegend. Nutze nur das Originalladegerät. Viele Brände in Wohnungen passieren, weil Leute billige Lader benutzen. Ein guter Akku hält 3-5 Jahre - wenn du ihn nicht überlastest.

Prüfe die Bremsen. Jeden Monat. Drücke die Handbremse: Sie sollte fest anziehen, ohne zu quietschen. Wenn sie nachgibt oder rattert, ist was kaputt. Ein Elektroroller bremst nicht wie ein Auto - er hat oft nur eine elektrische Bremse. Die reicht nicht. Du brauchst eine mechanische Handbremse als Sicherung. Ohne sie: kein Verkehrstauglichkeit.

Zerbrochener Helm und kaputter Roller auf nasser Straße, rotes Verbotsschild im Hintergrund, goldenes Licht für sicheres Fahren darüber.

Was du nicht unterschätzen solltest: Wetter und Straßenverhältnisse

Ein Elektroroller ist ein kleines, leichtes Fahrzeug. Bei Wind ist er instabil. Bei Regen wird die Straße glatt - besonders bei Straßenbahnschienen, manuellen Gullydeckeln oder Holzplanken. Die meisten Unfälle passieren bei nassem Untergrund.

Vermeide Schlaglöcher. Sie sind nicht nur unangenehm - sie können den Akku beschädigen. Wenn du einen großen Schlagloch siehst, bremse rechtzeitig und fahre langsam darüber. Nicht ruckartig. Nicht mit Vollgas.

Im Winter? Vorsicht. Bei Frost kann die Batterie bis zu 40 % ihrer Leistung verlieren. Ein Roller, der sonst 50 km schafft, kommt bei -5°C nur noch 30 km weit. Lade ihn drinnen, nicht draußen. Und fahre nicht, wenn es vereist ist. Du kannst nicht bremsen. Du kannst nicht lenken. Du kannst nur hoffen.

Was passiert bei einem Unfall?

Wenn du einen Unfall hast - auch wenn es nur ein Kratzer ist - melde ihn. Deine Versicherung braucht den Bericht. Wenn du nicht meldest, verlierst du den Versicherungsschutz. Das ist kein kleiner Fehler. Das ist ein großer Risiko.

Füll das Unfallprotokoll aus. Frag andere Beteiligte nach Name, Adresse und Versicherungsnummer. Mach Fotos von den Schäden. Und ruf die Polizei, wenn jemand verletzt ist oder wenn du dich nicht einig bist. Selbst wenn du unschuldig bist: Dokumentiere alles. Das spart dir später Ärger.

Und vergiss nicht: Wenn du ohne Versicherung fährst und einen Unfall verursachst, zahlst du alles selbst. Ein kaputter Wagen? 10.000 Euro. Eine verletzte Person? 50.000 Euro. Ein Helm könnte 100 Euro kosten. Die Versicherung kostet 40 Euro im Jahr. Die Wahl ist klar.

Was du noch wissen solltest

Elektroroller dürfen nicht auf Autobahnen fahren. Auch nicht auf Schnellstraßen mit mehr als zwei Fahrspuren. Das ist verboten. Du darfst nur auf Straßen mit Tempo 50 oder weniger fahren - und nur, wenn du nicht schneller als 25 km/h bist.

Einige Städte haben Zonen, in denen Roller verboten sind - zum Beispiel Innenstadtzonen mit Fußgängerzone. In Leipzig ist das zum Beispiel im Altmarkt und in der Neumarktstraße der Fall. Achte auf Schilder. Sie zeigen einen Roller mit einem roten Kreuz.

Und: Du darfst deinen Roller nicht einfach in der Wohnung aufladen. Viele Wohnungsverträge verbieten das. Die Feuerwehr warnt: Batterien in Wohnungen brennen schwer und schwer zu löschen. Lade ihn im Treppenhaus, im Keller oder draußen - aber nicht in der Wohnung.

Darf ich mit einem Elektroroller auf dem Radweg fahren?

Ja, aber nur, wenn kein Schild „Mofa verboten“ steht. Viele Radwege in Städten verbieten Roller, weil sie schneller sind als Fahrräder. Achte immer auf die Schilder. Wenn du unsicher bist, fahre auf der Straße - das ist immer erlaubt.

Brauche ich einen Führerschein für einen 20 km/h Roller?

Nein, du brauchst keinen Führerschein, wenn dein Roller maximal 20 km/h fährt. Aber du musst mindestens 14 Jahre alt sein und eine Versicherungsplakette haben. Ab 16 Jahren darfst du auch Roller mit bis zu 25 km/h fahren - dann brauchst du eine Prüfbescheinigung, die du in einer Fahrschule in einer Stunde Theorie bekommst.

Ist ein Helm Pflicht?

Nein, ein Helm ist nicht gesetzlich vorgeschrieben - aber es ist der beste Schutz, den du hast. Mehr als die Hälfte der schweren Unfälle passieren ohne Helm. Ein guter Helm kostet 50-100 Euro. Das ist weniger als ein Monat Versicherung. Trag ihn einfach - du wirst es nicht bereuen.

Kann ich zwei Personen auf einem Elektroroller mitnehmen?

Nur, wenn der Roller extra dafür zugelassen ist - mit zweitem Sitz, Fußstützen und Sicherheitsgurt. Die meisten Roller sind nur für eine Person zugelassen. Zwei Personen zu fahren ist illegal und kann zu einem Bußgeld von 25 Euro führen - und im Unfallfall verliert die Versicherung den Schutz.

Was passiert, wenn ich ohne Versicherung fahre?

Du bekommst ein Bußgeld von 40 Euro, und der Roller wird beschlagnahmt. Wenn du einen Unfall verursachst, zahlst du alle Schäden selbst - vom kaputten Auto bis zur Krankenhausrechnung. Die Versicherung kostet 40 Euro pro Jahr. Ohne sie riskierst du Tausende Euro.