Welcher Führerschein für Elektroroller bis 45 km/h in Deutschland?

Welcher Führerschein für Elektroroller bis 45 km/h in Deutschland?

Wenn du einen Elektroroller mit bis zu 45 km/h fahren willst, dann musst du nicht unbedingt einen Auto-Führerschein haben. Aber du brauchst auf jeden Fall einen gültigen Führerschein - und der ist nicht immer der, den du denkst. Viele Leute glauben, ein Mofa-Führerschein reicht aus. Das ist falsch. Andere denken, sie brauchen den Auto-Führerschein Klasse B. Auch das ist nicht nötig. Die richtige Antwort liegt dazwischen - und sie hat einen Namen: L1e-B-Führerschein.

Was ist ein L1e-B-Führerschein?

Der L1e-B-Führerschein ist kein eigenständiger Führerschein, sondern eine Berechtigung, die du mit anderen Führerscheinen kombinieren kannst. Er erlaubt dir, Leichtkrafträder der Klasse L1e-B zu fahren. Das sind Elektroroller oder Benziner mit maximal 45 km/h Höchstgeschwindigkeit, einer Motorleistung von bis zu 4 kW und einem Leergewicht von nicht mehr als 350 kg (ohne Batterie). Diese Roller sind oft als Speed-Pedelecs oder S-Pedelecs bekannt - aber auch reine Elektroroller ohne Tretunterstützung fallen darunter.

Der L1e-B-Führerschein ist in Deutschland seit 2013 eingeführt worden. Vorher gab es nur den Mofa-Führerschein (für 25 km/h) und den A1-Führerschein (für 125 cc). Der L1e-B-Führerschein wurde geschaffen, um eine Lücke zu schließen: Wer schneller als ein Mofa, aber langsamer als ein Motorrad fahren will, hatte bis dahin keine klare Regelung.

Welche Führerscheine berechtigen zum Fahren von 45-km/h-Rollern?

Du brauchst keinen extra Kurs oder Prüfung, wenn du bereits einen der folgenden Führerscheine hast:

  • **Klasse B (Auto)** - Du darfst ab 18 Jahren mit jedem Auto-Führerschein einen 45-km/h-Roller fahren. Kein Zusatzkurs nötig.
  • **Klasse A1 (Leichtkrafträder)** - Ab 16 Jahren darfst du mit A1 auch L1e-B-Fahrzeuge fahren. A1 erlaubt Motorräder bis 125 cm³ und 11 kW - das ist mehr als genug für 45 km/h.
  • **Klasse AM (Mofa)** - Nur bis 25 km/h. Du darfst mit AM keinen 45-km/h-Roller fahren! Das ist ein häufiger Fehler. Wer mit AM fährt, riskiert einen Bußgeldbescheid von mindestens 70 Euro und einen Punkt in Flensburg.
  • **Klasse A2 oder A (Motorrad)** - Selbstverständlich erlaubt. Du darfst sogar schnellere Roller fahren.
  • **Führerscheine vor 1980** - Wer vor dem 1. April 1980 geboren ist und vor dem 1. April 1985 einen Führerschein erworben hat, darf ohne zusätzliche Prüfung auch L1e-B-Fahrzeuge fahren. Das gilt für alte Mofa- oder PKW-Führerscheine.

Wenn du keiner dieser Führerscheine hast, dann musst du den L1e-B-Führerschein erwerben. Das ist der einzige Weg, um legal mit einem 45-km/h-Elektroroller auf öffentlichen Straßen zu fahren.

Wie bekommst du den L1e-B-Führerschein?

Der L1e-B-Führerschein ist nicht als eigenständiger Führerschein zu bekommen. Du musst ihn als Zusatzqualifikation zum AM-Führerschein erwerben. Das bedeutet: Du brauchst zuerst den Mofa-Führerschein (AM). Danach folgt ein spezieller Kurs und eine Prüfung.

Die Ausbildung sieht so aus:

  1. Theorieunterricht: 6 Doppelstunden à 90 Minuten. Themen: Verkehrsregeln, Sicherheit, Fahrzeugtechnik, Gefahrensituationen.
  2. Praxisunterricht: 4 Doppelstunden à 90 Minuten. Du fährst auf einem Übungsplatz und im Straßenverkehr. Es geht um Beschleunigung, Bremsen, Kurvenfahren und Umgang mit Verkehr.
  3. Prüfung: Eine praktische Prüfung von etwa 30 Minuten. Du musst zeigen, dass du den Roller sicher beherrschst - besonders bei hohen Geschwindigkeiten und in der Stadt.

Die Kosten liegen zwischen 400 und 700 Euro, je nach Fahrschule und Region. In Leipzig kostet es durchschnittlich 550 Euro. Der Kurs dauert in der Regel 3 bis 6 Wochen, wenn du regelmäßig fährst.

Mindestalter: 16 Jahre. Keine ärztliche Untersuchung nötig, aber du musst ein Sehtest-Formular vorlegen. Das bekommst du bei jeder Optik oder beim Augenarzt.

Vergleich von Führerscheinen AM, A1 und B für 45 km/h-Elektroroller mit technischen Daten.

Was passiert, wenn du ohne Führerschein fährst?

Ein 45-km/h-Elektroroller ist kein Spielzeug. Er ist ein Kraftfahrzeug - und das bedeutet: Kein Führerschein, kein Fahrzeug. Wenn du ohne gültigen Führerschein fährst, riskierst du:

  • Bußgeld: Mindestens 70 Euro, bei Wiederholung bis zu 180 Euro.
  • Punkt in Flensburg: Ein Punkt in deinem Fahreignungsregister.
  • Haftung bei Unfall: Deine Haftpflichtversicherung zahlt nicht - du bist persönlich haftbar.
  • Einziehung des Rollers: Die Polizei kann das Fahrzeug sicherstellen, wenn du keinen Führerschein vorweisen kannst.

Es gibt keine Grauzone. Selbst wenn du den Roller nur auf dem Radweg fährst - er ist kein Fahrrad. Er hat keinen Pedal-Unterstützungsmodus, sondern einen Gasgriff. Das macht ihn rechtlich zu einem Kraftfahrzeug.

Was brauchst du außer dem Führerschein?

Ein 45-km/h-Elektroroller muss wie ein Motorrad zugelassen sein. Das bedeutet:

  • Kfz-Versicherung: Du brauchst eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Die kostet je nach Alter, Wohnort und Modell zwischen 50 und 150 Euro pro Jahr.
  • Kennzeichen: Du bekommst ein blaues Kennzeichen mit einem „L“-Vorzeichen (z. B. L-AB 123). Das Kennzeichen muss gut sichtbar montiert sein.
  • HU und AU: Der Roller muss alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung (HU) und alle zwei Jahre zur Abgasuntersuchung (AU). Das ist Pflicht.
  • Helmpflicht: Du musst einen ECE-zertifizierten Helm tragen. Kein Fahrradhelm! Ein Mofa-Helm ist nicht ausreichend - er muss für 45 km/h zugelassen sein.

Einige Roller haben einen elektronischen Fahrzeugschlüssel oder einen Code-Start. Das ist kein Problem - solange der Roller über eine gültige Zulassung verfügt.

Was ist mit Elektrorollern mit 25 km/h?

Wenn du nur 25 km/h fahren willst, dann ist alles einfacher. Roller mit max. 25 km/h und max. 500 Watt Motorleistung gelten als Mofa. Für die brauchst du nur den AM-Führerschein (Mofa-Prüfbescheinigung). Der kostet etwa 100-150 Euro und kann ab 15 Jahren gemacht werden. Keine Prüfung, nur eine Theorieeinheit. Und du darfst ihn auch ohne Führerschein fahren, wenn du vor 1965 geboren bist.

Wichtig: Ein Roller, der 25 km/h fährt, darf nicht auf die Autobahn oder Schnellstraße. Ein 45-km/h-Roller darf das - aber nur, wenn er technisch dafür zugelassen ist. Die meisten 45-km/h-Roller sind nicht für Autobahnen geeignet - das steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I.

Gesperrter Elektroroller mit Schlüsseln verschiedener Führerscheine in symbolischer Szene.

Welche Roller eignen sich für Anfänger?

Wenn du neu bist, dann solltest du auf ein Modell mit guter Bremsen, stabilem Rahmen und niedrigem Sitz achten. Beliebte Modelle für Einsteiger sind:

  • Yamaha Tricity 155 - Dreirad, sehr stabil, ideal für Stadtverkehr.
  • Kymco Like 125 - Klassiker, einfach zu bedienen, zuverlässig.
  • Peugeot e-Streetly - Elektrisch, leise, gutes Handling.
  • Aprilia SR 50 R - Mit Elektro-Umbau erhältlich, sehr günstig im Gebrauchtenmarkt.

Vermeide zu leistungsstarke Roller, wenn du gerade erst anfängst. Ein 45-km/h-Roller ist schon schnell genug - besonders in der Stadt. Du brauchst keine 60 km/h oder mehr. Die meisten Unfälle passieren nicht bei hohen Geschwindigkeiten, sondern bei falschen Kurvenfahrten oder unerwarteten Bremsmanövern.

Was ist mit Elektrorollern aus dem Ausland?

Wenn du einen Roller aus dem Ausland kaufst - etwa aus den Niederlanden oder Belgien - dann musst du ihn erst in Deutschland zulassen. Das ist komplizierter als gedacht. Viele ausländische Roller haben keine deutsche Zulassung. Sie haben oft nur ein EU-Kennzeichen, aber kein deutsches Prüfzeichen.

Um einen ausländischen Roller in Deutschland zuzulassen, brauchst du:

  • Den Fahrzeugschein aus dem Ausland
  • Eine technische Prüfung durch einen TÜV oder Dekra
  • Ein Zulassungsformular vom Kraftfahrt-Bundesamt
  • Eine Versicherungsbestätigung

Dieser Prozess dauert 2-4 Wochen und kostet zwischen 150 und 300 Euro. Es lohnt sich oft, einen in Deutschland zugelassenen Roller zu kaufen - besonders als Anfänger.

Frequently Asked Questions

Kann ich mit einem Mofa-Führerschein (AM) einen 45-km/h-Elektroroller fahren?

Nein. Der Mofa-Führerschein (AM) berechtigt nur zum Fahren von Fahrzeugen mit maximal 25 km/h. Ein 45-km/h-Roller ist ein anderes Fahrzeug und erfordert den L1e-B-Führerschein oder einen anderen gültigen Führerschein wie Klasse B oder A1. Wer mit AM fährt, riskiert Bußgeld und Punkte.

Brauche ich einen Helm für einen 45-km/h-Elektroroller?

Ja. Du musst einen Helm tragen, der nach ECE-R22.05 oder neuerer Norm zertifiziert ist. Ein Fahrradhelm ist nicht erlaubt. Der Helm muss den Anforderungen für Kraftfahrzeuge entsprechen, da dein Roller eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h hat.

Darf ich mit einem 45-km/h-Roller auf der Autobahn fahren?

Nur, wenn die Zulassungsbescheinigung Teil I explizit die Zulassung für Autobahnen angibt. Die meisten 45-km/h-Elektroroller sind nicht dafür ausgelegt. Selbst wenn sie technisch schnell genug wären, ist die Zulassung entscheidend. Fahren auf der Autobahn ohne Zulassung ist verboten und kann zu einem Bußgeld von 100 Euro führen.

Wie viel kostet ein 45-km/h-Elektroroller?

Neuwagen kosten zwischen 2.500 und 5.000 Euro. Gebrauchte Modelle ab 1.200 Euro sind erhältlich. Hinzu kommen Versicherung (50-150 Euro/Jahr), Wartung (ca. 100-200 Euro alle zwei Jahre) und eventuelle Zulassungsgebühren. Der Führerschein kostet 400-700 Euro.

Kann ich einen Elektroroller ohne Führerschein fahren, wenn ich ihn nur im Garten nutze?

Ja - aber nur, wenn du ihn nie auf öffentlichen Straßen, Radwegen oder Gehwegen fährst. Auf privatem Grundstück, das nicht öffentlich zugänglich ist, ist kein Führerschein nötig. Sobald du das Grundstück verlässt, gilt die Straßenverkehrsordnung - und du brauchst einen gültigen Führerschein.

1 Kommentare

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    Stefan Sobeck

    Januar 14, 2026 AT 14:34

    Ich hab mir letzte Woche so einen Roller gekauft, total chillig. Kein Bock auf Auto, aber auch nicht auf Fahrrad. Mit 45 km/h fühlt sich an wie ein kleiner Sportwagen, nur ohne Spritgeruch. 😎

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